Faktor Mensch: Deutlich mehr Waldbrände in NRW

Faktor Mensch : Deutlich mehr Waldbrände in NRW

Trockenheit, Unachtsamkeit und Wind: Die Zahl der Waldbrände in Nordrhein-Westfalen hat sich bereits fast vervierfacht. Der Landesbetrieb Wald und Holz registrierte 2018 seit Januar bereits mehr als 140 Waldbrände.

In den vergangenen fünf Jahren seien es jeweils unter 40 Brände in den gesamten zwölf Monaten gewesen, sagte Unternehmenssprecher Friedrich Louen der Deutschen Presse-Agentur. Trockenheit und Wind führten dazu, dass sich Brände momentan schnell ausbreiten könnten und schwer zu bekämpfen seien.

So waren jüngst mehr als 100 Feuerwehrleute im sauerländischen Plettenberg im Einsatz, um ein Feuer zu löschen. Auch hier hatten Trockenheit und auffrischender Wind dazu geführt, dass sich der Brand auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern rasch ausbreiten konnte, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Plettenberg. Der Einsatz in einer schwierigen Hanglage dauerte 15 Stunden von Dienstagnachmittag bis Mittwochmorgen. Vier Feuerwehrleute wurden leicht verletzt.

Nach der Übersicht des Betriebes ereignete sich der größte Waldbrand in diesem Jahr Anfang August bei Straelen am Niederrhein. Dort gerieten rund 50.000 Quadratmeter Wald in Brand - und das in unmittelbarer Nähe zu einem Öl-Lager, einer Öl-Pipeline und der A40. Auch ein Hubschrauber der niederländischen Armee, der Tausende Liter Wasser aus einem nahen Baggersee holte, war am Einsatz beteiligt.

Im bundesweiten Vergleich der Waldbrände stehe NRW jedoch nicht im Fokus, betonte der Sprecher von Wald und Holz, Louen. Als besonders gefährdet gelten die Fichtenwälder in Brandenburg und Niedersachsen. „Die Nadeln enthalten ätherische Öle, die gut brennen“, erklärt er. Die Laub- und Mischwälder in NRW seien im Vergleich dazu nicht so anfällig.

Um das Waldbrandrisiko weiter zu senken, macht sich der Landesbetrieb Wald und Holz für sogenannte „klimafitte Wälder“ stark. Bäume sollten für den jeweiligen Standort passend gewählt werden, damit sie mit den Wetterlagen gut zurechtkommen. Ein großer Anteil an Laubbäumen werde empfohlen. Maßnahmen wie Brandschneisen seien nicht flächendeckend geplant. Louen: „Dazu ist die Gefahr hier nicht hoch genug.“

Um Waldbränden effektiv vorzubeugen, sind vor allem die Besucher gefragt. Nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz haben nur fünf Prozent der Waldbrände natürliche Ursachen - wie etwa Blitze. Der Rest ist auf ungeklärte Ursachen oder definitiv menschlichen Eingriff zurückzuführen. Rauchen, Grillen und Lagerfeuer blieben die größten Gefahren im trockenen Wald. „Allerdings sind uns die Besucher auch eine große Hilfe“, schildert Louen. „Durch ihre Hilfe werden den Feuerwehren Waldbrände mittlerweile deutlich schneller gemeldet.“

(dpa)
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