Landgraaf: Die Aura musikalischer Legenden beim Pinkpop-Festival

Landgraaf : Die Aura musikalischer Legenden beim Pinkpop-Festival

Es ist eine verspätete Rückkehr, aber was für eine. Bereits vor drei Jahren sollten Dave Grohl und seine Rock‘n‘Roll-Maschine namens Foo Fighters dem Pinkpop-Festival ihren dritten Besuch abstatten. Zwei Tage vor dem geplanten Auftritt im Schatten der Kohlehalde von Landgraaf hatte allerdings Grohls bekannte Bereitschaft zur totalen Bühnenhingabe dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Beinbruch.

Jetzt waren sie endlich wieder da, am zweiten Tag der 49. Pinkpop-Ausgabe. Es wurde eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke vor rund 80.000 Menschen, ein zweieinhalbstündiger Vollgasritt auf der alten Trabrennbahn.

Begeistert von Zehntausenden im niederländischen Landgraaf beim Pinkpop-Festival gefeiert: Dave Grohl von den Foo Fighters, Blaudzun, Eddie Vedder von Pearl Jam und Noel Gallagher. Foto: Alexander Barth

Die Band um Sänger, Entertainer und Multiinstrumentalist Grohl, derzeit wohl das Maß aller Dinge im Rock‘n‘Roll-Zirkus, zelebrierte einen wohl zusammengestellten Querschnitt durch zwei Jahrzehnte „Alternative Rock“-Schaffen, angereichert um den ein oder anderen launigen Ausflug in die Musikhistorie und die ihrer offensichtlichen Vorbilder. Neben den Hits aus Grohls Feder machte sich das stets spielfreudige Sextett — Keyboarder Rami Jaffee ist mittlerweile vollwertiges Mitglied — auch an John Lennons „Imagin“ oder den Ramones-Klassiker „Blitzkrieg Bop“.

Pinkpop 15 juni 2018 Blaudzun Foto © Harry Heuts. Foto: Harry Heuts

Den britischen Theaterrockern Queen wurde gar gleich zwei mal gehuldigt. Bei „Under Pressure“, rückte Schlagzeuger Taylor Hawkins auf den Sängerposten, bemerkenswerte Ausflüge in stimmliche Freddy-Mercury-Höhen inklusive. Dass Frontmann Grohl in solchen Momenten gern den Schritt zurück hinter das Schlagzeug macht, ist dabei nicht neu. Es gehört zu den besonderen Umständen im Universum der Foo Fighters, dass Grohl und Hawkins gar für einen ganzen Abend die Plätze tauschen können, ohne dass es der Stimmung abträglich wäre.

Begeistert von Zehntausenden im niederländischen Landgraaf beim Pinkpop-Festival gefeiert (im Uhrzeigersinn): Dave Grohl von den Foo Fighters, Blaudzun, Eddie Vedder von Pearl Jam und Noel Gallagher. Foto: Harry Heuts

Bevor am Samstag die Foo Fighters auf der Hauptbühne ihre Show hinlegten, sorgte Noel Gallagher für ausgeruhten Britpop-Sound mit Bläserunterstützung ebenso wie für wohlige Erinnerungsschauer an seine frühere Band Oasis. Gallaghers Handschrift als Songwriter ist auch nach dem Ende der Legende gut lesbar, lässt er in allererster Linie die Musik sprechen. Statt auf Einheizparolen setzt der mittlerweile 51-Jährige auf gewohnt melancholisch-kraftvolle Klarheit und klangliche Vielfalt durch häufige Gitarrenwechsel.

Begeistert von Zehntausenden im niederländischen Landgraaf beim Pinkpop-Festival gefeiert (im Uhrzeigersinn): Dave Grohl von den Foo Fighters, Blaudzun, Eddie Vedder von Pearl Jam und Noel Gallagher. Foto: Harry Heuts

Ebenfalls am zweiten Festival-Tag überzeugten die schottischen Pop-Überflieger The Script auf der Hauptbühne, während die amerikanische Progressive-Metal-Band A Perfect Circle unmittelbar vor Gallagher auf dem etwas gemütlicheren Parkstad-Podium komplexe Härte mit Verzweiflung und Eingängigkeit zu kombinieren wussten. Die Vergangenheit von Sänger Maynard James Keenan bei Tool dürfte dem Zuspruch Vorschub geleistet haben.

Am Freitag hatten Pearl Jam mit einem ebenfalls intensiven Zweieinhalb-Stunden-Auftritt den ersten Festival-Tag beschlossen. Bei sommerlichem Wetter, das auch den Samstag bestimmte und erst am Sonntag dichteren Wolken Platz machen musste, setzten Eddie Vedder und Kollegen den stimmungsvollen Schlusspunkt an einem abwechslungsreichen Auftakttag. Spielfreude und Intensität zeichneten auch den ersten Headliner des Wochenendes aus.

Ähnlich wie Grohl kann auch Vedder eine nicht zu verhehlende Aura vorweisen, Legendenstatus durch jahrelange Leistung inklusive. Apropos legendär: Beim Auftritt Pearl Jams im Jahr 1992 hatte Vedder mit seinem Sprung von einem Kamerakran für ein ikonisches Bild gesorgt. Freitag gab er die Anekdote noch einmal zum Besten, inklusive Versöhnung mit einem damals beteiligten Kameramann.

Zuvor hatten unter anderem die altgedienten US-Punkrocker The Offspring, das britische „Alternative Rock“-Quartett Snow Patrol oder Geheimtipps wie der niederländische Indiepop-Songwriter Blaudzun für Stimmung bei Zehntausenden Musikfans gesorgt.

Das altersmäßig bunt durchmischte Pinkpop-Publikum hatte an drei Tagen die Qual der Wahl beim typischen Mix aus einem breiten Spektrum zwischen handgemachter Rockmusik und angesagten Elektro-Sounds. Die Auftritte von international renommierten DJs, die längst den Status von Bands und Solo-Künstlern teilen dürfen, gehören längst dazu. Ebenso nutzten spannende Nachwuchskünstler wie das feierfreudige Rotterdamer Funk-Rap-Trio De Likt oder der Multiinstrumentalist Dario Darnell alias Youngr die Chance, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Sonntagabend schloss schließlich Bruno Mars mit seinem Auftritt das 49. Pinkpop-Festival ab.

(alba)
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