Kriminologe : Diskriminierung durch Nennung der Nationalität?

Kriminologe : Diskriminierung durch Nennung der Nationalität?

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hält es für sinnvoll, wenn die Polizei durchgehend die Nationalität von Verdächtigen nennt. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch) befürwortete Institutsdirektor Thomas Bliesener eine Anordnung des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU).

„Ich begrüße eine eindeutige Regelung, die der Polizei eine klare Handhabe gibt“, sagte Bliesener. „Denn Formulierungen wie "Wenn die Herkunft mit der Tat in Verbindung steht" sind ja immer weich.“

In Nordrhein-Westfalen soll künftig bei Presseauskünften der Polizei die Nationalität aller Tatverdächtigen genannt werden, wenn sie zweifelsfrei feststeht. Viele Bundesländer wollen dem nicht folgen. Für Niedersachsen lehnte Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Vorstoß seines Kollegen Reul ab.

Die Richtlinien des Deutschen Presserates sehen vor, die Nationalität eines Täters nur bei „begründetem öffentlichen Interesse“ zu nennen. Dies treffe bei schweren Straftaten wie Mord oder Terrorismus zu. Die Erwähnung der Nationalität dürfe nicht zu Diskriminierung führen.

Bliesener sagte, mehrere Untersuchungen zeigten, dass Zuwanderer leichter straffällig würden. Dies könne man „zum Teil auf Alter und Geschlecht zurückführen“. Das erkläre aber nicht alles, sagte er dem RND. „Wir kennen gerade bei Zuwanderern auch eine Fülle anderer kriminalitätsbegünstigender Merkmale: mangelnde Zukunftschancen, fehlende Bleibeperspektive, schlechtere Sprachkenntnisse.“

(dpa)
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