Deutsch-französischer Freundschaftsvertrag wird in Aachen besiegelt

Nachfolger des Elysée-Vertrages: Merkel und Macron wollen neuen Freundschaftsvertrag in Aachen besiegeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wollen einen neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag am 22. Januar in Aachen unterzeichnen. Der sogenannte Aachener Vertrag knüpfe an den Élysée-Vertrag von 1963 an.

Genau 56 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages wollen Angela Merkel und Emmanuel Macron einen neuen Freundschaftspakt in Aachen besiegeln. Die Zeremonie für den sogenannten Aachener Vertrag sei am 22. Januar im Krönungssaal des Rathauses geplant, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin mit.

Der Pariser Élyséepalast bestätigte den Termin. Der neue deutsch-französische Vertrag soll die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur und Technologie vertiefen.

Zuvor war über Monate hinweg unklar gewesen, wo der Text unterzeichnet werden sollte. „Zwischen der Spitze der Bretagne und der östlichen Spitze Deutschlands gibt es viel Platz, viele Orte“, hatte der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, erst im November gesagt. Die Nationalversammlung ist das Unterhaus des französischen Parlaments.

Der Élysée-Vertrag war am 22. Januar 1963 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle in Paris unterschrieben worden. Er besiegelte 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Freundschaft der früher verfeindeten Länder.

Macron zuletzt im Mai 2018 in Aachen

Der 41 Jahre alte Macron hatte eine Neuauflage des Vertrags bei seiner Europa-Rede in der Pariser Sorbonne-Universität im September 2017 ins Spiel gebracht. Beide Länder verständigten sich dann in ihrer gemeinsamen Erklärung von Meseberg im Juni vergangenen Jahres darauf, bis Ende 2018 einen neuen Élysée-Vertrag auszuarbeiten.

Europafreund Macron hatte im Mai vergangenen Jahres in Aachen den Karlspreis erhalten. Der Präsident hielt damals Deutschland einen zu strikten Sparkurs und mangelnden Mut bei der Reform Europa vor.

Die geplante Unterzeichnung wird von Politikern in Nordrhein-Westfalen als besondere Ehre und Verpflichtung gesehen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) äußerte sich begeistert zur Wahl seiner Heimatstadt Aachen für die Unterzeichnung des Vertrages: „Der Élysée-Vertrag von 1963, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle im Élysée-Palast, dem Amtssitz des französischen Staatspräsidenten, unterschrieben haben, war der Grundstein der deutsch-französischen Freundschaft“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Dass nun die Erneuerung dieser Beziehung in der Stadt Karls des Großen von Macron und Merkel unterzeichnet werde, „ist für unsere Stadt ein historisches Ereignis. Dies wird auf Jahrzehnte so prägend sein wie der Élysée-Vertrag von 1963.“ Nordrhein-Westfalen werde „Motor bei der künftigen Entwicklung Europas sein“. Er sei stolz, dass Macron und Merkel „dafür in unserem Land den Grundstein legen.“

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sagte: „Die Unterzeichnung des Aachener Vertrags in unserem Rathaus stellt die Bedeutung Aachens als Europa-Stadt und Stadt des Karlspreises heraus.“ Er fügte hinzu: „Dass wir so kurz nach dem Karlspreis 2018 mit dem Preisträger Emmanuel Macron und der Laudatorin Angela Merkel nun eine erneute Begegnung dieser beiden Regierungschefs in Aachen erleben, ist für uns auch ein schöner Hinweis darauf, dass es den beiden im vergangenen Mai gut in Aachen gefallen haben muss.“

Als Adenauer und De Gaulle 1963 den Élysée-Vertrag unterschrieben, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Auf deutscher Seite hegten viele den Verdacht, dass der General damit die noch junge Bundesrepublik aus dem Machtbereich der USA herauslösen wollte.

Deshalb stellte der Bundestag eine Präambel vorweg, in der er sich zur Freundschaft mit den USA und Großbritannien bekannte, was wiederum De Gaulle wenig gefiel. „Verträge sind wie junge Mädchen und Rosen. Sie halten so lange, wie sie halten“, klagte der Staatschef, der in Frankreich immer noch als Held verehrt wird.

(dpa)
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