Maastricht/Aachen: Der König rollt den „Grünen Läufer“ aus: Willem Alexander in Maastricht

Maastricht/Aachen : Der König rollt den „Grünen Läufer“ aus: Willem Alexander in Maastricht

König Willem Alexander kommt. Wenn er schon seinerzeit bei der Eröffnung des nach ihm benannten Tunnels nicht dabei sein konnte, dann will er zumindest einmal auf ihm stehen und mit eigenen Augen sehen, was dort unter der Bezeichnung „Groene Loper“ (dt. Grüner Läufer) noch bis 2026 veranstaltet wird. Es handelt sich um ein in den Niederlanden einzigartiges Projekt, insgesamt mehr als eine Milliarde Euro teuer und den ganzen Osten Maastrichts verändernd.

Zunächst musste ein 2,3 Kilometer langes Stück Fernstraße, das bis vor nicht allzu langer Zeit die Maasmetropole in zwei Teile geschieden hatte, in den Untergrund verfrachtet werden. Dieses Stück der Autobahn A2, eine der ältesten und meistbefahrenen in den Niederlanden, verläuft von der belgischen Grenze bis nach Amsterdam. Mitten in Maastricht wurde sie zur Nationalstraße herabgestuft und durch Ampeln geregelt — den einzigen auf Autobahnen in Europa, wie weit gereiste Autofahrer wussten.

Noch recht kahl, bald sehr grün: Rund 2000 Linden wurden entlang des 2,5 Kilometer langen „Groene Loper“ (Grafik) gepflanzt, auch in der Nähe der Lourdes-Kirche (o. li.). König Willem Alexander konnte bei der Eröffnung des nach ihm benannten Tunnels nicht dabei sein. Jetzt wird er seinen Landsleuten in Südlimburg wieder zuwinken — wie beim Maastricht-Besuch 2014. Fotos: Hautermans, Imago/Reporters, Grafik: A2 Maastricht/ZVA. Foto: Imago/Reporters

Nach fünf Jahren Bauzeit und noch längerer Vorbereitung wurde der Doppelstöcker im Dezember 2016 eröffnet — benannt eben nach Willem Alexander und eines der ehrgeizigsten Bauprojekte im Dreiländereck. In der oberen Röhre fließt der lokale und regionale Verkehr, unten auf vier Spuren die A2 mit insgesamt rund 80 Prozent des gesamten alten Verkehrsaufkommens — im Osten an der Maastrichter Innenstadt vorbei.

loper. Foto: Hautermans

Die Anlaufzeit nach der Fertigstellung gestaltete sich mitunter schwierig. Technische Störungen führten zu Sperrungen, die Beschilderung war anfangs nicht optimal, die immer wieder wechselnde Verkehrsführung und Anbindung an die Umgebung noch lange nicht fertig. Behinderungenhäuften sich. Brücken und Kreisverkehre mussten angelegt, ein modernes, sechs Kilometer langes Verkehrssystem angelegt werden. Doch die Kinderkrankheiten sind inzwischen behoben, der Verkehr läuft einigermaßen flüssig.

Parallel und vor allem nach der Vollendung ging es mit der überirdischen Bebauung weiter, in die auch angrenzende Gebiete einbezogen wurden. Schon vorher waren Kanäle und Leitungen gelegt sowie archäologische Grabungen vorgenommen worden. Der „Groene Loper“, ein rund 2,5 Kilometer langer und bis zu 110 Meter breiter Grünstreifen mit Allee-Charakter, gibt dem Maastrichter Osten nun wieder ein freundlicheres Bild. Radfahrer und Fußgänger haben weitgehend Vorrang, zwei kleinere Fahrbahnen sind dem Anliegerverkehr vorbehalten. Auch ein kleiner Stadtpark wurde angelegt, fast 2000 Linden gepflanzt. Außerdem entstehen Wohn- und Bürohäuser mit allein knapp 1000 Wohneinheiten.

Die oberirdischen Arbeiten sind mit mehr als 500 Millionen Euro Kosten angesetzt. Nicht nur die Mobilität sei durch das Riesenvorhaben verbessert worden, sondern auch die Wohnqualität in dem gesamten Bereich, sagt Desirée Florie, Kommunikationsmanagerin beim zuständigen Baukonsortium Avenue 2, das einen Teil der gesamten Baukosten von 1,2 Milliarden Euro übernimmt und im Gegenzug das Recht hat, angrenzende Immobilienflächen zu entwickeln und zu verwerten. Etwa 850 Millionen Euro stammen aus öffentlichen Kassen, der größte Teil davon vom Staat, 150 Millionen von der Provinz Limburg und den Städten Maastricht und Meerssen. Managerin Florie: „Mitten in der Stadt ist ein neues Gebiet entstanden, das nun für Wohnen, Arbeiten und Naherholung ausgebaut wird. Die Viertel, die jahrzehntelang durch die Straße getrennt wurden, sind nun wieder eine Einheit.“ Die Anwohner habe man bei dem gesamten Projekt so weit wie möglich einbezogen.

Dreitägiges Fest zur Eröffnung

Seine Majestät Willem Alexander, so heißt es in der Pressemitteilung von Avenue 2 weiter, besucht am 29. März zunächst ein Treffen mit 200 geladenen Gästen zur Realisierung des Grünen Läufers, begleitet von Verkehrs- und Infrastrukturministerin Cora van Nieuwenhuizen. Der Monarch wird mit den Projektbeteiligten, aber auch Anwohnern und gesellschaftlichen Organisationen sprechen, die an der Planung und Ausführung beteiligt waren, und anschließend die offizielle symbolische Eröffnung vornehmen. Während der Bauzeit hatte es zum Beispiel einen künstlerischen Wettbewerb gegeben, 21 Kunstwerke wurden entlang der neuen Route aufgestellt. Ferner gab es Besuchstage für Interessierte und Wanderungen durch den zweigeschossigen Tunnel. Am 1. April findet zum Abschluss der Eröffnungstage ein Lauf über fünf oder zehn Kilometer statt, größtenteils über den „Groene Loper“.