Missbrauch auf Handy mitgeschnitten: Die willenlose Patientin und ihr Hypnotiseur

Missbrauch auf Handy mitgeschnitten : Die willenlose Patientin und ihr Hypnotiseur

Ein Heilpraktiker soll in Wegberg versucht haben, eine Patientin sexuell zu missbrauchen. Das legt zumindest eine Tonaufnahme nahe. Der Prozess gegen ihn beginnt am 5. September in Erkelenz.

An einem Tag im Herbst 2017 soll Herr K. der vor ihm liegenden Frau gesagt haben, sie beide seien Pornodarsteller, Erotikfilmschauspieler, sie und er. Sie müssten nun für den neuen Film proben, soll K. gesagt haben, und gab explizite Anweisungen, was sie nun zu tun habe. Sie, Frau F., die Patientin, und er, Herr K., der Heilpraktiker aus Wegberg, der Frau F. vorher in einen Zustand tiefer Hypnose versetzt haben soll. Möglicherweise war es nicht das erste Mal, dass er auf diese Weise versuchte, sich dieser Patientin zu nähern.

Der Heilpraktiker K. ist am Amtsgericht Erkelenz wegen versuchter sexueller Nötigung angeklagt, am 5. September soll sein Prozess beginnen. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach geht davon aus, dass K. seine Patientin in einen Hypnosezustand versetzt hat, der eine Erinnerung an den Verlauf der Sitzung ausschließen sollte. Die Ermittler hatten schon im April 2018 Anklage gegen Heilpraktiker K., Jahrgang 1956, erhoben, doch beim ersten Versuch wurde der Prozess ausgesetzt. Am 28. März sollte der Prozess erneut beginnen, doch zu diesem Termin war einer der Anwälte verhindert. Am 5. September nun soll es endlich klappen.

Die sexuellen Alpträume der Frau F.

Das mutmaßliche Opfer, Frau F., über deren Alter und deren Wohnort das Gericht bislang keine Angaben gemacht hat, um die Identität der Frau zu schützen, hat ihren damaligen Heilpraktiker gewissermaßen selbst überführt. Hilfe von Polizei und Staatsanwaltschaft brauchte sie zunächst nicht. Denn nach Darstellung eines Gerichtssprechers sei Frau F. im Jahr 2017 mehr oder weniger plötzlich von Alpträumen gequält worden. All diese Träume hätten sexuelle Inhalte gehabt.

Wann und warum sie in der Folge begann, ihren Heilpraktiker des sexuellen Missbrauchs zu verdächtigen, haben weder Gericht noch Staatsanwaltschaft bislang bekanntgegeben. Als Frau F. jedenfalls am 29. September 2017 zu einer weiteren Sitzung in die Praxis ihres Heilpraktikers kam, fertigte sie, von K. offenbar unbemerkt, mit ihrem Smartphone eine Tonaufzeichnung der Behandlung an.

Keine U-Haft, wahrscheinlich keine Gefängnisstrafe

Als sie die Aufnahme später der Polizei vorspielte, ergab sich daraus der Verdacht, dass Heilpraktiker K. versucht hatte, die in Hypnose versetzte Frau mit der Pornodarsteller-Geschichte zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Dass die Staatsanwaltschaft lediglich den Versuch eines sexuellen Missbrauchs angeklagt hat, legt den Schluss nahe, dass es an diesem 29. September 2017, einem Freitag, nicht zu einem Missbrauch kam.

Im Vorfeld des eigentlich Prozessbeginns 2018 hatte der Heilpraktiker in Aussicht gestellt, vor Gericht ein Geständnis abzulegen, so sagte am Donnerstag ein Gerichtssprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Dieses abgelegte Geständnis sei dann aber vom Gericht nicht zu gebrauchen gewesen, so dass der Prozess bis 2019 ausgesetzt wurde.

Der Heilpraktiker sitzt nicht in Untersuchungshaft, und es ist fraglich, ob er im Falle einer Verurteilung überhaupt ins Gefängnis muss. Das Verfahren führt Richter Stefan Meuters als sogenannter Einzelrichter, ein Indiz dafür, dass die zu erwartende Strafe zwei Jahre Haft nicht übersteigen wird. Solche Strafen werden üblicherweise, zumal dann, wenn die Angeklagten nicht vorbestraft sind, zur Bewährung ausgesetzt.

Allerdings hat Heilpraktiker K. auch ohne Verurteilung seine erste Strafe schon erhalten: Nach Recherchen unserer Zeitung hat er seine Zulassung als Heilpraktiker bereits verloren.