Deutsche Post: Mitgründer Kampker nicht mehr bei Streetscooter

Alle Posten niedergelegt : Streetscooter-Mitgründer Kampker tritt ab

Ist der Aachener Elektrofahrzeughersteller dem Deutsche-Post-Chef zu erfolgreich geworden? Mitgründer Achim Kampker hat nach seiner Entmachtung alle Posten niedergelegt – freiwillig, wie es offiziell heißt.

Seine Homepage weist Achim Kampker immer noch als Geschäftsführer der Aachener Streetscooter GmbH aus, doch tatsächlich ist er nicht einmal mehr Angestellter des von ihm mitgegründeten Elektrofahrzeugherstellers. Das bestätigte am Freitag der Mutterkonzern, die Deutsche Post AG, auf Anfrage unserer Zeitung. Neuer Geschäftsführer ist seit 1. April Jörg Sommer (52), der vom US-Nutzfahrzeughersteller Chanje Energy in Los Angeles nach Aachen wechselte.

Bereits vor einigen Wochen war öffentlich geworden, dass Kampker (43) als Geschäftsführer abgelöst werden soll. Der E-Mobilitäts-Pionier hatte Streetscooter 2010 zusammen mit Günther Schuh gegründet, der wie Kampker Professor an der RWTH Aachen ist. 2014 stieg die Deutsche Post ein, Streetscooter wurde zur 100-prozentigen Tochter des Bonner Logistikkonzerns. Während Schuh aus dem Unternehmen schied und e.GO gründete, blieb Kampker Streetscooter-Chef – bis Ende Februar. Kampker sollte nach seiner Ablösung als Geschäftsführer neuer Innovationschef des Unternehmens werden, hieß es damals.

Doch dazu kommt es nun nicht. Vergangenen Dienstag habe sich Kampker in Aachen von den Streetscooter-Mitarbeitern verabschiedet, teilte die Deutsche Post gestern mit. Der Rückzug sei freiwillig und ausschließlich „aus persönlichen Gründen“ erfolgt.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Gerüchte aus der Konzernzentrale der Deutschen Post in Bonn gedrungen, denen zufolge es zu einem Zerwürfnis zwischen Kampker und Deutsche-Post-Vorstandschef Frank Appel gekommen sein soll. Die Deutsche Post wollte sich gestern dazu nicht äußern, Achim Kampker ließ eine Anfrage unserer Zeitung unbeantwortet.

Die nächste Wachstumsphase

Nach Recherchen des „Spiegel“ soll der Erfolg von Streetscooter Post-Chef Appel „unheimlich“ und „suspekt“ geworden sein, weswegen seit Monaten ein interner „Machtkampf tobt“. Der neue Streetscooter-Chef Sommer sei in erster Linie deswegen eingestellt worden, um „die Firma noch ein wenig hübscher und profitabler zu machen, um sie dann für ein paar Milliarden“ zu verkaufen. Die Deutsche Post bestätigte das gestern nicht.

Was der Führungswechsel, Kampkers Ausscheiden und die Gerüchte aus Bonn für die etwa 500 Streetscooter-Mitarbeiter bedeuten, ist nicht absehbar. Laut Deutscher Post soll Jörg Sommer sich einen Überblick im Unternehmen verschaffen. Danach solle „die nächste Wachstumsphase“ eingeleitet werden.

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