Flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet: Der Markt für Grippeimpfstoffe ist leergefegt

Flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet : Der Markt für Grippeimpfstoffe ist leergefegt

Wer sich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen will, der muss viel Glück haben. Denn den Apotheken und Arztpraxen geht der Impfstoff aus. Eine flächendeckende Versorgung ist längst nicht mehr gewährleistet.

„Der Markt ist leergefegt“, sagen Gabriele Neumann, Vorsitzende des Apothekerverbands Aachen, und Stefan Derix, Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. Sie bestätigen damit Erfahrungen von Leserinnen und Lesern unserer Zeitung, die in Praxen abgewiesen worden waren. „Da kommt auch nichts mehr nach“, ergänzt Felix Zimmermann, Sprecher des Verbands für den Kreis Düren. Denn die Hersteller haben die Produktion des Wirkstoffs für diese Impfperiode abgeschlossen. Selbst wenn sie diese wieder hochfahren würden, würde es rund ein halbes Jahr dauern, bis der Impfstoff auf den Markt kommen könnte.

Allerdings ist die klassische Grippe­impfzeit auch bereits vorbei. Die meisten Menschen gehen dafür von September bis November zum Arzt. „Danach geht der Bedarf an Impfstoffen erfahrungsgemäß deutlich zurück, da die Schutzwirkung des Impfstoffes dann bis zum Beginn des Frühjahrs anhält“, sagt Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. „Insofern ist es durchaus möglich, dass Arztpraxen die von ihnen georderten Impfstoffe zum jetzigen Zeitpunkt bereits ‚verimpft’ haben.“

Dass es in dieser Grippesaison zu Versorgungsengpässen kommen kann, war bereits im November 2018 offensichtlich geworden, obwohl laut Bundesgesundheitsministerium deutschlandweit 15,7 Millionen Dosen zur Verfügung standen – rund eine Million mehr, als in der Grippesaison 2017/18 verbraucht worden waren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte deshalb die Vorschriften für die Beschaffung gelockert. Die Bundesländer können bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit dem Impfstoff versorgen und dass Apotheken Impfstoffe abgeben dürfen, die aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogen wurden. Seitdem hat sich die Lage entspannt. Die Meldungen über Engpässe von Grippeimpfstoffen beim für die Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Institut haben abgenommen, sagte eine Sprecherin.

Die Erklärungen für den diesjährigen Mangel sind nicht eindeutig. Es könnte eine höhere Nachfrage wegen der schweren Grippewelle 2017/18 gegeben haben. Vielleicht war die Nachfrage aber auch so hoch, weil erstmals ein Vierfach-Impfstoff verwendet wird, nachdem der Dreifach-Wirkstoff zuvor nicht die gewünschte Wirkung gehabt hatte. Vielleicht war die von den Ärzten im März/April bestellte Menge aber auch zu gering.

Dass offensichtlich auch jetzt noch Bedarf an Schutzimpfungen besteht, könnte auch daran liegen, dass bislang keine richtige Grippewelle zu beobachten war. Erst bei mehr als 1000 Neuerkrankungen pro Woche sprechen Experten von einer Epidemie, aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) verzeichnen noch unter 400 Neuerkrankungen pro Woche. Insgesamt sind dem RKI mit Stand von Mitte Dezember erst 1090 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle bekannt. „Aber die ersten Grippekranken sind da, und plötzlich erinnern sich die Menschen in deren Umfeld, dass sie sich eigentlich hatten impfen lassen wollen“, vermutet Gabriele Neumann. Es dürfte allerdings schwierig werden, das nachzuholen.

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