Düsseldorf: „Die hässlichsten Tiere der Welt”: Aquazoo wieder eröffnet

Düsseldorf : „Die hässlichsten Tiere der Welt”: Aquazoo wieder eröffnet

Gemächlich schweben sie durch das tiefblaue Wasser - fast sieht es so aus, als würden die neuen Kuhnasenrochen im Düsseldorfer Aquazoo fliegen. Ihren Namen haben die Meerestiere, weil ihr breites Gesicht an das einer Kuh erinnert, erklärt Zoodirektor Jochen Reiter. Am Freitag hat der Aquazoo in der Landeshauptstadt nach vier Jahren Sanierungspause wieder eröffnet - als einziges Haus in Deutschland, das Zoo und Naturkundemuseum in einem ist. Erwartet werden etwa 500.000 Besucher pro Jahr.

Fast vier Jahre lang war das „Aquazoo Löbbecke Museum” geschlossen. In Spitzenzeiten besuchten jährlich 600.000 Menschen den Zoo, zuletzt waren es nur noch 365 000. Im März 2014 begannen dringend notwendige Sanierungsarbeiten: Der von 1985 bis 1987 erbaute Wasser-Zoo wies inzwischen erhebliche Mängel an Wasserbecken und Gebäude auf. Zudem hatten sich Schimmelpilze im Haus breit gemacht.

Die Sanierung kam die Stadt teuer zu stehen: 20,9 Millionen Euro hat der Umbau gekostet - 8 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant.

Nun gibt es eine neue Belüftung, das Haus erstrahlt in neuem Farb- und Lichtkonzept. Teilweise konnten auch die Becken vergrößert werden. Neben alten Bekannten wie Schwarzspitzenriffhaien zogen neue Mitbewohner ein - zum Beispiel Brillenpinguine, Papageientaucher und die majestätischen Kuhnasenrochen.

Die Schwarzspitzenriffhaie waren während des Umbaus nach Hamburg in ein Aquarium ausgelagert worden. Der Deutsche Tierschutzbund sieht den Transport der Tiere kritisch: Das sei für die Tiere stressig und gefährlich, sagt Denise Ade, Fachreferentin für Artenschutz. „Jeder Transport ist Stress”, räumt Direktor Reiter ein. „In NRW gibt es aber nicht so viele große Becken.” Man habe sich bemüht, den Transportstress zu minimieren. Spezialisten seien am Werk gewesen, versichert Reiter.

„Die Faszination Meer ist ungebrochen”, erklärt Julia Kögler, Vize-Geschäftsführerin des Verbandes der Zoologischen Gärten. Der Düsseldorfer Aquazoo habe einen hohen „didaktischen Anspruch”.

„Wir wollen die Kleinen erreichen”, sagt Reiter. Für sie gibt es Erklärfilme, einen Kindermuseumsführer, interaktive Info-Stationen, Exponate zum Anfassen und einen Forschertisch. 900.000 Exponate aus Zoologie oder Botanik umfasst die Sammlung, die größtenteils im Keller untergebracht ist. Mit 250.000 Exemplaren besitzt das Haus im Düsseldorfer Nordpark auch die größte Schmetterlingssammlung in Nordrhein-Westfalen.

„Wir zeigen neuerdings die hässlichsten Tiere der Welt”, sagt Reiter. Nacktmulle krabbeln in einem Terrarium durch ein Erdsystem aus Röhren und Höhlen. Sie sind ähnlich organisiert wie Ameisen: Es gibt eine Königin, Arbeiter und Soldaten. „Wir zeigen Tiere nicht, weil sie besonders skurril sind”, sagt Reiter - sondern weil sie „Geschichten” hätten. „Wir wollen, dass die hängen bleiben.” An diesem Wochenende rechnet der Zoo mit täglich 5000 Besuchern.

(dpa)
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