Drei Unfälle bei Stolberg, Alsdorf und Monschau fordern sieben Tote

Sieben Tote in zwei Wochen : „Überhöhte Geschwindigkeit ist Ursache Nummer 1“

Drei tragische Unfälle innerhalb von nur zwei Wochen in der Region haben sieben Menschenleben gefordert. Teils gingen ihnen grobe Fahrfehler der Unfallfahrer voraus. „Überhöhte Geschwindigkeit ist Ursache Nummer 1“, sagt Aachens Polizeisprecher.

„Überhöhte Geschwindigkeit ist Ursache Nummer 1“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen: „Die beiden tödlichen Unfälle in Stolberg und Alsdorf geben diesem Spruch traurige Berechtigung.“ Denn beide gehen auf deutlich überhöhte Geschwindigkeit zurück, gepaart mit weiterem „grob fahrlässigen Verhalten, völlig in Kauf nehmend, dass auch andere Menschen gefährdet, verletzt oder gar getötet werden“, sagte Kemen.

So war der 45-jährige Fahrer eines Golfs am frühen Donnerstagabend Verursacher des tragischen Unfalls auf der L240 bei Alsdorf. An der Einmündung in Richtung Hoengen prallte er mit mehr als 140 km/h ungebremst in einen BMW, der auf der Linksabbiegerspur wartete. Der BMW wurde um 180 Grad herumgeschleudert und kam auf einer Verkehrsinsel zum Stehen. Der Golf kollidierte noch mit einem entgegenkommenden Opel Adam.

Der Fahrer des BMW wurde von einer Unfallzeugin noch an Ort und Stelle wiederbelebt. Die beiden lebensgefährlich verletzten Insassen des Golfs wurden in ihrem völlig zerstörten Fahrzeug eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Die Opel-Fahrerin erlitt mittelschwere Verletzungen. Der 43-jährige Beifahrer des Golfs starb am Freitag in einem Krankenhaus.

Radaranlage umfahren

Geklärt ist unterdessen die Ursache des Unfalls auf der Würselener Straße in Stolberg mit fünf Toten kurz vor Weihnachten. Auch hier geht die Polizei davon aus, dass der 20-jährige BMW-Fahrer aus Herzogenrath mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Vorgeschrieben ist dort eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. In Höhe der Unfallstelle ist eine Radaranlage installiert.

Ein Meer von Blumen, Kerzen und Lichtern zeugt von der großen Anteilnahme der Bevölkerung an den Opfern des Unfalls zwischen Stolberg-Atsch und Aachen-Verlautenheide. Kurz vor Weihnachten waren auf der Würselener Straße zwei Autos ineinandergefahren. Foto: Marc Heckert

Diese habe der Fahrer offensichtlich umfahren wollen, teilte die Polizei mit. Um die in der Fahrbahn eingelassene Kontaktschleife nicht zu berühren, benutzte er die Gegenfahrspur. Ihm kam der Opel Astra entgegen. Wer diesen fuhr, ist nicht geklärt. Entweder saß ein 17-Jähriger im Rahmen des begleiteten Fahrens am Steuer oder dessen 44-jährige Mutter. Um nicht mit dem BMW zusammenzustoßen, lenkte der Fahrer oder die Fahrerin des Astra noch nach links. In diesem Moment zog der 20-jährige Unfallfahrer das Auto wieder auf die rechte Spur. Die Wagen stießen frontal zusammen.

„Wahnsinnshohe Dunkelziffer“

Kurz vor Jahresende starb der Fahrer dieses Wagens bei Imgenbroich, nachdem er mehrere andere Wagen überholt hatte. Foto: ZVA/Andreas Gabbert

Drei tödliche Kollisionen in nicht einmal zwei Wochen – am 29. Dezember war ein 33-Jähriger auf der B258 vor Imgenbroich gegen Bäume geprallt, nachdem er mehrere Fahrzeuge überholt hatte. Eine unglückliche Häufung – oder hat die Zahl schwerer Unfälle zugenommen? Zahlen kann Kemen nicht nennen, doch er weiß um eine „wahnsinnshohe Dunkelziffer an Verkehrsverstößen“. So werde das Umfahren von Radarmessstellen häufiger beobachtet, aber eben nicht statistisch erfasst, da nicht beweisbar.

Kemen mahnt nochmals: „Radarmessstellen sind bewusst da installiert, wo sie stehen, weil es dort eben verstärkt zu Unfällen gekommen ist.“ Im Fall der L240 handele es sich zudem um eine der am stärksten befahrenen Straßen in der Region. „Und wo viele Autos unterwegs sind, gibt es ein erhöhtes Risiko.“

Wird die Polizei nun mit verschärften Maßnahmen reagieren? „Man wird über diese Unfälle natürlich detailliert sprechen“, weist Kemen darauf hin, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. So habe es in einem Fall Hinweise auf ein Rennen gegeben.

Im Übrigen führe die Polizei ganzjährig Geschwindigkeitsmessungen durch: „Wir werden deswegen oft angefeindet. Aber solche Unfälle zeigen, dass der Kontrolldruck nötig ist.“

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