Forderung der Staatsanwaltschaft: Ehemaliger Prediger soll für Missbrauch jahrelang in Haft

Forderung der Staatsanwaltschaft : Ehemaliger Prediger soll für Missbrauch jahrelang in Haft

Die Staatsanwaltschaft möchte Heinz-Günter K. im Gefängnis sehen. Sie beantragte am Mittwochmorgen, eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs in 19 Fällen zu verhängen.

Der heute 75-Jährige soll zwischen September 2001 und Februar 2003 seine jungen Enkelinnen in Aachen in der eigenen Wohnung fortgesetzt missbraucht haben. Die Fälle liegen weit zurück, das macht die Wahrheitsfindung schwieriger.

Ursprünglich hatte Oberstaatsanwältin Carolin Kraft sogar 73 Missbrauchsfälle angeklagt. Heinz-Günter K., damals Prediger bei der neuapostolischen Gemeinde in Aachen, hatte nur vier Fälle eingeräumt. „Ich schäme mich über alle Maßen, ich habe große Schuld auf mich genommen“, ließ er über seinen Anwalt Markus Jentgens vortragen. Der beantragte eine „angemessene Bewährungsstrafe“ für seinen nicht-vorbestraften Mandanten.

Mitangeklagt vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts ist auch die Ehefrau Irmtraud K. wegen „Förderung sexueller Handlung an Minderjährigen“ oder auch „Beihilfe“. Die 68-Jährige soll von den Übergriffen ihres Mannes gewusst haben, sie habe gezielt immer das Wohnzimmer verlassen, um in der Küche „Milchreis“ zu kochen, den es dann später „als Belohnung“ für die jungen Mädchen gegeben habe. So steht es in der Anklage. Die Beweisaufnahme erhärtete den Verdacht nicht, so dass die Oberstaatsanwältin einen Freispruch anregte, dem sich der Verteidiger der Frau naturgemäß anschloss.

Die Plädoyers wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten, weil sie auch auf den Angaben der Opfer basierten. Die beiden sind inzwischen junge Frauen. Sie hatten hinter verschlossenen Türen ihre Großeltern belastet. Die Geschwister treten in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auf. Ihre Anwälte schlossen sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft am Mittwoch an.

Das Urteil soll Freitag in einer Woche gesprochen werden - 16 Jahre, nachdem sich die kleinen Kinder ihrer Mutter anvertraut hatten.

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