Deutsche Bahn: Reisende klagen über Schienenersatzverkehr

Wut über Schienenersatzverkehr : Verspätet, desorientiert, zu schnell

Der Begriff Schienenersatzverkehr klingt für Andreas Pietz derzeit gar nicht gut. Zu sehr hat ihn die Deutsche Bahn damit am Wochenende genervt. Und nicht nur ihn, auch andere berichten von verstörenden Erfahrungen mit dem Bustransfer zwischen den Bahnhöfen in Aachen und Düren.

Auf diese Weise beförderte die Bahn von Freitagabend bis Sonntagabend ihre Fahrgäste auf dem Teilstück, weil wegen Bahnsteigarbeiten die Züge nicht verkehrten. So kam der gebürtige Aachener Pietz, der inzwischen in Bonn wohnt, am Samstag auf einer Reise in die alte Heimat zunächst nur bis Düren. Beim Umsteigen in Köln habe es keinen Hinweis auf die unterbrochene Bahnverbindung nach Aachen gegeben, berichtet er.

Dennoch traf ihn die Planänderung nicht unvorbereitet: „Ich informiere mich immer vorher im Internet“, sagt er. Deshalb wusste er schon, wo Busse abfahren sollten, auf die kurz zuvor mit einer Durchsage im Zug hingewiesen wurde. „Andere Fahrgäste liefen in die völlig falsche Richtung“, erzählt Pietz. Das mag auch an der Hektik gelegen haben, in die die Reisenden gerieten, weil ein Plan nicht funktionierte: Um 18.20 Uhr sollten die Busse starten, doch da stand der Regionalexpress mit Pietz und vielen anderen Fahrgästen auf dem Gleis vor dem Bahnhof, der von einem anderen Zug blockiert wurde. „Als wir um 18.22 Uhr einfuhren, war es schon zu spät“, sagt er. Die Busse seien wohl teils leer abgefahren.

Ein Schienenersatzverkehrkonzept sei „sehr filigran“, erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Um die unterschiedlichen Fahrtzeiten von Zug und Bus in Einklang zu bringen, würden nicht zuletzt auch Probefahrten unternommen. Dennoch klappe es halt nicht immer. Auf verspätete Busse könne die Bahn in der Regel nicht warten. Laut Bahnsprecherin war der Busverkehr Ost Westfalen mit dem Schienenersatzverkehr beauftragt.

Diese Erfahrung machte eine andere Leserin unserer Zeitung, die am Samstag in umgekehrter Richtung unterwegs war. Ihr Bus war nach 90 Minuten Fahrt von Aachen nach Düren zu spät angekommen, sie verpasste ihren Anschlusszug. Dennoch klingt es fast wie ein Happy End angesichts der Erfahrungen, die sie vorher gemacht hatte. Nach langer Wartezeit in Aachen sei endlich ein Bus gekommen, der Fahrer habe kein Wort Deutsch gesprochen und sei nach einigem Geschrei ohne Fahrgäste abgefahren. Nach ein paar weiteren Missverständnissen mit anderen Busfahrern sei sie schließlich mit einem überfüllten Bus weggekommen, dessen Fahrer seine Passagiere aber nach dem Weg zum nächsten Bahnhof gefragt habe. Auch manche Fahrgäste hatten wohl die Orientierung verloren, als der Bus später vor einem Bahnhof hielt. Es habe keine Durchsage gegeben, berichtet die Lesern unserer Redaktion, „ich wusste nicht, wo ich bin“.

Andreas Pietz war besser dran, er hatte nach einigen Irrungen und Wirrungen einen Bus gefunden, der nicht „über die Dörfer“, sondern über die Autobahn direkt nach Aachen fuhr. Richtig wohl fühlte er sich dennoch nicht: Die Fahrgäste hätten gestanden oder auf Koffern gesessen, „bei einer Vollbremsung wären sie durch den Bus gepoltert“. Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Bus mit stehenden Fahrgästen nicht schneller als Tempo 60 Fahren. „Aber der ist geheizt“, meint Pietz.

Vielleicht klappt es beim nächsten Mal besser: Nach Auskunft der Bahnsprecherin wird es weitere Bauarbeiten an den Bahnsteigen für den Rhein-Ruhr-Express geben. Die Daten stehen aber noch nicht fest.

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