Auch Region Aachen mit schlechten Werten: Die Problemzonen des Westens liegen in NRW

Auch Region Aachen mit schlechten Werten : Die Problemzonen des Westens liegen in NRW

Schwächelnde Wirtschaft, Abwanderung, marode Infrastruktur: Eine neue Studie verortet vier von 19 Regionen mit größeren Problemen bei den Themen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen.

„Schließlich gibt es auf der einen Seite auch ökonomisch sehr erfolgreiche, eher ländlich geprägte Kreise“, schreiben die Autoren des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in einer Analyse zur Zukunft der Regionen in Deutschland, die sie am Donnerstag in Berlin vorstellten. „Auf der anderen Seite finden sich aber auch strukturell sehr schwache Städte“ – nicht nur im Osten, sondern auch im Westen wie zum Beispiel Gelsenkirchen oder Pirmasens.

Fasst man alle Faktoren zusammen, stuft das Institut insgesamt 19 Regionen als gefährdet ein. Der Handlungsbedarf sei dabei am größten in der Altmark, in Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg (beide Sachsen-Anhalt) sowie den Ruhrgebietsregionen Emscher-Lippe und Duisburg/Essen.

Für die Studie untersuchte das IW Köln, wie von ihr zuvor definierte Regionen in Deutschland bei den Themen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur abschneiden. Dafür bewertete es die Gebiete nach insgesamt zwölf messbaren Indikatoren wie etwa die Arbeitslosenquote, Kaufkraft, das Durchschnittsalter der Bevölkerung, die Geburtenrate, die Verschuldung oder die Breitbandversorgung.

Vor allem bei der ökonomischen Entwicklung gibt es drei westdeutsche Standorte, bei denen die Autoren großen Nachholbedarf festgestellt haben: Die Regionen Duisburg/Essen, Bremerhaven und Emscher-Lippe sind demnach geprägt von einer hohen Arbeitslosenquote, geringer Produktivität und einer starken Verschuldung der privaten Haushalte.

„In den beiden Ruhrgebietsregionen lag die Arbeitslosenquote auch 2017 noch über zehn Prozent“, schreiben sie. Mit einer Verbesserung von 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten sei die Quote zudem „weniger stark gesunken als im gesamtwirtschaftlichen Trend“.

Hierbei räumten die Autoren allerdings auch statistische Effekte ein, „weil zum Beispiel die Arbeitslosenquote sinkt, wenn die Bevölkerung kleiner wird“. In der Liste der bundesweit 19 gefährdeten Regionen tauchen auch Bochum/Hagen sowie Dortmund auf.

Vor allem in den Regionen Emscher-Lippe sowie Duisburg/Essen sei der Handlungsbedarf groß, heißt es in einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die dieses am Donnerstag in Berlin vorgestellte. Während Regionen in den neuen Bundesländer vor allem mit Abwanderung und einem hohen Durchschnittsalter der Bevölkerung zu kämpfen haben, mache den NRW-Gebieten eine hohen Arbeitslosenquote, geringe Produktivität und eine starken Verschuldung der privaten Haushalte zu schaffen.

IW-Direktor Michael Hüther nannte als positiven Ansatz indes die Zusammenlegung der früheren Gesamthochschulen Duisburg und Essen. Das habe „zu einer Clusterbildung geführt und zu einem Nukleus, aus dem heraus man Dinge machen kann“. Co-Autor Jens Südekum ergänzte: „Früher hat man gesagt, im Ruhrgebiet gibt's 300.000 Kumpel und keinen Studenten. Im Moment ist es genau andersrum.“

Dortmund wiederum müsste als wachsender Dienstleistungsstandort viel stärker an die südwestfälischen Industrieregionen wie Iserlohn oder Lüdenscheid durch eine gute Verkehrsinfrastruktur angebunden werden.

Der ländliche Raum habe dagegen kaum wirtschaftliche Probleme – mit Ausnahme der Altmark. Hierbei räumen die Autoren allerdings auch statistische Effekte ein, „weil zum Beispiel die Arbeitslosenquote sinkt, wenn die Bevölkerung kleiner wird“.

Aachen unter den schlechtesten Vieren

Bei der infrastrukturellen Entwicklung weisen laut Studie sowohl westdeutsche als auch ostdeutsche Regionen Probleme auf. Ganz oben steht dabei erneut die Region Emscher-Lippe gemeinsam mit Trier und der Westpfalz. Ihnen macht vor allem eine hohe kommunale Verschuldung zu schaffen.

Direkt dahinter folgt die Region Aachen – mit den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen – mit einem etwas geringeren Anteil an kommunalen Schulden. Ist dies meist ein Problem der Städte, schwächt auf dem Land vor allem der mangelnde Breitbandausbau die Infrastruktur.

Interessant: Bei der oft bemängelten Ärzteversorgung auf dem Land sehen die Studienautoren nur geringen Handlungsbedarf: „Hier geht es vor allem darum, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass etwa auch die Potenziale der Telemedizin genutzt werden können.“

Mit Blick auf die demografische Entwicklung zeichnet die Untersuchung indes ein bekanntes Bild: Hier sind vor allem ländliche Regionen in den ostdeutschen Ländern betroffen, allen voran Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg sowie die Altmark. Hoher Einwohnerrückgang und ein hohes Durchschnittsalter prägen diese Gegenden. Zudem sei ein eindeutiges Stadt-Land-Gefälle festzustellen.

Allerdings habe sich der Trend bezogen auf alle neuen Bundesländer jüngst umgekehrt. Mehr Menschen kehren zurück anstatt wegzuziehen - vor allem Rentner, aber auch junge Familien, sagte Co-Autor Jens Südekum. „Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist gestoppt.“ Grund seien etwa die angespannte Wohnsituation in den Großstädten oder die bessere Versorgung mit Kita-Plätzen.

(dpa)
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