Plombières: Drei Tote, mehrere Verletzte und offene Fragen nach Beziehungsdrama in Moresnet

Plombières : Drei Tote, mehrere Verletzte und offene Fragen nach Beziehungsdrama in Moresnet

Der Donnerstag ist immer der Ruhetag in der Gaststätte „Le Ramier“ in Moresnet-Chapelle. Das kleine Restaurant an der Rue de la Clinique im kleinen Zentrum ist ein kulinarischer Geheimtipp nicht nur für Pilger, die in dem Wallfahrtsort an der deutsch-belgischen Grenze täglich um Frieden beten. An diesem Donnerstag findet der Ort in der Gemeinde Plombières (Bleyberg) keine Ruhe mehr.

Die Fahnen hängen auf Halbmast, Polizeifahrzeuge sind vorgefahren, Gerichtsmediziner und Untersuchungsrichter sind vor Ort, Journalisten erkundigen sich. Ein paar Stunden vorher sind drei Menschen in Moresnet-Chapelle gestorben. Plombières Bürgermeister Thierry Wimmer spricht von einer Beziehungstat und einer „privaten Tragödie“. Einen Terrorakt schließt Wimmer kategorisch aus.

Vier Menschen verletzt

Weitere vier Menschen sind teilweise erheblich verletzt worden bei dem Messerangriff, als sie den Opfern zur Hilfe kamen. Einer kämpft im Aachener Klinikum noch ums Überleben, berichtete das „Grenzecho“ am Donnerstagabend.

Nach Angaben des Belgischen Rundfunks wurden die Betreiberin des Restaurants und ihre Tochter vom ehemaligen Lebensgefährten der Tochter getötet. Der 52-jährige Täter kam ebenfalls ums Leben. Die zuständige Staatsanwaltschaft machte keine konkreten Angaben, wie er starb. Nachbarn berichteten, dass er sich selbst umgebracht habe. Andere wollten wissen, dass ein Kunde dem Täter eine Flasche auf den Kopf geschlagen habe, um ihn außer Gefecht zu setzen. Offiziell bestätigt wurde bis Donnerstagabend keine dieser Versionen. Für Freitag ist die Autopsie der Leichen anberaumt, die Ermittler erhoffen sich daraus mehr Aufschlüsse zum eigentlichen Tathergang und zur Todesursache des Angreifers.

Nach belgischen Medienberichten hatte der Mann die Familie seiner ehemaligen Partnerin bereits seit längerem bedroht. Tochter, Vater und Mutter seien seit Monaten regelrechtem „Terror“ ausgesetzt gewesen. Der Ex-Freund habe genau gegenüber dem Lokal gewohnt, das von der Familie betrieben wird. Diese habe bereits die Polizei informiert, heißt es in Sozialen Medien.

Vor der Tat polizeilich vorgeladen?

Nach ungesicherten Informationen soll der 52-Jährige vor seinem Amoklauf am Mittwochnachmittag eine polizeiliche Ladung erhalten haben. Die sei der Auslöser für die Bluttat gewesen. Auch die Staatsanwaltschaft in Verviers geht von einem Beziehungsstreit aus. Laut Behörden-Mitteilung hatte der Täter gegen 17 Uhr das Restaurant betreten und sofort seine ehemalige Lebensgefährtin und deren Eltern mit einem Messer angegriffen. Die beiden Frauen kamen ums Leben, der Vater wurde ebenso wie einige der Gäste verletzt.

In der Gemeinde Bleyberg liegt ab Freitag ein Kondolenzbuch aus.

Der Bürgermeister von Plombières Thierry Wimmer sprach in einer Mitteilung auf seiner Facebookseite von einer privaten Tragödie und schloss einen Terrorakt aus. Der Täter sei außer Gefecht gesetzt worden, eine Gefahr für die Bevölkerung bestünde nicht. Die Behörden sprächen den Familien und Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Moresnet-Chapelle gehört zur Gemeinde Plombières, auf deutsch Bleyberg, und liegt knapp drei Kilometer westlich des Grenzübergangs Bildchen am Aachener Stadtteil Preuswald. Die Gemeinde hat etwa 10.000 Einwohner.

(pa)
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