Aachen: „Dom im Licht“: Massenandrang löst vorzeitiges Ende aus

Aachen: „Dom im Licht“: Massenandrang löst vorzeitiges Ende aus

Schon der Weg in die Stadt war auf gewisse Art beeindruckend: Gegen acht Uhr am Freitagabend waren die Zufahrtsstraßen nach Aachen so voll wie sonst am Morgen, wenn alle zur Arbeit strömen. Parkplätze Mangelware. Das Ziel vieler Tausend — die Polizei ging von 6000 aus — war aber der Katschhof, auf den sie die außergewöhnliche Aktion „Dom im Licht“ lockte.

Das erwartungsfrohe Gemurmel verstummte, als um 20.30 Uhr (fast) alle Lichter gelöscht wurden und der Dom sich zur gigantischen Leinwand mauserte: Reliefs, Kirchenfenster, Hände, fliegende Tauben, Fabelwesen, Sankt Martin, Noten, wachsende Blumen kletterten, wischten, wuchsen an den 1200 Jahre alten Mauern entlang. Viele der Motive stammten aus dem Dom selbst — waren aber so zuvor wohl keinem ins Bewusstsein gedrungen.

„Das ist eine gute Leinwand“, meinten Chris Noelle und Rick Kay von „Festival of Lights“ aus Berlin, die für die künstlerische Umsetzung des Lichtspektakels verantwortlich waren. Auch die Gerüste, ohne die der Dom kaum zu bekommen ist, störten sie nicht. Wirklich ausprobieren konnten sie es im Vorfeld nicht.

Doch nicht nur die Lichtmotive allein begeisterten die Menschen, die es auf den Katschhof geschafft hatten. Das Zusammenspiel mit den Musikern im Dom setzte dem Ganzen die Krönung auf. Die US-amerikanische Sängerin Deborah Woodson intonierte mit voller Inbrunst zwei Gospels und wurde sogar einmal riesig auf den Dom projiziert. Von den anderen — Domchor, Mädchenchor der Domsingschule, Domorganist Professor Michael Hoppe, Saxofonist Heribert Leuchter und Percussionist Leonhard Gincberg — erhaschten kleine Menschen zwar nur hin und wieder ein Bild von den drei Leinwänden.

Doch den musikalischen Hochgenuss störte das nicht. Die unterschiedlichen Epochen, die die Musiker bedienten, fügten sich dabei zu einem äußerst harmonischen Zusammenklang, auf den die Lichtkünstler wiederum spontan reagierten. „Wir bespielen die Beamer wie ein Instrument“, erläuterte Lichtkünstler Kay.

Auch deshalb bekamen diejenigen, die in der Mitte des Platzes verhältnismäßig locker stehen konnten, kaum etwas davon mit, dass Veranstalter Kurt Savelsberg von der Eventagentur „KS Production Shows“ „Dom im Licht“ etwa eine Viertelstunde früher beendete — mit dem Schlussbild eines Feuerwerks. Denn er und auch die Stadt hatten nur mit etwa der Hälfte der Menschen gerechnet und deshalb kein spezielles Sicherheitskonzept erstellt beziehungsweise angefordert. „Wir waren von der Resonanz überrascht“, gab Stadtsprecher Bernd Büttgens zu. „Am Ende waren wir heilfroh, dass nichts passiert ist.“

Denn an den Eingängen zum Platz drängten auch nach Veranstaltungsbeginn immer mehr Leute auf den Platz. Menschen, die den Platz verlassen wollten, kamen kaum mehr durch. „Deshalb haben wir schnell reagiert“, erklärte Savelsberg. Dennoch fällt das Fazit von Stadt und Veranstalter weitgehend positiv aus: „Wiederholenswert — mit dem richtigen Sicherheitskonzept“, sagte Büttgens. Und auch die Zuschauer waren begeistert: „Besonders wie die Musik die Monumentalität der Kathedrale widergespiegelt hat, fand ich toll“, war nicht nur Thomas Büssing aus Aachen begeistert.

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