Hürtgenwald: Ein Dorf lebt den Geist der Weihnacht

Hürtgenwald: Ein Dorf lebt den Geist der Weihnacht

Am Anfang stand eine Schnapsidee, ausgeheckt von drei Mitgliedern der Bergsteiner Karnevalsgesellschaft „Burgberg Mösche“. Peter Hinze, Mario Fleck und Matthias Spilles waren es, die vor 25 Jahren laut über einen Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende nachdachten, bei dem alles „für die gute Sache“ geschieht und alles selbst organisiert wird.

Die Idee fand Anklang in der Karnevalsgesellschaft — und schnell auch bei anderen Vereinen in Bergstein, einem 1000-Seelen-Ort in der Gemeinde Hürtgenwald. „Mit zwei Buden, einem Weihnachtsbaum und einem Karussell fing alles an“, sagt Patricia Hinze, die heute zum Organisationsteam des Marktes gehört. „Der Erlös im ersten Jahr betrug 7777 Mark“, fügt ihr Teamkollege Guido Meuthen hinzu. Um für die Spende an hilfsbedürftige Menschen und karitative Einrichtungen auf eine Schnapszahl zu kommen, haben die Karnevalisten vermutlich etwas aufgerundet, doch das Ergebnis stimmte. Eine Wiederholung war schnell beschlossene Sache.

Viele Mitglieder der Frauengemeinschaft, der Sockenfrauen und der Ortsvereine sind schon seit Beginn an der Organisation des Marktes beteiligt.

Ziel: 250.000-Euro-Marke

Wenn morgen der 25. Bergsteiner Weihnachtsmarkt öffnet (siehe Infokasten), haben Maigesellschaft, Feuerwehr und andere engagierte Helfer im Vorfeld 16 Buden, einen Weihnachtsbaum und ein Karussell aufgebaut. Gelagert wird alles auf einem Heuboden im Ort. Im vergangenen Jahr wurden 15.000 Euro gespendet, die Organisatoren hoffen, zum Silberjubiläum am Wochenende die Marke von insgesamt 250.000 Euro zu knacken. Der Markt ist von Jahr zu Jahr gewachsen — und er hat auch die Menschen im Ort noch stärker zusammenwachsen lassen.

„Ich finde es herrlich, sich noch einmal mit allen Menschen austauschen zu können und Neuigkeiten zu erfahren. Im Alltag fehlt dafür leider oft die Zeit“, sagt Frank Lenzen. Für den Weihnachtsmarkt nimmt sich der Bergsteiner wie viele andere Menschen im Ort ganz bewusst Zeit. Arnold Bergs mimt schon seit fast 25 Jahren den Nikolaus.

„Alles für Bürger aus Bürgerhand — so lautet die Devise“, erklärt Guido Meuthen. Kommerzielle Anbieter gebe es rund um den Dorfplatz und die mittelalterliche Kirche nicht. Dafür steuere jede Familie aus dem Ort etwas zum Gelingen bei, die Vereine sind alle beteiligt. „Mehr als 100 Kuchen werden beispielsweise für die Cafeteria gebacken“, sagt Magda Heuser von der Frauengemeinschaft. Die sogenannten „Sockenfrauen“ sind zwölf Monate im Jahr im Dauereinsatz, um Socken, Schals und Mützen für ihren Stand zu stricken. „Es kommen sogar Leute aus Düsseldorf und Köln, um hier Socken zu kaufen“, sagt Ulla Wirtz nicht ohne Stolz. Wer rechtzeitig seine Wünsche äußere, bekomme auch Übergrößen maßgefertigt.

An anderen Ständen gibt es selbst gebastelte Dekorationsartikel, Liköre aus eigener Herstellung und so manche süße und herzhafte kulinarische Attraktion. Der Heimat- und Verkehrsverein beispielsweise serviert unter anderem Leberkäse und Bratkartoffeln. Etwa drei Zentner Kartoffeln werden im Vorfeld im Ort zum Schälen verteilt, gibt Vorsitzender Franz Flesch zu Protokoll. Weitere sieben Zentner werden vom Team des Reibekuchenstands geschält. Alle Beteiligten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Aber so viel sei gesagt: Hungern muss in Bergstein niemand.

Abgerundet wird alles von Konzerten auf der Bühne und in der Pfarrkirche. In den ersten Jahren hat die Frauengemeinschaft sogar Theater gespielt, im Saal der mittlerweile nicht mehr geöffneten Gaststätte am Dorfplatz. Zwei Stücke gab es, ein besinnliches und ein fröhliches. „Danach haben wir eine lebende Krippe auf dem Dorfplatz aufgeführt“, sagt Magda Heuser rückblickend. Schafe, Esel — die gesamte Dekoration haben die Frauen selbst gebaut. Etwa 20 Kinder waren als Engelchen im Einsatz. „Wir sind jedoch alle älter geworden“, sagt die Vorsitzende der Frauengemeinschaft. Als Realistinnen hätten sie beschlossen, das Theaterspielen einzustellen. Dem Weihnachtsmarkt aber sind sie an vielen anderen Stellen weiterhin eng verbunden.

Der Trubel hat durchaus auch eine integrative Kraft. „Wir sind Zugezogene, kommen ursprünglich aus Düsseldorf“, berichten Inge und Heinz Flesch. Von der Dorfgemeinschaft seien sie schnell aufgenommen worden, eine Mitarbeit auf dem Weihnachtsmarkt sei Ehrensache. Kirsten Welz aus Aachen hat ihr Herz ebenfalls an den Ort verloren. Sie wurde Halloween von der Bergsteinerin Ruth Wirtz an deren Haustür angeworben — und hilft bei der Betreuung einer Bude, an der es geistreiche Wässerchen gibt.