Der Fachkräftemangel trübt Arbeitsmarkt-Aussichten

Ungewisse Zukunft : Fachkräftemangel trübt Arbeitsmarkt-Aussichten

Seit Jahren boomt der Arbeitsmarkt in Deutschland - auch in NRW war die Entwicklung stark. Doch trotz einer erneut positiven Jahresbilanz der Arbeitsagentur bietet der Blick in die Zukunft Ungewissheit. Immer häufiger mangelt es Unternehmen an geeigneten Bewerbern.

Für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen wird es Experten zufolge immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. „Wir werden in den nächsten Jahren eine ganz andere Situation vorfinden, als wir sie in der Vergangenheit hatten“, sagte die Chefin der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, Christiane Schönefeld, am Mittwoch in Düsseldorf. Schon jetzt könnten Unternehmen nach Angaben der Behörde immer häufiger Stellen und Ausbildungsplätze nicht besetzen.

Durch den zunehmenden Fachkräftemangel, die Digitalisierung und den demografischen Wandel könnte sich diese Situation noch verschärfen. „In den nächsten fünf Jahren scheiden alleine 522 800 Menschen aus der Arbeitswelt aus und gehen in Rente. Das sind knapp acht Prozent der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen.“ Als Gegenmaßnahmen nannte sie die Förderung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten. Zudem sollten bei der Suche nach Auszubildenden ältere Menschen und Flüchtlinge stärker in Betracht gezogen werden.

Prognose für kommendes Jahr kaum möglich

Eine konkrete Prognose für das kommende Jahr ist nach Aussage von Schönefeld kaum möglich. „Weil die Einflussfaktoren einfach nicht mehr berechenbar sind.“ So habe beispielsweise entgegen von Vermutungen die starke Zuwanderung von Flüchtlingen nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt, weil die Entwicklung in anderen Bereichen positiv gewesen sei.

Im zu Ende gehenden Jahr 2018 sank die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen im vierten Jahr in Folge. Im Jahresdurchschnitt waren 654 740 Menschen arbeitslos gemeldet, 46 479 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,6 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent. Zuletzt gab es 1992 so wenige Menschen ohne Job in NRW. Die Arbeitsagentur rechnet damit, dass am Jahresende ein Rekordwert von mehr als sieben Millionen Beschäftigten stehen wird.

Besonders junge Menschen konnten von der positiven Entwicklung profitieren: Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen ging um überdurchschnittliche 10,4 Prozent zurück. Auch die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelang besser. 35 000 geflüchtete Menschen bekamen 2018 bislang eine sozialversicherungspflichtige Stelle, mehr als 3000 begannen eine Ausbildung.

(dpa)
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