Aachen: Dilaras Entführer wollte Beziehung zur Mutter erpressen

Aachen: Dilaras Entführer wollte Beziehung zur Mutter erpressen

Der Asylbewerber Ribwar K. (34) aus dem Irak und Ex-Lebensgefährte der Mutter von Dilara hinterließ keine aktuellen Spuren. Er war 13 Tage lang unauffindbar und mit ihm die entführte fünfjährige Dilara. Lange wussten die Beamten nicht, dass die Fährte ins Rhein-Main-Gebiet führte, wie Oberstaatsanwalt Robert Deller während der gemeinsamen Pressekonferenz der Kölner und Aachener Polizei erläuterte.

Die Spur führte nach Ludwigshafen am Rhein, nach Mannheim und nach Sinzheim, wohin der Gesuchte „soziale Kontakte” aufrechterhielt, wie der Kriminalrat Ralf van Uden erklärte. Generell sei man aber im Umfeld des Gesuchten auf „eine Mauer des Schweigens” getroffen. Trotzdem gingen etwa 20 Hinweise ein, von denen letztlich einer der richtige Tipp zur Ergreifung des mutmaßlichen Täters war.

Seit Anfang dieser Woche wurden die Aachener von Spezialkräften aus Köln unterstützt, weil die „Lage sich zuspitzte”, wie Polizeipräsident Klaus Oelze sagte. „Zuspitzte” deshalb, weil den Ermittlern die Zeit davonzulaufen begann. Eine polizeiliche Erfahrung in diesen Fällen ist es, zunächst nicht zuviel öffentlichen Druck auf Geiselnehmer aufzubauen - um das Leben der Geisel nicht zu gefährden.

Dann aber gibt es einen taktischen Zeitpunkt, da ist Warten nicht mehr angesagt, „die Risikoeinschätzung kippt”, wie es Oelze formulierte. Im Fall der kleinen Dilara war das Mitte der Woche. Da startete die Polizei eine Öffentlichkeits- und Medienoffensive, Flugblätter wurden verteilt und die Medien berichteten. Dasselbe habe man für den gestrigen Tag in Ludwigshafen am Rhein vorgehabt, hieß es, der habe sich durch den Zugriff am Donnerstagabend um 20.38 Uhr in Eschweiler erübrigt.

Der Kölner Ermittler Wagner schilderte das Motiv des 34-Jährigen, der ein knappes halbes Jahr mit der Mutter, einer 30-jährigen Frau mit deutschem Pass, zusammenlebte und mit ihr ein gemeinsames zweijähriges Kind hat. „Dilara war aber sein Lieblingskind. Er hat sie einfach von dem Spielplatz mitgenommen.

Generell wollte er wieder eine Beziehung mit der Mutter erzwingen und sein eigenes Kind öfter sehen.” Deshalb wurde die Familie, die Frau hat insgesamt drei Kinder, rund um die Uhr geschützt. Der Iraker sei seit 2001 in Deutschland ansässig und habe sich manches Mal mit Gelegenheitsjobs Geld dazu verdient, hieß es. So hatte er Beziehungen auch nach Eschweiler, er soll dort ab und an in einer Werkstatt geholfen haben.

Aber auch Kommissar Zufall hatte ein wenig die Hand im Spiel. So verschlechterte sich die ohnehin finanziell enge Situation des Mannes auch deshalb, weil ihm in Ludwigshafen, wie die Ermittler berichteten, seine Geldbörse abhanden gekommen war. In ihr sei auch sein Pass gewesen. So kam man dem Mann immer näher.

Der entscheidende Tipp kam aber aus Aachen. Van Uden: „Wir haben alles aufgesucht und das Milieu komplett auf links gedreht.” Schwer waren die Ermittlungen auch, weil K. nur mit dem Fahrrad unterwegs war und auch seine Unterkunft in Würselen nicht aufsuchte.

Aber: Die Beamten wussten beispielsweise, dass der Gesuchte Canabis konsumiert, sie kontrollierten auch die einschlägigen Plätze. Und sie wussten, dass es, so Deller, „ältere Vorstrafen wegen Körperverletzung” gibt. Deller erklärte weiter, dass es keinen Anhaltspunkt für eine Gewalteinwirkung auf das Kind oder einen Missbrauch gebe.

Ribwar K. wurde Freitagmorgen dem Haftrichter vorgeführt. Ihm wird der Tatbestand der Geiselnahme vorgeworfen, das Strafmaß hierfür beläuft sich auf „fünf bis 15 Jahre” Strafhaft. Im Normalfall wird ein entsprechendes Strafverfahren etwa ein halbes Jahr nach der Festnahme eröffnet.

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