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Größte europäische Polizeiaktion: Die Spur der Mafia von Limburg nach Kalabrien

Größte europäische Polizeiaktion : Die Spur der Mafia von Limburg nach Kalabrien

Vor fünf Jahren lösten niederländische Finanzfahnder die wohl größte europäische Polizeiaktion gegen die momentan mächtigste Drogenmafia der Welt aus. Bekannt wurde dies im derzeit stattfindenden Mammutprozess in Süditalien.

Als Finanzfahnder im Jahr 2014 drei italienische Lokale in der niederländischen Provinz Limburg näher unter die Lupe nahmen, war ihnen noch nicht klar, dass daraus einmal die größte Polizeiaktion in Europa gegen die momentan mächtigste Drogenmafia der Welt erwachsen würde. Bekannt wurde dies im dem derzeit stattfindenden Mammutprozess in Süditalien in Reggio Calabria, der Hauptstadt von Kalabrien.

In einem besonders gesicherten Gerichtsbunker wird seit Mittwoch gegen 61 Angeklagte verhandelt, darunter einen 52-jährigen Gastronomen, der Pizzerien in Horst an der Maas und Venray betrieb und im Januar nach Italien ausgeliefert wurde. Er gilt als große Nummer in der Mafia-Organisation `Ndrangheta.

Die Razzia führte nach mehrjährigen Ermittlungen unter dem Decknamen „Operation Pollino“ am 5. Dezember letzten Jahres zur Festnahme von insgesamt 91 Personen in Italien, Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Unzählige Ermittler durchsuchten Dutzende Wohnungen, Büros oder Restaurants. In Deutschland waren unter Führung des Bundeskriminalamtes mehrere Hundert Polizisten beteiligt, unter anderem Spezialkräfte der Antiterroreinheit GSG 9. Durchsucht wurde nach Medienberichten unter anderem eine Pizzeria in Pulheim bei Köln, eine Eisdiele in Viersen sowie ein Café im Zentrum von Duisburg. Insgesamt gibt es laut Spiegel Online drei Ermittlungsverfahren in Deutschland.

Mafia-Organisation

Die `Ndrangheta wird von der Bundesregierung als „bedeutendste Gruppierung“ des organisierten Verbrechens in Deutschland eingestuft. Mitte 2017 hatte die Mafia-Organisation demnach in Deutschland 333 Mitglieder, verteilt auf 51 Clans. Einer davon ist der Romeo-Clan, dem die Verdächtigen zugerechnet werden. Er gehört zu den mächtigsten Mafiafamilien und stammt aus San Luca, einem Ort mit rund 5000 Einwohnern am Rand des Aspromonte-Gebirges in Kalabrien. Erst nach den Morden von Duisburg 2007, als sechs Angehörige des Romeo-Clans beim Verlassen des Lokals „Da Bruno“ getötet wurden, erreichten die Bosse einen Frieden, zumindest einen Waffenstillstand.

In der Provinz Limburg wurden nach einem Bericht der Tageszeitung „De Limburger“ fünf Haftbefehle vollstreckt, unter anderem in Tegelen und Sittard. Bei den Durchsuchungen wurden 4000 Kilogramm Kokain, 140 Kilogramm Ecstasy-Pillen und zwei Millionen Euro Bargeld sichergestellt.

Commissario Marco Garofola bezeichnete vor Gericht die Großrazzia als einzigartig. Schon lange hätten die Fahnder beobachtet, dass sich die ’Ndrangheta in Richtung Norden ausbreitete, erst in Italien, später auch nach Deutschland, in die Niederlande und nach Belgien, wo sie problemlos in der Gruppe von Italienern untertauchen konnten, die Geschäfte und Lokale betreiben. In denen seien Geld gewaschen oder Drogen gehortet worden, die aus Südamerika importiert wurden. Während sich die Verdächtigen in Italien oft verstecken müssten, könnten sie weiter nördlich ohne weiteres falsche Pässe bekommen und in der Öffentlichkeit agieren. Die `Ndrangheta operiere weltweit und sei die Nummer eins im Kokainhandel.

Zum Auftakt des Prozesses waren alle 61 Angeklagten in dem Gerichtsbunker in Reggio Calabria anwesend. Ihnen wird Drogenhandel, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche zur Last gelegt. Der Prozess wird Ende November fortgesetzt.