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Leverkusener Rheinbrücke: Drohende Verzögerung löst Kritik und Sorge aus

Leverkusener Rheinbrücke : Drohende Verzögerung löst Kritik und Sorge aus

Die Leverkusener Rheinbrücke ist eines der wichtigsten Straßenbauprojekte in Deutschland. Doch jetzt droht wegen eines Streits mit dem Bauunternehmen eine lange Verzögerung.

Die drohende Verzögerung beim Neubau der Leverkusener Rheinbrücke hat in der Region Kritik und Sorge ausgelöst. „Mein Eindruck ist der, dass für Leverkusen immer gilt: Die billigste und für die Bürger oft auch ungesündeste Lösung ist die, die gewählt wird“, sagte der Leverkusener Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. In Städten wie Hamburg oder München würde man sich das kaum so rausnehmen.

„Für die Unternehmen in unserer Region ist die erneute Verzögerung beim Bau der Leverkusener Brücke eine schlechte Nachricht“, sagte Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Allerdings müsse bei aller gebotenen Eile auch die Qualität des Bauwerks unbedingt gesichert sein. „Sonst laufen wir Gefahr, dass wir von einer Kompromisslösung in die nächste stolpern.“ Die Stadt Köln teilte mit, man sei „hochgradig daran interessiert“ zu erfahren, ob mit relevanten Verzögerungen gerechnet werden müsse.

Am Wochenende hatte ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW bestätigt, dass Mängel an importierten Stahlteilen aus China zu erheblichen Verzögerungen beim Neubau der Brücke führen könnten. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat Straßen.NRW dem österreichischen Baukonzern Porr AG eine Frist bis zu diesem Montag gesetzt: Sollte sich das Unternehmen nicht bereiterklären, die bemängelten Stahlteile zurückzunehmen, werde man den Vertrag für das 363 Millionen Euro teure Bauprojekt kündigen.

Der Sprecher von Straßen.NRW, Bernd Löchter, sagte, man sei nach wie vor mit Porr im Gespräch. „Über Fristen kann ich nichts sagen.“ Porr lehnt es ab, alle Stahlteile neu herstellen zu lassen. Die bemängelten Fehlstellen seien nicht ungewöhnlich und könnten beseitigt werden, teilte Konzernsprecherin Milena Ioveva der dpa mit. „Wir verstehen nicht, warum Straßen.NRW die Neuherstellung von Teilen fordert, wenn sogar der TÜV Rheinland das nicht für nötig hält.“ Weil Straßen.NRW bislang die Einschaltung eines unabhängigen Gutachters abgelehnt habe, habe Porr nun die Schiedsbegutachtung durch eine staatlich anerkannte Prüfstelle beantragt.

Lauterbach sagte, es wundere ihn, dass man sich bei einem so wichtigen Projekt wie der Leverkusener Brücke auf Stahl aus China verlasse. Auch Andreas Keith, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im NRW-Landtag, kritisierte den „Billigstahl aus China“, der eine Kostenexplosion und ein anhaltendes Verkehrschaos verursachen könne: „Solchem Irrsinn muss Einhalt geboten werden!"“ Auf Antrag der AfD soll sich der Verkehrsausschuss des Landtags am 13. Mai mit dem Thema beschäftigen. Das Problem soll allerdings nicht die Qualität des Stahls sein, sondern die fehlerhafte Verarbeitung.

Lauterbach sagte, er sei von Anfang an für eine Tunnellösung gewesen. Nun plädiere er dafür, dass zumindest statt der zweiten geplanten Brücke - der für den Fernverkehr - ein Tunnel gebaut werde. Die Feinstaub- und Lärmbelastung der Anwohner wäre dann deutlich geringer. „Das ist immer abgelehnt worden mit dem Argument, das würde länger dauern und wäre teurer. Jetzt sind beide Argumente weg“, sagte Lauterbach. Der Sprecher von Straßen.NRW, Löchter, sagte dazu, ein Tunnel stehe nicht zur Diskussion: „Wir haben einen anderen Weg beschritten.“

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ können sich die Bauarbeiten zusätzlich dadurch verzögern, dass in der alten Brücke Asbest und PCB gefunden worden sind. Löchter sagte dazu: „Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass man in einem 40, 50 Jahre alten Objekt Asbest findet.“ Diese Altlasten seien gegenüber der Stahlträger-Sache völlig nachrangig.

Die Leverkusener Rheinbrücke gilt als eines der derzeit aufwendigsten Bauprojekte im deutschen Straßenwesen. Bereits seit Jahren ist die marode Brücke für Lastwagen gesperrt. Sie soll durch zwei Brücken ersetzt werden. Die erste Brücke sollte nach ursprünglicher Planung dieses Jahr fertig werden, die zweite 2024.

(dpa)