Aachen: Die A4 muss um 22 Uhr besenrein sein

Aachen: Die A4 muss um 22 Uhr besenrein sein

Der Kampf gegen die Uhr beginnt am Samstagabend um 20 Uhr. Wenn die A4 im Aachener Autobahnkreuz komplett gesperrt wird, haben die Arbeiter rund 24 Stunden Zeit, bevor die Brummi-Welle nach dem Sonntagsfahrverbot über die Grenze schwappt und die Autobahn Richtung Köln überflutet.

Spätestens dann sollten die acht Bagger die westliche Seite der Hauptbrücke, über die jahrzehntelang der Verkehr auf der A 44 nach Belgien rauschte, nicht nur zertrümmert haben. Dann sollten die Laster auch das Geröll weggekarrt haben und die Bahn für den Verkehr besenrein sein.

Helmut Helzle ist zuversichtlich: „Das klappt.” Denn der Projektleiter vom Landesbetrieb Straßen.NRW für den Um- und Ausbau des Autobahnkreuzes weiß, wie es geht. Im Februar 2011 wurde bereits die erste Brückenhälfte mit Fahrtrichtung Düsseldorf zertrümmert. „Problemlos und im Zeitplan”, wie Dirk Gobbelé von der Kölner Bezirksregierung betont, die als Straßenverkehrsbehörde für die Baustelle zuständig ist. Nun, nachdem der gesamte A44-Verkehr auf der neuen und im Vergleich zur alten auch mit fünf Spuren breiteren Brückenhälfte läuft, werden die Fahrbahnen in Fahrtrichtung Belgien samt Pfeilern und Fundamenten dem Erdboden gleich gemacht.

„Dann ist die 50 Jahre alte Autobahnbrücke endgültig Geschichte. Ende des Jahres ist die neue Brücke komplett fertig”, blickt Helzle bereits gedanklich auf die Vollendung des 75 Meter langen und 52 Meter breiten Herzstücks des Autobahnkreuzes, für das dann insgesamt 3,5 Kilometer Kanal, 36.000 Quadratmeter Asphalt und 5000 Kubikmeter Stahlbeton verarbeitet werden. Doch dieses neue Kapitel wird der 65-Jährige als aktiver Projektleiter nicht mehr erleben. Denn mit dem Abriss wechselt er am Wochenende in den Ruhestand und begleitet den restlichen Um- und Ausbau bis 2015 als Pensionär.

Trotz seines Abschieds fiebert Helzle dem Samstag entgegen. „Ein solcher Tag ist etwas Besonderes”, meint Diplom-Ingenieur Gobbelé, der von einem „Baggerballett” schwärmt, das in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Lichte zahlreicher Strahler „aufgeführt” wird. „Vor allem für Straßenbauer hat ein solcher Abriss etwas Faszinierendes”, sagt er.

Doch zugleich warnt er mögliche - und ausdrücklich unerbetene - Zaungäste: „Bei den vielen Großfahrzeugen, dem Lärm, dem Staub sowie den herumfliegenden Betonbrocken und Stahlteilen herrscht Lebensgefahr auf der Baustelle.” Betreten für Unbefugte verboten - die Polizei wird vor Ort sein. Und nicht nur da. Denn wegen der Umleitungen werden Beamte sonntags an den Anschlussstellen Brand, Alsdorf, Broichweiden und Eschweiler-West verstärkt Dienst schieben. „Ab elf Uhr am Sonntagmorgen wird es eng”, sagt Helzle: „Dann starten viele ihre Sonntagstour.”

Zu diesem Zeitpunkt wird es auf der Baustelle wohl schon merklich ruhiger sein. Dann werden die Bagger ihr Nachtwerk vollbracht und sich mit großen Betonscheren, gewaltigen Hämmern und riesigen Schaufeln an der Brücke abgearbeitet haben. Je weniger im Laufe der Stunden von der Stahlbetonruine zu sehen sein wird, desto größer wird der Schuttberg in direkter Nachbarschaft werden.

Der Schutt wird zunächst im Kreuz zwischengelagert, um danach in Geilenkirchen in einer Brecheranlage geschreddert und anschließend als Frostschutzkies wieder in der neuen Fahrbahn verbaut zu werden. Auch die rund 600 Kubikmeter Kies, die vor dem Abbruch als rund 80 Zentimeter dicke Schutzschicht für die Fahrbahn der A4 unter der Brücke abgeladen werden, werden wieder verarbeitet.

Dass der Abrisstermin mit dem Beginn der Osterferien kollidiert, hält zwar auch Gobbelé für ein wenig unglücklich. „Doch wir haben den besten der schlechten Termine gewählt. Schließlich fahren die meisten Urlauber bereits am Freitag oder früh am Samstag Richtung Küste.”

Hingegen rolle die Rückreisewelle an den folgenden Wochenenden zumeist samtagsabends oder auch erst sonntags. „Dann wäre eine Sperrung schlechter”, meint der Aachener in Diensten der Kölner Bezirksregierung und blickt wie Helzle erwartungsvoll auf das Wochenende. Und auch er hofft, dass das „Baggerballett” rechtzeitig die Bühne verlässt, damit der Kampf gegen die Uhr gewonnen wird.