Aachen/Raeren: Der Vertreter des Premiers und sein Papa aus Raeren

Aachen/Raeren : Der Vertreter des Premiers und sein Papa aus Raeren

Es ist so, dass sich Herbert Cormann, 69, aus Raeren einigermaßen daran gewöhnt hatte, dass sein Sohn Mathias Cormann Finanzminister in Australien ist. Aber plötzlich Vater des Mannes zu sein, der den australischen Premierminister vertritt, das kam dann doch überraschend, nicht nur für Herbert Cormann.

Australiens eigentlicher Premierminister ist derzeit in den USA, sein eigentlicher Vertreter wurde wegen privater Verfehlungen erst beurlaubt und dann entlassen, und die Außenministerin ist auch außer Landes, weswegen nun Mathias Cormann das Amt innehat, zumindest in dieser Woche. Wie sein Vater das findet, verrät Herbert Cormann im Interview mit Christoph Classen.

epa05290240 Australian Minister for Finance, Senator Mathias Cormann speaks to journalists at a press conference at Parliament House at Parliament House in Canberra, Australia, 05 May 2016. The government delivered the Australian 2016-17 Federal Budget on 03 May. EPA/MICK TSIKAS AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT +++(c) dpa - Bildfunk+++. Foto: dpa

Hallo Herr Cormann, wie macht sich Ihr Sohn als Aushilfspremierminister Australiens?

Herbert Cormann: Ich finde, er macht das gut.

Haben Sie ihm das schon gesagt?

Cormann: Nee. Mathias hat viel zu tun, deswegen habe ich ihm diese Woche wenig geschrieben. Er meldet sich meistens am Wochenende bei uns. Da hat er Zeit.

Arbeiten Spitzenpolitiker da nicht?

Cormann: In Australien ist das ein bisschen anders als bei uns. Mammutsitzungen sonntags und nachts, die gibt’s da nicht. Finde_SSSq ich aber auch gut.

Warum?

Cormann: Ach, wenn man sieht, wie der Martin Schulz nach den Groko-Verhandlungen aussah: Gesund kann das nicht sein. Bei solchen Arbeitsbedingungen gehen die Gewerkschaften normalerweise auf die Barrikaden.

Heißt: Sie würden sich auch keine Sorgen um Ihren Sohn machen, würde er dauerhaft australischer Premierminister sein?

Cormann: Zutrauen würde ich ihm das. Aber er fühlt sich wohl als Finanzminister. Das Amt lässt ihm auch mehr Zeit für die Familie.

Sind Sie sehr stolz auf ihren Sohn?

Cormann: Ja. Wenn man sieht, dass der Sohn in der Weltpolitik mitmischt: Das macht einen stolz. Er ist seinen Weg gegangen. Noch besser gefällt mir, dass ich weiß, dass Mathias für die Familie da ist, wenn mal irgendetwas sein sollte.

Wie oft sehen sie sich?

Cormann: Unregelmäßig. aber wir stehen per Mail und Facebook ständig in Kontakt, da bekommen wir auch Fotos und Videos von den Enkeln. Und zur Goldhochzeit von meiner Frau und mir in zwei Jahren kommt Mathias auf jeden Fall. Das steht fest.

War Ihnen eigentlich schon früh klar, dass ihr Sohn mal Politiker wird?

Cormann: Das vielleicht nicht, aber er war schon früh ein Mensch, der vorausschaut. Ein Jahr vor dem Abitur kam er zu uns und erzählte von diesem Internat, das er gerne besuchen würde, um dort seinen Abschluss zu machen, weil er dann auch das Abi in französischer Sprache haben würde; er hatte auch schon ausgerechnet, was das kosten würde. Überhaupt, die Sprachen: Er hat früh begriffen, dass er davon ein paar können muss, wenn er in die Welt will.

Haben Sie eigentlich auch politische Ambitionen?

Cormann: Ich war bislang nie politisch aktiv, aber jetzt, als junger Senior, baue ich gerade eine Liste für die Kommunalwahl in Raeren auf. Eine Liste für Bürger ohne Parteibuch. Sobald ich zehn Kandidaten habe, möchte ich starten.

Ist da perspektivisch vielleicht auch Australien für Sie eine politische Option?

Cormann: Für mich? Nee, nee. Nicht, dass das Land schlecht wäre, aber im Urlaub ist ja eigentlich jedes Land schön. Und danach ist es immer schön, nach Hause zu kommen. Wenn man sich nicht mehr auf zu Hause freut, dann stimmt was nicht im Leben.

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