Personalnot: Die „kaputtgesparte“ Polizei wird mühsam wieder aufgebaut

Personalnot: Die „kaputtgesparte“ Polizei wird mühsam wieder aufgebaut

Personalmangel. Man kann das Wort beinahe nicht mehr hören. Und doch trifft es existenziell wichtige Lebensbereiche: Einer aktuellen Studie nach fehlen bis 2035 sage und schreibe 500.000 Fachkräfte im Altenpflegebereich. Nicht anders sieht es in der Krankenpflege aus. Und auch in der Welt der Behörden herrscht akute Mangelverwaltung, die sich weiter zu verschärfen droht.

Das gilt zum Beispiel für die Feuerwehr. Das gilt aber auch für die Polizei. Etwa bei der Kripo stöhnt manche Abteilung unter Aktenbergen, die kaum noch abgearbeitet werden können. Und hinter jeder Akte verbergen sich Menschen — als Täter, aber auch als Opfer, die erwarten, dass das ihnen zugefügte Unrecht gesühnt wird. Gerade bei der Polizei wird es in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle geben, teils gehen halbe Kommissariate in den Ruhestand — inklusive einem damit einhergehenden enormen Verlust an Expertenwissen. Wie soll das weitergehen?

Michael Mertens bemüht als Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei zunächst einmal einen Blick zurück. Anfang des Jahrtausends seien die entscheidenden Fehler gemacht worden, als zunächst unter dem damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD) und dann fortgesetzt unter seinem Nachfolger Jürgen Rüttgers (CDU) und seinem Innenminister Ingo Wolf (FDP) die „Verschlankung der Behörden“ nach dem Motto „Privat vor Staat“ forciert worden sei.

„Da wurde der Staat kaputtgespart. Und zwar nicht nur die Polizei, sondern die gesamte öffentliche Verwaltung“, sagt Mertens, der anfügt: „Wir merken das bis heute an allen Ecken und Enden, dass die Serviceleistung — und auch die Durchsetzungsfähigkeit — des Staates enorm gelitten hat.“ Die Neueinstellungen bei der Polizei seien auf 480 pro Jahr heruntergefahren worden. Rüttgers habe die Fehlentwicklung dann bemerkt und sei zumindest auf 1100 Neueinstellungen hochgegangen.

Mangel auch direkt vor Ort

Trotzdem seien dadurch Tausende Polizisten verloren gegangen, die heute überall fehlten. Die Folge sei, dass unter anderem im äußerst wichtigen Feld der Prävention, aber auch bei der Präsenz vor Ort großen Lücken herrschten: „Da wird das Personal dann zuerst abgezogen, um Lücken an anderer Stelle zu stopfen, weil man da die Ergebnisse am wenigsten messen kann“, beschreibt der Gewerkschafter die Situation. Das schade aber nach hinten heraus enorm.

Zumindest wird dem Missstand nun jedoch etwas entgegengesetzt, wobei Mertens da ein Lob für die jetzige Landesregierung parat hat: „Das Wahlversprechen lautete, 2300 neue Anwärter einzustellen. Das ist eingehalten worden. Unsere Forderung war 2300 plus x, wobei x für jene steht, die ihre Ausbildung abbrechen“, so Mertens. Das seien hochgerechnet immerhin etwa 300 pro Jahr.

Das Land erhöhe nun auf 2400 Anwärter, wobei „2500 natürlich noch besser wären“, so Mertens. Dem jahrelangen „Kaputtsparen“ folgt nun also das mühsame Gegensteuern. Was auch viele Jahre dauern wird. Zumal die Polizei auch reichlich Konkurrenz hat. Personalmangel eben. Überall.

Mehr von Aachener Nachrichten