Mönchengladbach: Die Geschichte von Geigerin Iuliana Münch und Pianist André Parfenov

Mönchengladbach : Die Geschichte von Geigerin Iuliana Münch und Pianist André Parfenov

Es war 2009, als die rumänische Geigerin Iuliana Münch im Theater Mönchengladbach einen Probenraum suchte, um sich für ihren Einsatz einzuspielen und eher zufällig in das unbesetzte Zimmer von André Parfenov stieß.

Parfenov, der als Solo-Pianist und Theaterkomponist bei den Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach unter Vertrag steht, betrat wenig später sein Zimmer und war von dem Spiel seiner Kollegin, die er bis dahin nicht kannte, elektrisiert.

Sie spielte eins der Lieblingsstücke Parfenovs, das Violinkonzert von Peter Tschaikowsky, das er schon oft auf dem Klavier begleitet hatte. Er setzte sich an den Flügel, begleitete die Geigerin auswendig, man spürte, dass die Chemie zwischen beiden stimmte, und damit war eine künstlerische Freundschaft geboren.

Eine Freundschaft, die in vielen Projekten, Konzerten und nicht zuletzt in zwei gemeinsamen Alben schnell Früchte trug. Das jüngste Kind der beiden ist die bei Naxos erschienene CD „The Piano Legend Of The Violin“ mit einem Programm, das die beiden nicht nur am 10. Juni in der Schlosskapelle der Jülicher Zitadelle vortragen, sondern auch am 14. Juli beim Schleswig-Holstein Festival, am 15. Juli in Erlangen, am 8. Juli beim Kultursommer Hohenlohe und am 9. September in Rheinberg.

Material umgestaltet

Es ist kein gewöhnliches Duo-Programm. Die Werkfolge zieren zwar berühmte Namen wie Tschaikowsky, Rachmaninow und Paganini. Als Komponist wird freilich der russische Pianist André Parfenov genannt. Wie das?

Parfenovs Devise heißt: „Themen anpassen, flexibel ausformen und improvisieren“. Das heißt: Parfenov übernimmt das thematische Material der Vorlagen und gestaltet es so kreativ und grundlegend um, dass neue Kompositionen erstehen. Dazu gehört auch der Einsatz der Violine, die in den ursprünglichen Klavierstücken eigentlich nichts zu suchen hat. Aber im gemeinsamen Musizieren haben die beiden entdeckt, dass vieles auf der Violine besser klingt als auf dem Klavier.

Das betrifft nicht unbedingt die bekanntesten Stücke der Meister. So hat Iuliana Münch vor allem eine nahezu unbekannte Mazurka Tschaikowskys in ihr Herz geschlossen, die auf einem einfachen, geradezu banalen Thema basiert, das Parfenov zu einer neuen, eigenständigen Komposition ausbaute. „Die Geige bringt, was das Klavier nicht hat“, meint Iuliana Münch. „Und das Klavier bleibt dennoch so interessant wie zuvor.“ Parfenov ergänzt: „Ich wollte die pianistischen Fähigkeiten der Violine überprüfen.“ Und damit war die Idee zum Album „The Piano Legend Of The Violin“ geboren.

Bizarrer Höllenritt

Für seine Partnerin hat er eigens eine ebenso virtuose wie expressive Einleitung zu dem Stück geschrieben. Reizvoll ist auch die Auseinandersetzung mit Musik von Rachmaninow, der eigentlich gar nichts für die Violine geschrieben hat. Aber auch dessen schlichter Romanze eröffnet Parfenov dank seiner Fantasie neue, aufregende Perspektiven.

Er selbst begeistert sich vor allem für Camille Saint-Saëns’ berühmten „Dance Macabre“, einen Totentanz, dem Iuliana Münch auf ihrer Violine bewusst fahle Farben verleiht, wobei Parfenov sowohl das Klavier als auch die Violine zu einem geradezu gespenstisch wilden, exzentrisch bizarren Höllenritt anfeuert und sich damit besonders weit vom Original entfernt.

Beiden kommt es darauf an, dass sie sich als gleichwertige Partner verstehen. Iuliana Münch: „Beim Musizieren denke ich nie daran, dass er der Komponist ist. Er ist mein Partner, der mir immer hilft. Er spürt, wie ich mich bewege, ob alles läuft oder auch nicht. Er ist der beste Duopartner überhaupt.“

Für Iuliana Münch stand sehr früh fest, dass die Violine das Instrument ihres Lebens sein wird. In Bukarest genoss sie eine gründliche musikalische Ausbildung und kam der Empfehlung der Korrepetitorin Florina Cozighian nach, sich in Deutschland weiterzuentwickeln. Im Alter von 22 Jahren führte sie ihr Studium an der Köln/Aachener Musikhochschule fort, das sie 2003 abschloss.

Nach einigen Erfahrungen als Orchestermusikerin in Koblenz, Mönchengladbach und bei der Neuen Philharmonie Westfalen betätigt sie sich ausschließlich als Solistin. Besonders intensiv im Zusammenspiel mit André Parfenov, wobei sie auch als Geigerin Aufführungen seiner Bühnenmusiken zu Choreografien von Robert North am Theater Krefeld/Mönchengladbach auf der Bühne mitgestaltete. So in den Balletten „Chagall-Fantasie“ und „Pinocchio“.

André Parfenov wurde 1972 als Sohn einer deutschen Mutter und eines russischen Vaters im ehemaligen Königsberg geboren. Sein Talent wurde früh entdeckt, und nach einem Umzug ins weit entfernte Ufa erhielt er einen der begehrten Ausbildungsplätze an einem Musikgymnasium, was ihm den Wechsel auf das berühmte Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium ermöglichte.

Aus familiären Gründen siedelte die Familie nach Deutschland um, als André 22 Jahre alt war. Er studierte an der Folkwang Hochschule in Essen/Duisburg und schloss sein Examen 2000 mit Auszeichnung ab. Er musizierte mit vielen Orchestern, und seine Soloauftritte sind auf vier Alben festgehalten.

Intensiv experimentiert

Dabei interessierte er sich immer für eine Ausweitung des Repertoires und experimentiert intensiv mit Bearbeitungen und eigenen Versionen mehr oder weniger bekannter Vorlagen. Als Komponist und Pianist am Theater Krefeld/Mönchengladbach konnte er in vielen Bühnenproduktionen, vor allem zu den Balletten Robert Norths, seine kreative Energie gewinnbringend einbringen.

Seine Arbeiten zu „Verlorene Kinder“ wurde ausgezeichnet, er selbst erhielt 2013 den Titel „Verdienter Künstler von Baschkirien“ durch den baschkirischen Präsidenten.

Seit 2015 wirkt André Parfenov auch als Dozent an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Seit der Begegnung mit Iuliana Münch hat er auch seine Begeisterung für die Violine entdeckt, so dass von dem Duo noch einige Überraschungen zu erwarten sind.

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