e.Go Life: Bald beginnt die Auslieferung

Bald wird ausgeliefert : Der e.Go nimmt Fahrt auf

E.Go bereit zur Auslieferung: Wir haben eine Probefahrt gemacht

Eigentlich sollte der e.Go Life schon seit November auf den Straßen der Republik unterwegs sein. Die Dieselkrise machte dem aufstrebenden Unternehmen aus Aachen zunächst einen Strich durch die Rechnung. Doch nun rollen die ersten Fahrzeuge mit Zulassung durch Aachen.

Es ist gut vier Jahrzehnte her, dass der Elektrotechnik-Ingenieur Werner Schuh seinem Sohn Günther vom dem Studium abriet. „Das ist zu schwierig.“ Der Sohn gehorchte, studierte Maschinenbau und absolvierte ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium.

Seit vielen Jahren ist Schuh junior nun Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik und auch Direktor am Werkzeugmaschinenlabor an der RWTH. Er ist aber auch noch nebenbei zum Pionier für emissionsfreie Fahrzeuge geworden und beschäftigt sich also doch auch mit der Elektrotechnik. Der 60-Jährige ist Vorstandsvorsitzender des Elektro-Fahrzeugherstellers e.GO Mobile, der in Aachen/Rothe Erde seine Produktionshallen errichtet hat.

Serienproduktion beginnt verspätet

Der e.Go „Life“ ist das erste Baby des aufstrebenden Unternehmens, und eigentlich sollte das kleine Stadtauto schon seit November auf den Straßen der Republik unterwegs sein. Dass es anders gekommen ist, hat mit dem Dieselskandal und den daraus resultierenden Problemen zu tun. Die Zulieferer haben die Regeln verschärft, ihr Misstrauen gegenüber den großen Autoherstellern ist gewachsen.

Und so überprüfen sie nun auch, wie ihre Teile in den fertig gebauten Autos eingebaut und genutzt werden. Mit den Auswirkungen der Dieselkrise hatte auch e.Go zu kämpfen, denn die Serienproduktion ist erst Mitte März angelaufen.

Stolz, dass die ersten Modelle nun ausgeliefert werden: e.Go-Gründer Günther Schuh. Foto: Andreas Herrmann

Günther Schuh sagt, dass der Skandal nicht dazu geführt habe, dass die bundesweite Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen deutlich gestiegen sei. Vielmehr interessiere sich der Kunde für „attraktive, bezahlbare Mobilität“, sagt er und deutet auf seine Flotte. Die zeitliche Verzögerung bei der Auslieferung hat allerdings Spuren hinterlassen.

Zahlreiche Bestellungen storniert

Etwa 3300 Fahrzeuge, made in Aachen, werden in den nächsten Monaten nun den Kunden übergeben, aber 1000 Autofans haben ihre Bestellungen in den letzten Wochen storniert. Manchmal wurde die Abbestellung auch mit eher unfreundlichen Begleitschreiben verziert. „Nicht jeder kennt die Hintergründe der Verzögerung, die wir nicht beeinflussen können“, sagt Schuh.

„30 bis 35 Millionen Euro“ hat diese Phase gekostet, in der weiterhin getüftelt und optimiert, aber kein Auto verkauft wurde. „Für eine junge, kleine Firma ist das eine zusätzliche Herausforderung“, sagt Schuh. Kompensiert wurde der Fehlbetrag mit einer schon vorher geplanten Kapitalerhöhung der Aktionäre.

Erste Testfahrt mit TÜV-Zulassung

Die Zulassungspapiere von TÜV und Bundesamt für Kraftfahrzeugwesen für den kleinen Stromer sind inzwischen eingetroffen. Seit Donnerstag nun dürfen Journalisten erste Testfahrten auf Aachens Straßen unternehmen. Knappe Haube, putzige Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck – so ist der erste optische Eindruck. In den Kofferraum passen zwei Kästen Sprudel. Fahrer und Beifahrer sitzen bequem und leicht erhöht.

Jetzt mit schwarzen Nummernschildern auf der Straße: der e.Go. Foto: Andreas Herrmann

Der e.Go ist als Viersitzer zugelassen, wer hinten einsteigen will, muss beim Zweitürer aber durchaus biegsam sein, ehe er sich auf den Polstern niederlassen kann. Die Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen ist eingeschränkt, was bei Stadtfahrten aber kein großes Manko ist.

Der Hochvolt-Elektromotor nimmt geräuschlos Fahrt auf, das maximale Drehmoment wird sofort erreicht. Der kleine Wendekreis macht sich schnell im Stadtverkehr bezahlt, der Fahrspaß kommt nicht zu kurz. Das Auto hat durchaus Temperament, das Motorfahrwerk lässt sich auch während der Fahrt in den Status Economy, Sport oder Comfort je nach Umgebung umschalten. Die Beschleunigung ist gut nachvollziehbar.

Mehr als 100 Kilometer – statistisch gesehen fährt der Bundesbürger 42 Kilometer am Tag – kann der kleine Stromer am Stück zurücklegen, dann verlangt er nach Stromaufnahme. Aufgeladen werden kann er auch über ein herkömmliches Stromkabel.

Die Bundesregierung vergütet die Anschaffung solcher E-Autos mit einer Umweltprämie von 4000 Euro. Die Förderung läuft im Juni aus, soll aber wohl verlängert werden.

Erste Auslieferung noch ohne ESP

In der nächsten Woche ist der erste Auslieferungstermin, die ersten Privatkunden heißen Marcel Philipp, Armin Laschet, oder auch Oliver Grün. RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger bekommt das E-Mobil für die Hochschule geschenkt.

Die ersten Fahrzeuge werden noch ohne das Elektronisches Stabilitätsprogramm ESP ausgeliefert. Der Hersteller testet noch, im September soll die Software für die Fahrdynamikregelung dann freigegeben und in den zuvor ausgelieferten e.Go ohne großen Aufwand integriert werden. „Wir wollten nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagt Schuh.

Das fehlende ESP führt auch dazu, dass vorerst die Rekuperation nicht freigeschaltet ist, die die Bewegungsenergie des Autos wieder in elektrische Energie umwandelt und in die Batterie zurückspeist. Damit reduziert sich vorerst die Reichweite, und auch die Spitzengeschwindigkeit reduziert sich für ein paar Monate von möglichen 142 auf derzeit 130 Kilometern pro Stunde.

Der e.Go Life wird in drei Ausführungen produziert. Foto: ZVA/Grafik

In der auslieferungsfreien Zeit hat e.Go deutsche Automobilgeschichte geschrieben, bevor es noch jemals ein eigenes Fahrzeug auf die Straße gebracht hat. VW öffnet seinen nagelneuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), die Aachener Firma ist der erste externe Industriepartner, der damit arbeiten darf.

Ein e.Go zum 100. Geburtstag

Am Standort Aachen sollen ab Mitte 2021 jährlich etwa 5000 VW-Fahrzeuge, vermutlich das Modell Buggy, gebaut werden. Der aufsehenerregende neue Absatzkandal schafft dann auch Planungssicherheit. Der angestrebte Zwei-Schichtbetrieb könnte bei e.Go früher als geplant einsetzen. Spätestens ab Beginn 2020 sind dann weitere Mitarbeiter notwendig. Derzeit hat das Unternehmen etwa 450 Menschen, davon 140 in den Werkshallen.

Schuh wird den Life für seine Frau und seine Tochter und auch für seinen Vater anschaffen. Der Senior hattte dem Junior vor vielen Jahrzehnten ein Kettcar gebaut und damit die Leidenschaft für Fahrzeuge geweckt. Werner Schuh fährt nicht mehr selbst, aber seinen Führerschein wollte er unbedingt noch behalten. Wenn er Ende Mai in Refrath feiert, wird sein Sohn, dem er vom E-Technik-Studium damals abriet, mit seinem E-Fahrzeug in der Einfahrt stehen. Als Geschenk zum 100. Geburtstag.

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