Aachen: Dombaumeister: Die Zeiten werden härter

Aachen: Dombaumeister: Die Zeiten werden härter

„Sie bauten ein Abbild des Himmels”, hieß vor mehr als drei Jahrzehnten eine Fernsehserie, die die Kathedralen Europas vorstellte. Der Aachener Dom zeigt es: Die Decke des Oktogon stellt das himmlische Jerusalem dar, mit Christus in der Mitte, dem die Heiligen und Engel huldigen.

Dieses Himmelsabbild ist den Menschen lieb und teuer, kostet doch die fachgerechte Sanierung der Dome und Münster eine ganze Menge.

Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber jedes Jahr werden Millionen Euro in den Erhalt dieser monumentalen Gotteshäuser gesteckt, an denen der Zahn der Zeit nagt.

Das erste Mal in Aachen

Zurzeit treffen sich in Aachen rund 100 Dombaumeister der „Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, der Münsterbaumeister und Hüttenmeister”, um Erfahrungen auszutauschen, wie man den Schwierigkeiten beim Erhalt der Gotteshäuser am besten begegnen kann. „Das erste Mal tagen wir in Aachen”, sagte der Aachener Dombaumeister Helmut Maintz stolz. Seinen Kollegen will er vor allem von den Fortschritten der Innensanierung des Aachener Münsters berichten, „nachdem wir die Instandsetzung der Außenfassade mit Erfolg abgeschlossen haben”. Beim Erfahrungsaustausch werden die Hütten- und Baumeister nicht mit Hinweisen auf Tricks und Kniffe geizen. Und sicher auch verraten, welche Steine und welcher Mörtel am besten geeignet sind. Damit es nicht noch mal passiert, dass ein Turm durch ständige Instandhaltungsmaßnahmen kaputtsaniert wird, wie das in Halberstadt der Fall gewesen sein soll.

Denn die Pracht aus vergangenen Jahrhunderten ist nicht nur ein Ausdruck europäischer Baumeisterkunst, sie steht auch für das geistige Europa, das christliche Abendland. „Und sie ist, neben anderen Gebäuden, sinnstiftend und individuelles Identifizierungsmerkmal der Bürger”, sagt Barbara Schock-Werner, Dombaumeisterin des Kölner Doms und Vorsitzende der Dombaumeister-Vereinigung. Vor allem, weil sich die Städte immer ähnlicher würden: gleiche Einkaufsmeilen mit denselben Handelsketten. „Nur mit genügend Schlagkraft wird es uns gelingen, das Interesse am Denkmalschutz weiter wach zu halten.”

Schock-Werner vermutet einen „ideologischen Rückzug” aus dem Schutz der Bauwerke vergangener Zeiten, „vor allem in Deutschland”. Das zeige die Abschaffung Oberer Denkmalbehörden in einigen Ländern, aber auch, dass „der Denkmalschutz so manchem Investor einfach unbequem ist”. Es sei weniger Geld vorhanden, die Kirchensteuern gingen zurück, die Finanzkrise schlage voll durch.

Schwerpunkt Zentraleuropa

Schock-Werners Verein hat etwa 100 Mitglieder, fast 100 Dome sind vertreten. „Der Schwerpunkt liegt im zentraleuropäischen Gebiet, Deutschland, Österreich und die Schweiz”, sagt sie. Mit dem britischen Pendant stehen die Großkirchenfachleute im ständigen Kontakt, eine Delegation wird nächstes Jahr Köln und Aachen besuchen, um sich auf dem laufenden zu halten.

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