Stundenlang zu Tode gequält: Drei Jahre Haft für Mutter des ermordeten Babys Leo

Stundenlang zu Tode gequält : Drei Jahre Haft für Mutter des ermordeten Babys Leo

Die Mutter eines in Mönchengladbach ermordeten Babys ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sie war nicht eingeschritten, als ihr Kind von ihrem damaligen Mann nachts stundenlang zu Tode gequält worden war.

Das Düsseldorfer Landgericht sprach die 29-Jährige am Montag wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge sowie Beihilfe zur schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig. Beides habe sie jeweils durch Unterlassen begangen.

Sie hätte mit „geringstmöglichem Aufwand“ verhindern können, dass ihr Kind von ihrem eifersüchtigen Mann getötet wird, sagte der Vorsitzende Richter. „Sie hätte einfach aufstehen können, oder nur ihrem Mann zeigen müssen, dass sie wach ist.“ Sie habe gewusst, dass ihr Kind in der Nähe ihres Mannes in Gefahr gewesen sei, wie ältere Verbrühungen und blaue Flecken am Körper des Kindes gezeigt hätten.

Der Verteidiger der Frau hatte eine Bewährungsstrafe als angemessen beantragt. Sie habe sich schlicht nicht vorstellen können, dass ihr Mann dem kleinen Leo so etwas antut. „Ich bin schon gestraft. Ich habe schon lebenslang, weil ich mein Leben ohne Leo verbringen muss“, hatte die 29-Jährige vor der Urteilsverkündung unter Tränen gesagt. Dem Gericht versuchte sie, ein Buch zu überreichen mit dem Titel: „Unschuldig in Haft - wenn Justiz Fehler macht“.

Nach Leos Tod im Oktober 2015 legten trauernde Menschen Grablichter, Blumen und Plüschtiere vor dem Haus in Mönchengladbach ab, in dem der 19 Tage alte Säugling starb. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Damit endete der dritte Anlauf, ein Urteil für die Mutter zu finden, das der Prüfung durch den Bundesgerichtshof stand hält. Der BGH hatte zuvor zwei in Mönchengladbach gegen sie verhängte Urteile aufgehoben und den Fall nach Düsseldorf verwiesen. Ob der Verteidiger erneut vor den BGH zieht, ließ er am Montag offen.

Der Vater des Kindes ist bereits rechtskräftig wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte den Säugling im Oktober 2015 nachts aus Eifersucht stundenlang gequält und schließlich umgebracht. Leo wurde nur 19 Tage alt.

Die Mutter hatte beteuert, vom Geschehen im Nebenzimmer nichts mitbekommen zu haben. Ihr Verteidiger räumte am Montag aber ein, dass sie doch etwas gehört habe. Das Gericht hielt es für ausgeschlossen, dass sie von der stundenlangen Tortur nichts mitbekommen hat.

(dpa)
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