Spezielles Konzept: Der erste komplett musikalische Escape Room

Spezielles Konzept : Der erste komplett musikalische Escape Room

Gepackt hat das Fieber die beiden in Budapest. „Ich hab’ mal ein paar Monate da gewohnt und mein Bruder Ralf hat mich besucht“, erzählt Lars Gerland, „wir sind in einen Escape Room gegangen, am nächsten Tag wieder in einen und am übernächsten wieder.“

Alle über 150 „Fluchträume“, mit denen die ungarische Hauptstadt aufwarten kann, haben die Kölner zwar nicht geschafft: „Aber es waren schon ziemlich viele. Wir konnten gar nicht mehr damit aufhören, das hat uns nicht mehr losgelassen.“ Wieder daheim, kam die Idee auf, selbst so etwas zu machen, „aber die musste erst reifen.“

Was für den Sportwissenschaftler und den Geografen dabei von Anfang an feststand: „Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, das anders ist, als andere Escape-Rooms, mit einem ganz speziellen Konzept.“ In der Kölner Südstadt haben die zwei nun ihren Traum verwirklicht.

Im Spybrain-Escape-Room geht es weder darum, Geister zu jagen, noch sich aus einem unterirdischen Verlies zu befreien oder einem Killer zu entkommen. Hier geben Rock’n’Roll & Co Rätsel auf. Um Deutschlands erstem Musik-Escape-Room einen Besuch abzustatten, muss man keine Noten lesen können, auch nicht singen oder ein Instrument spielen.

Ralf (links) und Lars Gerland haben einen Escape-Room in Köln eröffnet, in dem es um musikalische Rätsel geht. Foto: Vincent Brill

Von Schlager bis Pop

Stattdessen geht es 80 Minuten lang um alle möglichen Musikrichtungen von Schlager über Pop, Rock und Hip-Hop bis hin zu Jazz, Klassik — und natürlich auch Rock’n’Roll. „Wir haben versucht, dabei möglichst viele Einflüsse mit einzubinden“, sagt Ralf Gerland (37).

Für Spieler beginnt der Besuch in der (fiktiven) Musikschule des urkölschen Lehrers Dieter Behrenkamp mit einer Einführung. Spielleiter Lars Gerland erklärt: „Schaut euch alles gut an, manches ist nicht das, wonach es aussieht!“

Um hier eine magische Musikmaschine zu finden, gilt es, Hinweise zu sammeln, Codes zu entschlüsseln und Schlösser zu öffnen. Hinter denen sich dann wieder weitere Hinweise verbergen. Am Anfang ist das ziemlich verwirrend. Man sieht überall nur Schlösser — und hat keinen Plan.

Dierekt vor allen Augen

Bis dann der erste eine Idee hat. „Könnten wir nicht ...?“ oder „Wie wäre es, wenn wir ...?“ Manchmal ist so eine spontane Eingebung goldrichtig, ein anderes Mal erweist sie sich nur scheinbar als zielführend — und endet in einer Sackgasse.

Mitunter liegt etwas direkt vor aller Augen, aber die wollen es nicht erkennen. Oder ist so trickreich getarnt, dass es erst unter Zuhilfenahme eines ganz bestimmten Gegenstands gelingt, den nächsten Code zu knacken und einen weiteren „Sesam“ zu öffnen.

Das mit den Gegenständen ist tückisch. Weil es gar nicht so einfach ist zu beurteilen, ob sie tatsächlich nützliche Rätsellöser sind. Oder bloß Dinge, die Lehrer Behrenkamp in seiner Musikschule aufbewahrt, weil sie dem Unterricht oder Dekorationszwecken dienen.

Hilfreich ist da ein Tipp, den Lars Gerland den Teilnehmern mitgibt: „Ihr müsst weder Möbel verrücken, noch Teppiche beiseite räumen oder Tapeten ablösen. Alles was ihr benötigt, findet ihr durch gemeinsames Nachdenken und Probieren.“ Deshalb fallen Kraftakte und Aktionen tendenziell zerstörerischer Natur von vornherein flach. Besonders sportlich muss auch keiner sein. Keiner muss klettern, springen oder über schmale Balken balancieren.

Beobachten und kombinieren

Damit, die Augen aufzuhalten, zu beobachten und zu kombinieren, ist es aber längst nicht getan. Auch Rhythmusgefühl und Improvisationstalent sind gefragt, man muss sich näher mit Instrumenten beschäftigen, Melodien austesten, den richtigen Takt finden oder den passenden Stecker. Geeignet ist der Raum für Mitspieler ab zehn Jahren: „Und die lassen die Erwachsenen, die oft viel zu verkopft rangehen, manchmal alt aussehen.“

Wobei Eltern und Großeltern wiederum den Kindern gegenüber die Nasen vorn haben, wenn es um solche Medien der Musikwiedergabe geht, die heutzutage im Internet-Zeitalter kaum noch jemand kennt. „Das ist Teil des Konzepts: dass alle zusammenarbeiten — jeder kann, hört und sieht etwas anderes“, erläutert Lars Gerland.

Und noch etwas findet der 33-Jährige toll: „Wie viel Potential da drin steckt, was Bildung angeht. In den USA haben schon viele Museen eigene Escape-Rooms eröffnet. Dinge, die ich erlebe und die mich gepackt haben, die vergess’ ich nicht.“

Nur ein kleiner Denkanstoß

Der Rekord im Kölner Musik-Escape-Room liegt bei 58 Minuten: „Aber da waren es auch acht Spieler.“ Je mehr Spieler, desto mehr Ideen. Und wenn es Mal komplett hakt, gibt’s einen Hinweis. Angekündigt durch ein Klopfen an der Tür, unter der dann ein Foto durchgeschoben wird.

Das verrät jedoch nicht alles, sondern gibt nur einen kleinen Denkanstoß. Womit sollte sich die Gruppe noch einmal gründlicher befassen? Wann könnte sie etwas übersehen haben?

Kurze Beratung untereinander — und schon winkt wieder ein kleines Erfolgserlebnis. Überraschend ist, wie schnell in der Behrenkampschen Musikschule 80 Minuten vergehen.

Man blendet den Alltag komplett aus, schaut höchstens mal ganz kurz aufs Handy, um die Uhrzeit zu checken: Können wir’s noch schaffen? Aber selbst wenn nicht — ein Erlebnis war’s allemal. Von dem man dann gerne erzählen darf. Aber bitte niemandem die richtigen Hinweise und Lösungen verraten!

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