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Aufatmen und Sorge: Die Reaktionen auf das Ende der Maskenpflicht im Unterricht

Aufatmen und Sorge : Die Reaktionen auf das Ende der Maskenpflicht im Unterricht

Viel ist geschimpft worden über die bundesweit einzigartige Pflicht in NRW, in weiterführenden Schulen auch im Unterricht Maske zu tragen. In wenigen Tagen endet der Zwang – und manchen Lehrern und Gewerkschaftern wird es mulmig.

Das angekündigte Ende der Maskenpflicht im Unterricht stößt in Nordrhein-Westfalen auf Erleichterung, aber auch auf scharfe Kritik und Bedenken. „Die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ist verfrüht und voreilig“, teilte die Landesvorsitzende des Philologenverbands NRW, Sabine Mistler, am Freitag mit.

Der Berufsverband der Gymnasiallehrer befürchtet, dass die Infektionszahlen an den Schulen infolgedessen steigen und „zu erneutem Distanzunterricht und damit zu deutlichen Einschränkungen führen“ könnten. Auch andere Lehrerverbände und die SPD-Opposition äußerten ähnliche Sorgen und Kritik.

Nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag angekündigt, die Maskenpflicht im Unterricht nicht zu verlängern. Schüler der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW müssen daher nur noch am Montag ein letztes Mal eine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht tragen. Für die Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie ohnehin nicht.

„Erneut stellt Laschets Landesregierung in ihrer Schulpolitik alle Beteiligten kurzfristig vor vollendete Tatsachen“, kritisierte die SPD-Opposition. „Natürlich ist das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung im Schulalltag oftmals eine Behinderung“, heißt es in einer Mitteilung der Landtagsfraktion. „Dies aber ohne Plan B mit einer Rückkehr zum Regelbetrieb zu beantworten, ist ein grundfalsches Signal.“

Nötig sind stattdessen aus Sicht der SPD: die Einführung einer landesweiten Teststrategie, digitale Beschulung, Abstandssicherung, kleinere Lerngruppen, größere Unterrichtsräume, Kooperation mit außerschulischen Lernorten, Kurzstunden, Schichtbetrieb im Unterricht und gezieltes Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Der Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau, sprach von einer zwiespältigen Entscheidung: „Sicherlich wird die Kommunikation im Unterricht ohne Maske deutlich erleichtert, da jedoch das Abstandhalten in den Klassenräumen nicht möglich ist, geht ein wichtiger Schutz verloren.“

Viele Schulen hätten großen Sanierungsbedarf, stellte der Philologenverband fest. „So ist es nicht ungewöhnlich, dass Klassenräume nicht ausreichend belüftet werden können oder Belüftungsanlagen vollständig fehlen.“ Im Herbst und Winter sei eine Verschärfung der Infektionsrisiken zu befürchten.

Auch die Landesvorsitzende der Grünen, Mona Neubaur, twitterte: „Kinder & Jugendliche sitzen ohne ausreichenden Abstand in oft schlecht zu lüftenden Räumen. Ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht bereitet mir Sorgen.“

Die bisherigen Regelungen der Coronaschutzverordnung sowie der Verordnungen zur Betreuung in Kitas, Schulen und Behinderteneinrichtungen enden in NRW mit Ablauf des 31. August, ebenso wie die Coronavirus-Einreiseverordnung. Die Landesminister für Gesundheit und für Schule, Karl-Josef Laumann (CDU) und Yvonne Gebauer (FDP), wollen am Montag Einzelheiten der neuen Fassungen vorstellen.

Ministerpräsident Laschet hatte bereits angekündigt, dass die Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts auf dem Schulgelände und in Schulgebäuden ihre Gültigkeit behalte. Am Donnerstagabend hatte er getwittert: „Versprochen. Gehalten. Da in Nordrhein-Westfalen die Infektionszahlen sinken, können wir auf die zum Schulstart zur Vorsicht einführte Sonderregel verzichten.“

Der Verband Lehrer NRW wertete das als „wichtigen Schritt in Richtung Normalität“. Umso mehr sei nun aber Wachsamkeit gefragt, mahnte die Landesvorsitzende Brigitte Balbach. Alle am Schulleben Beteiligten müssten durch achtsames Verhalten dazu beitragen, dass die Schulen auch weiterhin keine Pandemie-Brennpunkte seien.

Der schulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Helmut Seifen, äußerte Genugtuung, „dass die Landesregierung Einsicht gezeigt hat und den Betroffenen die wirklich überzogene Maßnahme, während des Unterrichts Maske zu tragen, erspart wird.“

(dpa)