Druck auf Bahn wegen mangelnder Qualität steigt

Pünktlichkeit der Regionalzüge : Druck auf die Bahn wegen mangelnder Qualität steigt

Für Bahnpendler ist das Alltag: die Züge kommen zu spät, die Türen gehen nicht auf, die Toilette ist kaputt, die Sitze verdreckt – und es ist zu wenig Platz. Profitester sollen nun unabhängig dauerhaft die Zustände in den Regionalzügen testen. Doch wie sah es 2018 mit der Pünktlichkeit an den Bahnhöfen der Region aus? Die aktuellen Zahlen liegen jetzt vor.

„Wir erhöhen den Druck auf die Bahn“, sagt Benjamin Jeschor, Sprecher beim Nahverkehr Rheinland (NVR). Am Freitagmorgen wurde die Ausschreibung für Profitester im NVR-Hauptausschuss auf den Weg gebracht. Das sei kein Ausdruck von generellem Misstrauen gegenüber der Bahn, die im Auftrag des NVR die Züge stellt, betont Jeschor. Denn die Bahn müsse vertraglich zugesagte Leistungen, die sie auf einzelnen Linien nicht erbringt, auch heute schon melden.

Da nicht erbrachte Leistungen automatisch mit Strafzahlungen verbunden sind, könnte man jetzt glauben, dass die Mängel verschwiegen werden, um Strafzahlungen zu umgehen. Das glaubt der NVR aber nicht. Denn würde das bekannt, würden wiederum noch höhere Strafzahlungen fällig. Doch durch das bisherige System kann vor Ort nicht aktuell auf Mängel reagiert werden, weil sie erst mit der Meldung durch die Bahn bekannt werden. „Mit den Profitestern sind wir davon unabhängig und können schnell Qualitätsprobleme erfassen und auf aktuelle Ereignisse flexibler reagieren“, sagt Jeschor. Fazit: Der Druck auf die Bahn wird steigen, schnell für Abhilfe zu sorgen.

Die Scouts sollen 100 Mal im Jahr auf jeder Linie fahren, die im NVR verkehrt – also im Schnitt alle drei bis vier Tage. Die Tester erfassen Pünktlichkeit, Kapazität, Ausfall und den Zustand der Technik in den Regionalexpress- und Regionalbahnlinien sowie bei den S-Bahnen. Hinzu kommen die Überprüfung von Fahrplaninformationen, des Fahrzeugzustands und der Sauberkeit sowie die Erfassung von Vandalismusschäden und der Qualität der rund 200 Stationen im NVR-Gebiet.

Foto: grafik

Der zuletzt negative Trend bei der Pünktlichkeit im regionalen Bahnverkehr im Rheinland hält auch für das Jahr 2018 an. Die Werte haben sich laut NVR erneut verschlechtert. Im Durchschnitt aller Fahrten kam eine Verspätung von 2,15 Minuten zustande. Dies entspricht einem Anstieg um 7,1 Prozent im Vergleich zu 2017 (2,06 Minuten).

Unsere Region spiegelt diese Entwicklung: Die stark genutzten Pendlerzüge von Aachen nach Köln, der RE 1 und der RE 9, sind 2018 im Durchschnitt aller Fahrten genau vier Minuten beziehungsweise 2,45 Minuten zu spät gekommen. Damit bleibt der RE 1 auf dem unrühmlichen ersten Platz der am meisten verspäteten Züge in der Region. Dabei ist er im Schnitt sogar 45 Sekunden (RE 1) pünktlicher als im Jahr zuvor gekommen. Der RE 9 kam dagegen weitere 20 Sekunden später als im Jahr zuvor.

Die beiden Linien sind unmittelbar von dem stark belasteten Bahnknoten Köln betroffen. Dort müssen sich S-Bahnen, Nahverkehr, Fern- und Güterzüge immer wieder die Gleise teilen. Kommt also ein Zug zu spät aus dem Osten vor Köln an und muss noch einen bevorzugten Fernzug vorbeilassen, summieren sich die Verspätungen schnell auf.

Von der Engstelle sind auch die drei S-Bahn-Linien Richtung Düren (12, 13, 19) betroffen, die alle drei im Schnitt noch später kamen, als in den Vorjahren (1,29; 1,26; 1,39). Der Ausbau der S-Bahngleise ist ein zentraler Baustein der Erweiterung des Bahnknotens Köln. Denn durch den Ausbau bei den S-Bahnen soll mehr Platz für alle entstehen. Das Bundesverkehrsministerium hat für den gesamten Ausbau des Knotens rund 3,7 Milliarden Euro veranschlagt. Angaben zu einem möglichen Fertigstellungstermin sind laut NVR nicht möglich. Jeschor weiß nur: „Das wird noch viele Jahre dauern.“ Bis dahin werde die Pünktlichkeit nicht besser. „Aber wir versuchen alles etwa beim Baustellenmanagement, damit es nicht noch schlimmer wird“, verspricht Jeschor. In Anbetracht dieser Maßgabe sei 2018 „kein gutes Jahr“ gewesen.

Das haben auch die Fahrgäste auf der Strecke zwischen Aachen und Düsseldorf zu spüren bekommen: RE 4 und RB 33 kamen im Schnitt 3,06 beziehungsweise 3,11 Sekunden zu spät. Damit verbesserte sich der RE 4 um 21 Sekunden, die RB 33 blieb mit nur fünf Sekunden mehr Verspätung stabil. Auch die Euregiobahn hielt mit 1,10 Minuten quasi ihren Wert (2017: 1,14). Die Rurtalbahn, die auf ihren eigenen Gleisen fährt, ist mit 20 Sekunden Verspätung im Schnitt die pünktlichste Bahn.

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