Drei Jahre Haft für Raser nach tödlichem Unfall in Mönchengladbach

Prozess beendet : Drei Jahre Haft für Raser nach tödlichem Unfall

Ein 29-jähriger Raser ist in Mönchengladbach wegen der Tötung eines Fußgängers zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den 38-Jährigen mit seinem Wagen bei weit überhöhter Geschwindigkeit erfasst.

Das Landgericht sprach ihn am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung schuldig und ging beim Strafmaß über die Forderung des Staatsanwalts hinaus. Ein 26-jähriger weiterer Autofahrer wurde wegen Unfallflucht zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Laut Augenzeugen war ein illegales Rennen im Gange, als es zu dem Unfall kam. Ein Autofahrer habe den anderen abgedrängt, der sei auf die Gegenfahrbahn ausgewichen. Dann kam der Fußgänger in die Quere.

Doch das Gericht sieht dies am Dienstag anders: Der 29-Jährige habe sich möglicherweise zu einem illegalen Rennen herausgefordert und angestachelt gefühlt, führt der Vorsitzende Richter aus. Entsprechend rücksichtslos sei er durch die niederrheinische Stadt gerast.

Eine Verabredung und eine Aufforderung zu einem Rennen habe man aber nicht feststellen können. Weil die zwei beteiligten Autofahrer zudem zurückgesteckt und den Fuß vom Gaspedal genommen hätten, der eine früher, der andere später, ging das Gericht nicht davon aus, dass ein Rennen im Gang war, als der Wagen des 29-Jährigen auf vierspuriger Straße den Fußgänger erfasste und durch die Luft katapultierte.

Erlaubt war an der Stelle Tempo 40, Sachverständige errechneten eine Geschwindigkeit beim Aufprall von 80 Stundenkilometern. Der 29-Jährige hatte noch gebremst, dürfte über 90 km/h schnell gewesen sein. Auf dem Beifahrersitz hatte noch der Bruder einen Warnruf ausgestoßen: „Fußgänger!“

Zu spät. Der Fußgänger, 38 Jahre alt, hat keine Chance, stirbt am Unfallort an seinen schweren Kopfverletzungen. Der 29-Jährige aus Schwalmtal stellt sich nach dem Unfall der Polizei und ist nach wenigen Stunden wieder auf freiem Fuß. Er gesteht, viel zu schnell gewesen zu sein, bestreitet aber, sich ein Rennen geliefert zu haben.

Einige Monate später klagt ihn die Staatsanwaltschaft wegen Mordes an. Es droht lebenslange Haft. Doch das Gericht lässt den Mordvorwurf nicht zum Prozess zu. Es kann keinen Tötungsvorsatz erkennen. Deshalb wird gegen den 29-Jährigen nur wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verhandelt.

Mönchengladbach hatte bis dahin keine großen Probleme mit illegalen Autorennen - anders als andere Städte wie das nahe Köln, wo nach mehreren schlimmen Unfällen eine Ermittlungsgruppe der Polizei installiert wurde, um die Raserszene in Schach zu halten.

Nach dem Unfall waren die Strafen für illegale Autorennen verschärft worden. Wird dabei jemand schwer verletzt oder getötet, drohen den Verursachern jetzt bis zu zehn Jahre Haft. Schon der Versuch eines Rennens ist inzwischen strafbar. Auf den Mönchengladbacher Fall kann dies rückwirkend nicht angewendet werden.

Immer wieder verursachen Raser bei illegalen Autorennen schlimme Unfälle. Die Strafen fielen bislang sehr unterschiedlich aus. Besonderes Aufsehen erregte ein Fall in Berlin: Im Februar verurteilte ein Gericht in der Hauptstadt zwei Raser erstmals wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil zwar auf, bei der Neuauflage stehen beide derzeit aber erneut wegen Mordes vor Gericht.

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