Wegberg: Ein Jahr in der Natur hilft bei der Orientierung nach dem Abitur

Wegberg: Ein Jahr in der Natur hilft bei der Orientierung nach dem Abitur

Die Abiturprüfungen laufen gerade. Für die meisten Schulabgänger geht es nach der bestandenen schulischen Reifeprüfung an die Uni oder in eine Ausbildung. Trotz des Wegfalls von Wehrpflicht und Zivildienst nehmen sich viele Schulabgänger Zeit, um sich für die Gesellschaft zu engagieren.

Eine Alternative zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) im sozialen Bereich ist das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Junge Leute, die sich für die Natur interessieren, sind dabei an der richtigen Adresse.

Hannah Leffler hat sich für diesen Weg entschieden. Sie macht ihr FÖJ in der Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath in Wegberg. Sie möchte Lehrerin werden. Aber nach dem Abi wollte sie eine Pause von all der Lernerei machen. „Ich wollte nicht nur theoretische Dinge lernen“, sagt sie. Immer nur da sitzen und zuhören — davon hatte sie nach der Schulzeit erstmal genug.

Und praktisch ist ihre Arbeit nun allemal. Mit Delia Lowis, die ebenfalls ein FÖJ macht, Daniel Hackenholt, Kathrin Lämmerhirt und Johannes Baltes, die ihren BFD in der Naturschutzstation machen, ist sie fast täglich auf dem 30 Hektar großen Nabu-Gelände unterwegs. Sie kümmern sich um die Schafe, Hühner, Gänse, Schweine, Wildpferde und Esel der Station. Sie misten Ställe aus, setzen Zäune und arbeiten im Wald. Sie sind also den ganzen Tag draußen. „Das ist man nicht gewöhnt, wenn man von der Schule kommt“, sagt Kathrin Lämmerhirt. Acht Stunden teils harte körperliche Arbeit schlauchen. „Aber es ist auch eine angenehme Erschöpfung, wenn man abends nach Hause kommt und weiß, dass man etwas Gutes getan hat“, sagt sie.

Zusätzlich übernehmen die Freiwilligen noch Bürodienste. „Diese Abwechslung finde ich gut. Wir arbeiten nicht nur draußen“, sagt Hannah Leffler. Ein bis zwei Tage pro Woche im Büro können auch entspannend wirken.

Die Freiwilligen — egal ob FÖJler oder BFDler — können in der Naturschutzstation einen Schwerpunkt für ihre Arbeit wählen. Bei Kathrin Lämmerhirt ist es die Landwirtschaft, bei Daniel Hackenholt die Öffentlichkeitsarbeit. Hannah Löffler arbeitet mit Schulklassen und Besuchergruppen. Einmal pro Woche betreut sie eine AG in einer Grundschule. „Man merkt, dass die Kinder relativ wenig über die Natur und Tiere wissen. Selbst hier auf dem Land“, sagt die Aachenerin. Die AG soll Interesse wecken. Manchmal feiern Kinder auch ihren Geburtstag in der Nabu-Station oder Schulklassen und andere Gruppen kommen, um etwas über die Natur zu erfahren. „Die Kinder, die zu uns kommen, sind sehr interessiert. Wir vermitteln ihnen die Natur spielerisch“, sagt Hannah Leffler.

Das Jahr beim Nabu soll die jungen Leute auch auf ihren Beruf vorbereiten, ihnen helfen, sich zu orientieren. Eins steht fest: Nach dem FÖJ wissen sie, ob sie im ökologischen Bereich arbeiten wollen. An 25 Seminartagen können sie zudem theoretisches Wissen sammeln. Im BFD sind die Themen zum Teil frei wählbar.

Hannah Leffler hat das Jahr genutzt, um sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen: „Im FÖJ hat man Zeit darüber nachzudenken, was man später machen möchte“, sagt sie. In ihrem Wunsch Grundschullehrerin zu werden, hat sie die Arbeit beim Nabu bestärkt. Auch wenn sie sich noch nicht 100-prozentig sicher ist, ob sie sich für das Lehramtsstudium einschreibt. „Ich finde es gut, den Kindern etwas über die Natur beizubringen“, sagt sie. Das könnte sie als Lehrerin weiter machen.