1. Region

Die Suche nach einem Pflegeheimplatz ist in Corona-Zeiten schwierig

„Verzwickte Situation“ : Schwierige Pflegeheimsuche in Corona-Zeiten

Pflegebedarf richtet sich nicht nach Pandemien. Doch wer sich in Zeiten von Covid-19 auf die Suche nach einem Platz im Pflegeheim machen muss, tut das unter erschwerten Bedingungen.

Einen Platz im Pflegeheim zu finden, ist unter normalen Umständen schon nicht immer leicht - in Zeiten der Coronavirus-Pandemie gilt das erst recht. Zum Teil dürfen die Heime keine neuen Bewohner aufnehmen. Besichtigungen? Fast nie möglich. Und meist müssen Ältere oder Pflegebedürftige nach dem Einzug eine Zeit lang in Quarantäne, in einer für sie neuen Umgebung.

Dazu kommen Nachrichten von Covid-19-Ausbrüchen in Senioren- und Pflegeheimen mit teils vielen Toten. Für Angehörige ist die jetzige Situation herausfordernd.

„Viele warten im Moment aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona ab und versuchen stattdessen, die Pflege zu Hause zu realisieren“, , sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. „Das geht mal mehr, mal weniger gut.“ Seien die Angehörigen berufstätig, werde es schnell schwierig. „Auch die ambulante Pflege kann das kaum auffangen, weil die Dienste kaum neue Kunden aufnehmen können.“ Es sei eine verzwickte Situation, so Bentele.

Unterschiedliche Regelungen in den Ländern

Ein Problem: In manchen Bundesländern nehmen Heime gar keine Neubewohner auf. Die Regelungen seien sehr unterschiedlich, teilt die Diakonie auf Anfrage mit. Wie die Vorgaben der Landesministerien umgesetzt werden, dafür seien dann die Gesundheitsbehörden der Städte und Landkreise zuständig.

Nach Angaben der Caritas nehmen die Pflegeheime zwar in der Regel neue Bewohnerinnen und Bewohner auf - aber das sei eben je nach den Empfehlungen auf Landesebene und der Situation vor Ort verschieden geregelt. Zudem seien ein Test auf Covid-19 und eine Zeit der Quarantäne nach Einzug empfohlen, heißt es weiter.

Quarantäne als zusätzliche Belastung

Die Quarantäne ist eine zusätzliche Belastung, weiß Manfred Carrier von der Diakonie: „In der Regel bedeutet das: Zimmer nicht verlassen, keinen Besuch. Bewohnerinnen und Bewohner mit kognitiven Einschränkungen kommen da mitunter an ihre Grenzen.“

Die Pflegeheim-Gruppe Korian teilt auf Anfrage mit: Um die Dauer der Quarantäne des neuen Bewohners zu verkürzen, führe man bei dem Einzug einen Test auf Covid-19 durch. Bis das Ergebnis - meist innerhalb von 48 Stunden - da sei, stehe der Bewohner unter Quarantäne, könne aber unter Beachtung entsprechender Abstands-, Hygiene- und Schutzvorkehrungen Besucher empfangen, heißt es.

Die schwierge Wahl des Heims

Doch vor dem Einzug steht zunächst die Wahl des Pflegeheims. Und zentral ist dabei die Besichtigung - diese aber ist aktuell oftmals nicht oder nur bedingt möglich. Ein Probewohnen sei in der Regel im Moment gar nicht möglich, erklärt VdK-Präsidentin Bentele.

Eine Besichtigung von Einrichtungen sei sicherlich nicht im Sinne der infektionshygienischen Maßnahmen, erklärt eine Sprecherin der Caritas und verweist auf Möglichkeiten wie Flyer, Website oder Telefon.

Telefonat statt Besichtigung vor Ort

„Man muss es also anders hinkriegen - sich zum Beispiel am Telefon etwas über das Pflegeheim erzählen lassen: Was gibt es für Angebote, wie ist der Umgang mit den Bewohnern?“, sagt die Pflegerechtsexpertin Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Nur auf den Eindruck am Telefon sollte man sich aber nicht verlassen.

Sie verweist auf schriftliche Broschüren der Heime. „Die müssen laut dem Wohn- und Betreuungsgesetz wahrheitsgetreu das Angebot widerspiegeln.“ Sonst könne man sich beschweren und gegebenenfalls Geld zurückverlangen. Idealerweise kommt es aber gar nicht erst dazu, weil man sich schon vorher genau mit Heim auseinandergesetzt hat.

Pflegenoten, Portale, Siegel - woran orientieren?

Ratsam ist darum auch ein Blick auf die Pflegenoten: Die vergibt der medizinische Dienst der Krankenkassen. Er prüft und bewertet die Heime nach vorgegebenen Kriterien, wie Querling erklärt. Sie rät aber, sich nicht nur auf die Durchschnittsnote zu verlassen. „Wir empfehlen dringend zu prüfen, wie das Heim in den einzelnen Kategorien abgeschnitten hat, die einem wichtig sind.“ Es gibt an den Pflegenoten aber auch Kritik - vor allem, dass sie zu positiv seien.

Bewertungsportale sind aus Sicht der Verbraucherschützerin nur mit Vorsicht zu genießen: „Weil man nicht immer weiß, ob die von den Heimen bezahlt werden und nach welchen Kriterien sie genau bewerten.“ Als Orientierung nennt Querling noch das Siegel Grüner Haken. „Gut ist, dass hier die Lebensqualität im Vordergrund steht.“

(dpa)