Nato-Arbeitspapier: Dutzende US-Atomwaffen lagern in unserer Region

Nato-Arbeitspapier : Dutzende US-Atomwaffen lagern in unserer Region

Vermutungen gibt es schon seit geraumer Zeit. Nun belegt ein Dokument erstmals das, was die Friedensbewegung schon seit langem beklagt: In Europa und in der Türkei lagern an sechs Standorten insgesamt rund 150 US-Atomwaffen.

Sie können sowohl durch amerikanische als auch durch Bomber der Nato-Mitglieder eingesetzt werden. Drei Standorte befinden sich nur 80 bis 150 Kilometer von Aachen entfernt.

Sprengkraft von 50 Kilotonnen

Laut einem Nato-Arbeitspapier sind derzeit elf B61-Fliegerbomben auf dem Fliegerhorst Büchel in der südlichen Eifel gelagert, dem einzigen derartigen Standort in Deutschland. Die Kernwaffen sollen eine Sprengkraft von 50 Kilotonnen haben, dem mehr als Dreifachen der Hiroshima-Bombe. 150 Kilometer nördlich von Aachen befindet sich im niederländischen Nordbrabant die Flugbasis Volkel. Hier lagern 22 Nuklearwaffen. Die niederländische Regierung hatte dahingehende Vermutungen in der Vergangenheit weder dementiert noch bestätigt. 80 Kilometer vom Dreiländereck entfernt, am belgischen Standort Kleine Brogel (Provinz Limburg), befinden sich elf Atombomben.

Die Atomwaffenalger in der Region um Aachen. Foto: Mapz.com/ZVA-Infografik

Allerdings kursierten für dieses Militärgelände in der Vergangenheit bereits höhere Zahlen – vor allem, weil auf ihm 1961 ein spezieller Munitionsbunker gebaut wurde, der seither durch US-Soldaten bewacht wird.

Zu entnehmen sind diese bisher geheimen Angaben einem Dokument, das der parlamentarischen Nato-Versammlung vorgelegt wurde. Nach Angaben der niederländischen Tageszeitung „De Limburger“ geht es in dem nicht klassifizierten Bericht um die Modernisierung der amerikanischen Kernwaffen in Europa. Verteilt wurde er, so die Zeitung weiter, im vergangenen April bei einer Sitzung der Parlamentarischen Versammlung in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. In einer neueren Version seien die brisanten Angaben jedoch gestrichen worden.

Das Arbeitspapier hat bereits zu politischen Reaktionen in Belgien geführt. Der belgische Parlamentsabgeordnete der Grünen, Samuel Cogolati, sieht darin einen Bruch Belgiens mit dem 1968 unterzeichneten Atomwaffensperrvertrag. Zwar sei es schon lange ein offenes Geheimnis gewesen, dass derartige Waffen in Kleine Brogel stationiert seien, sagte Cogolati.

Aber jetzt liege ein „offizieller Bericht der Nato“ vor, der dies bestätige. Es brauche nun eine transparente Debatte und ein Ende der Heuchelei und der Lügen, forderte der Grüne.

„Kein offizielles Dokument“

Die Nato distanzierte sich inzwischen von dem Bericht. Es handle sich dabei nicht um ein offizielles Dokument, sagte ein Vertreter des Militärbündnisses der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Seit dem Ausstieg der USA und Russlands aus dem INF-Ab­rüstungsvertrag ist auch in Deutschland die Furcht vor einem neuen nuklearen Wettrüsten gewachsen. Nach Nato-Angaben ist derzeit jedoch keine Stationierung neuer Atomwaffen in Europa geplant.