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Der Gesundheitsausschuss beschäftigt sich mit Corona-Brennpunkten

Düsseldorfer Landtag : Corona-Brennpunkte und Virologe Streeck im Gesundheitsausschuss

Die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen stehen seit langem in der Kritik. Nach dem geballten Ausbruch von Corona-Infektionen bei Westfleisch wird es brenzlig für die Verantwortlichen. Der Landtag verlangt Antworten auf Fragen nach „unhaltbaren Zuständen“.

Der Gesundheitsausschuss des Düsseldorfer Landtags beschäftigt sich am Mittwoch (15.30 Uhr) mit Coronavirus-Brennpunkten in Nordrhein-Westfalen. Die SPD-Opposition will von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wissen, seit wann die Behörden von Infektionen im Coesfelder Schlachthof Westfleisch gewusst haben und was unternommen wurde.

In NRW sollen bis zu 20 000 Mitarbeiter aller Schlachtbetriebe auf das Corona-Virus getestet werden. In dem Coesfelder Betrieb waren nach Angaben des Kreises bis zum Dienstag bereits 261 von zunächst 1012 Getesteten positiv. Der Betrieb war bereits vergangenen Freitag vorübergehend geschlossen worden. Als Konsequenz aus dem Corona-Ausbruch bei Westfleisch ist ein Großteil der eigentlich von Montag an landesweit geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen im Kreis Coesfeld um eine Woche verschoben worden.

Die SPD fordert, „unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie zu beenden“. Die Unterbringung der Beschäftigten in den Schlachthöfen und auch der Ernte-Saisonarbeiter steht als dringliche Frage auf der Tagesordnung des Ausschusses. In den Schlachthöfen sind viele Mitarbeiter bei Subunternehmern beschäftigt. Sie kommen häufig aus Ost- und Südosteuropa.

Zudem beschäftigt sich der Landtag mit einem weiteren zentralen Corona-Thema: der Heinsberg-Studie. Der Bonner Forschungsleiter Hendrik Streeck ist zum Austausch über seine Ergebnisse in den Gesundheitsausschuss geladen.

Ein Forscher-Team um den Virologen hatte in Gangelt an der niederländischen Grenze 919 Einwohner in 405 Haushalten befragt und Corona-Tests vorgenommen. In dem Ort hatten sich nach einer Karnevalssitzung Mitte Februar viele Bürger mit dem neuartigen Virus infiziert. Die Gemeinde gilt daher als Epizentrum des Virus in NRW. Die Situation ist allerdings nur bedingt vergleichbar mit anderen Regionen Deutschlands.

Streeck hatte in der vergangenen Woche eine Modellrechnung präsentiert, wonach sich bis dahin etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland schon mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Den Ergebnissen zufolge zeigten in Gangelt 22 Prozent der Infizierten „gar keine Symptome“. Viele davon wussten bis zum Test nicht, dass sie überhaupt krank waren.

Die Forscher gehen davon aus, dass in Gangelt 0,37 Prozent der Infizierten gestorben sind. Allerdings flossen in die Berechnung der Sterblichkeitsrate nur sieben Todesfälle ein.

(dpa)