Urteil gegen Dominic K.: Die Blaupause eines „Loverboy“-Falls

Urteil gegen Dominic K. : Die Blaupause eines „Loverboy“-Falls

Ein Aachener zwang Frauen, die ihn liebten, systematisch zur Prostitution. Am Aachener Landgericht wurde er zu neuneinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Die Liste der Straftaten, die der Aachener „Loverboy“ Dominic K. (31) begangen hat, ist lang: Menschenhandel, ausbeuterische Zuhälterei, Zwangsprostitution, vierfache Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung. Die 1. Große Strafkammer am Aachener Landgericht verurteilte ihn deswegen zu neuneinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Mit menschenverachtender Brutalität habe der 31-Jährige die betroffenen Frauen „als menschliches Material“ benutzt, das man einfach so „verbrauchen“ könne, stellte der Vorsitzende Richter Christian Bülte fest. Mit deutlichen Worten beschrieb er den Charakter eines Mannes, der zwei Frauen, die ihn liebten, ohne jede Hemmung beinah in den Tod getrieben und sie über Monate ausgebeutet hatte, indem er sie als Prostituierte anbot.

Ende 2015 hatte K. eine 29-Jährige aus dem Kölner Raum an sich gebunden, mehr als ein Jahr später folgte eine 21-Jährige aus Österreich. Die 29-Jährige hatte K. über eine Internetplattform kennengelernt. Er gaukelte ihr ein „gemeinsames Leben“ und „ernsthafte Gefühle“ vor, wie das Gericht es beschrieb. In Wirklichkeit liebte er weiterhin seine Ex-Freundin. „Der vorliegende Fall ist die Blaupause eines ‚Loverboy’-Falls“, sagte der Richter. Beide Frauen waren im Prozess Nebenklägerinnen.

Der Angeklagte hat ein außergewöhnliches, fast ein wenig Angst einflößendes Erscheinungsbild: Er ist am ganzen Körper – auch im Gesicht bis zum Haaransatz hin – tätowiert. Im Verlauf des Verfahrens hatte er beschrieben, wie er selbst in der Sado-Maso-Szene unterwegs gewesen war und sich zeitweise als männliche Domina in dieser Szene verdingt hatte. Der Urteilsverkündung folgte er wie versteinert. Die Tattoos in seinem Gesicht bewegten sich keinen Millimeter.

Bis 2014 war K. bei der Bundeswehr. Die verlängerte aber seinen Vertrag nicht. 2015 dann ging eine funktionierende Beziehung mit einer anderen Frau in die Brüche. Er zog in ein heruntergekommenes Haus in Kerpen, das er von seinen gutbürgerlichen Eltern aus dem Raum Aachen geschenkt bekommen hatte. Hier wollte er mit seiner neuen Eroberung, der 29-Jährigen, zusammenleben und eine Existenz aufbauen – wie sie dachte.

Schnell aber machte er seiner neuen Liebe klar, dass er Geld brauche. Er täuschte vor, ansonsten nicht das Haus zu einem gemütlichen Heim umbauen zu können. Sie müsse eben kurzfristig für den Lebensunterhalt und die benötigten Umbaumittel anschaffen gehen. Im Handumdrehen hatte er auf einer gängigen Prostitutionsplattform ein Profil seiner angeblichen Liebe angelegt. Es funktionierte. Er trieb sie zu einem Tagespensum von zehn bis 15 Freiern, schickte sie in mehreren Städten auf den Strich. Als sie protestierte, schlug er sie, machte sie mit Drogen gefügig, bedrohte sie immer wieder. Im Urteil beschreibt der Richter die Brutalität des Zuhälters, der sie „selbst mit Fieber“ zur Prostitution gezwungen habe. Es kam zu Körperverletzungen und Vergewaltigungen, am Ende wollte sich das Opfer umbringen, war nicht mehr für „die Arbeit“ zu verwenden.

Die Eltern retten die Tochter

Doch K. habe schnell Ersatz gefunden, die 21-Jährige aus Österreich hatte im Netz die Leidenschaft des Angeklagten für Tattoos geteilt. Er brachte sie dazu nach Stuttgart zu kommen, wo er nach unsteten Reisen durch die Republik seit 2017 einen Bordellbetrieb organisiert hatte. Auch hier täuschte er erneut ergebene Liebe vor. Als jedoch eine Prostituierte erkrankte, zwang er auch sein neues Opfer in den Bordellbetrieb. Schnell kam es zu Vergewaltigungen, Schlägen, verabreichten Drogen und Beschimpfungen, am Ende wog das Opfer nur noch 38 Kilogramm und habe sich selbst sehnlichst den Tod gewünscht. Die Eltern des Opfers nutzten eine Abwesenheit von K., um die 21-Jährige zurück nach Tirol zu holen. Sie erstattete Strafanzeige.

„K. hat einen Hang zu diesen Straftaten, sein Verhalten hat psychopathische Züge“, begründete Richter Bülte die Verhängung der Sicherungsverwahrung.