Aachen/Merzenich: Die Macht der Bilder, die die Braunkohleaktivisten produzieren

Aachen/Merzenich : Die Macht der Bilder, die die Braunkohleaktivisten produzieren

Wilhelm Sauer hatte eigentlich gedacht, in seinem Leben als Polizist schon alles erlebt zu haben, aber dann kam das Gespräch mit Vertretern des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“. Hunderte Aktivisten wollen am Sonntag wieder versuchen, Betriebsanlagen von RWE am und im Tagebau Hambach zu blockieren und den Braunkohleabbau zumindest eine kurze Zeit lang zu stoppen.

Die Aktivisten legten der Polizei grob ihre Vorhaben dar, der Aachener Polizeidirektor Wilhelm Sauer erklärte grob, wie sie sich vorstellt, diese Vorhaben zu verhindern. Und am Ende des Gesprächs baten die Aktivisten darum, die Polizei möge doch bitte nicht allzu zimperlich vorgehen. Sauer war, kurz gesagt, erstaunt.

Wenn am Sonntag Hunderte Umweltaktivisten einmal mehr versuchen werden, in den Tagebau Hambach zu gelangen, dann dient das vor allem dem Zweck, Bilder zu produzieren, die in Zeitungen, im Fernsehen und vor allem im Internet verbreitet werden. Aktivisten, die sich an Kohleförderbänder ketten. Aktivisten, die Braunkohlebagger besetzen. Aktivisten, die von der Polizei aus dem Tagebau getragen werden.

Bilder, die die Aktivisten als Klimaretter, also als die Guten, und die Polizisten als die Bösen, als die Feinde zeigen, die die Guten am gut sein zu hindern versuchen. Das ist die Strategie. „Wir zeigen mit unseren direkten Aktionen, was für Klimagerechtigkeit getan werden muss“, sagt „Ende Gelände“-Sprecherin Janna Aljets.

Die Aktivisten nehmen die am Montag in Bonn beginnende Weltklimakonferenz zum Anlass, Druck auf die verhandelnden Staaten auszuüben. Und um zu zeigen, dass sie in der Lage sind, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „In 23 Jahren UN-Klimaverhandlungen haben sich der Klimawandel und die damit einhergehenden sozialen und ökologischen Konflikte nur verschlimmert.

Das liegt daran, dass transnationale Konzerne massiven Einfluss auf die Verhandlungen nehmen, während die Stimmen und Interessen der Betroffenen kaum Beachtung finden“, sagt Johanna Winter, Sprecherin des Klimacamps.

Die Einrichtung eines Klimacamps am Tagebau Hambach am Wochenende ist allerdings gerichtlich untersagt worden, damit fehlt den „Ende Gelände“-Aktivisten eine wichtige Sammelstelle. Deswegen weiß die Polizei auch nicht genau, wann wie viele Menschen wo in den Tagebau Hambach eindringen wollen. Wilhelm Sauer, Einsatzleiter der zuständigen Aachener Polizei, glaubt trotzdem, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Auch soweit es den durchaus gewaltbereiten Teil der 100 bis 150 Besetzer des Hambacher Forstes betrifft. Sauer geht im Moment davon aus, dass die Demonstrationen in Bonn und die Proteste am Tagebau Hambach überwiegend friedlich verlaufen werden.

Zwei Versammlungen am Tagebau

In der Nähe des Tagebaus Hambach sind für Sonntag zwei Versammlungen angemeldet worden. Die erste beginnt um 7.30 Uhr am Marktplatz in Kerpen-Manheim, einer der beiden Orte, die für den Tagebau Hambach noch abgebaggert werden sollen. Nach einer Zeremonie ziehen nach Angaben der Polizei bis zu 200 angemeldete Teilnehmer Richtung Tagebau zu einer Wiese der Naturschutzorganisation BUND, wo die Abschlusskundgebung stattfinden soll.

Die zweite Versammlung beginnt um 8 Uhr am Bahnhof Kerpen. Bis zu 300 Menschen gehen von dort aus nach Merzenich-Morschenich, das ist der zweite Ort, der dem Tagebau Hambach noch weichen muss. Die Abschlusskundgebung soll nach Angaben der Polizei dort zwischen 12 und 14 Uhr stattfinden. Und irgendwann davor oder danach rechnet Wilhelm Sauer mit dem Sturm auf den Tagebau. Seine Polizisten würden das nicht verhindern können, sagt er, jedenfalls nicht vollständig.

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