Die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe in der Region Aachen

Große Unterschiede : Die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe in der Region

Ende 2018 befanden sich in NRW rund 300.000 Menschen in einer beruflichen Ausbildung. Zehn Berufe waren dabei besonders stark, wobei es zwischen den Geschlechtern zu großen Unterschieden kommt.

Bei der Wahl der Lehrstelle konzentriert sich der NRW-Nachwuchs weiterhin auf klassische Berufsfelder. Favoriten sind bei jungen Frauen die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement und zur medizinischen Fachangestellten. Bei den jungen Männern liegen der Kraftfahrzeugmechatroniker und der Elektroniker vorne, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Aufstellung des Statistischen Landesamts für Ende 2018 hervorgeht.

Den Angaben zufolge haben 55,6 Prozent der Frauen und 39,2 Prozent der Männer eine Lehrstelle aus den Top Ten der Beliebtheitsliste gewählt, zu der auch die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, zum Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik oder zu Friseurin zählt. Aufsteiger bei den jungen Männern ist die Ausbildung zum Fachinformatiker, die innerhalb einer Jahres von Platz 5 auf Platz 3 der gefragtesten Berufe geklettert ist.

Auch die NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hatte kürzlich festgestellt, dass junge Männer bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz breiter aufgestellt sind als junge Frauen. Im aktuellen Bewerberjahrgang konzentrierten sich 37,8 Prozent der Männer auf die zehn beliebtesten Berufe, bei den Frauen seien es hingegen 55,7 Prozent.

In der Region gab es zum Jahresende insgesamt rund 17.000 Auszubildende. In der Städteregion Aachen waren besonders Ausbildungen im Bereich des Büromanagements (447 Auszubildende) oder im Einzelhandel (414) beliebt. Knapp dahinter liegen die 411 Auszubildenden zum Kraftfahrzeugsmechatroniker, wobei dort die Anzahl der Männer überwiegt. Nur 12 Frauen ließen sich zu dieser Zeit in dem Bereich ausbilden, was einen Anteil von nur 3 Prozent ausmacht. Ähnliche Werte liegen in anderen Bereichen wie der Industriemechanik (18 Frauen, 351 Männer), Informatik (12 Frauen, 270 Männer) und der Elektronik (3 Frauen, 267 Männer) vor.

Bei Frauen hingegen beliebt ist die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. In dem Bereich befanden sich Ende Dezember rund 380 Frauen in einer Ausbildung, aber nur 6 Männer. Ein Beruf, der in der Region nur in der Städteregion in den zehn beliebtesten Berufen auftaucht, ist der Mathematisch-technische Softwareentwickler mit 297 Auszubildenden. Obwohl auch dieser Beruf in der technischen Branche angesiedelt ist, gibt es dort mit 48 Frauen einen Anteil von 16 Prozent weiblicher Azubis.

Im Kreis Düren machten Ende 2018 rund 4130 Menschen eine Ausbildung. Im Gegensatz zur Städteregion Aachen war die Ausbildung zum Mechatroniker mit Abstand die beliebteste. Insgesamt knapp 250 Menschen wählten diese Ausbildung, wobei erneut der Anteil der Männer (237) deutlich höher ist als der der Frauen (12). Auf dem zweiten Platz landeten die Ausbildungen zum Industriekaufmann oder zur Infustriekaufffrau mit 183 Auszubildenden. Besonderheiten sind die Ausbildungen zur Medizinischen Fachangestellten, bei der es nur weibliche Auszubildende gab, und des Anlagenmechanikers mit 126 männlichen Azubis und keinen weiblichen.

Der Kreis Heinsberg weist ähnliche Werte wie der Kreis Düren auf. Auch dort befinden sich die meisten Azubis im Kraftfahrzeugmechatronik-Bereich (210 Auszubildende, davon 6 Frauen). Beliebter als in den anderen Kreisen sind etwa die Ausbildung zum Elektroniker (162) oder zum Metallbauer (99).

In allen drei Kreisen gab es insgesamt deutlich mehr männliche Auzubildende als weibliche. In Aachen machten Frauen einen Anteil von 35 Prozent aus, im Kreis Düren und im Kreis Heinsberg jeweils sogar nur 32 Prozent.

Auch, wenn in der Region noch große Unterschiede zwischen der Berufswahl der Geschlechter herrschen, sieht die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) einen positiven Trend. In Deutschland scheint sich die klassische Rollenverteilung bei der Wahl des Ausbildungsberufs zu ändern beginnt - allerdings eher langsam.

So wollen Mädchen zum Beispiel immer öfter Fachinformatikerin werden. Zwischen 2016 und 2018 ist der Beruf in der bundesweiten Beliebtheitsliste bei den Mädchen von Platz 41 auf Platz 33 geklettert.

Auch der Job als Kraftfahrzeugmechatroniker ist bei den jungen Frauen in der Beliebtheit gestiegen und hat sich in der Rangliste von Platz 43 auf Platz 36 vorgeschoben. Umgekehrte Beispiele gibt es auch: Mehr Jungen entscheiden sich dafür, zahnmedizinischer Fachangestellter zu werden (von Rang 131 auf Rang 113) oder Friseur (von Rang 41 auf 35). Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe hatten zuvor über die DIHK-Studie berichtet.

Aus Sicht des DIHK ist diese Entwicklung auch wegen des Fachkräftemangels wichtig. Die Unternehmen könnten bei der Fachkräftesicherung auf sich wandelnde Rollenbilder hoffen, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. „Die Berufsvorstellungen von Jugendlichen ändern sich zwar langsam, aber sie ändern sich.“

Gebremst werde die Entwicklung aber dadurch, dass immer noch zu viele junge Männer und Frauen nur die Top 10 der Ausbildungsberufe kennen. „Dabei können die jungen Leute zwischen Hunderten von Ausbildungen wählen“, sagte Dercks. Zu oft folgten Jugendliche jedoch Klischees und schränkten deswegen ihre Berufswahl ein. In der Auswertung des Verbands sind mehr als 300 Berufe aufgelistet, von manchen dürften die wenigsten schon mal gehört haben: Schifffahrtskaufmann/-frau zum Beispiel oder Geomatiker/-in und Süßwarentechnologe/-in.

(jas/dpa)