Aachen: „Der Dom leuchtet“: Computertechnik soll für ein großes Spektakel sorgen

Aachen : „Der Dom leuchtet“: Computertechnik soll für ein großes Spektakel sorgen

"Der Dom leuchtet": Die Geschichte des Bauwerks in Lasern und Musik

Im Dom ist die Hölle los. Glas splittert, aus roten Wolken blitzen zwei funkelnde Augen. Mit boshaftem Lachen schüttet der Teufel den Aachenern eine Lawine aus Goldbarren vor die Füße. Aber er hat sich verrechnet. Die Bürger brauchen zwar Geld um ihren außergewöhnlichen Kirchenbau fertigzustellen, aber sie sind schließlich doch schlauer als der Höllenfürst.

„Die Dombausage ist genau der richtige Start für unsere Inszenierung“, sagt Matthias Büsching, Art Director der Agentur Power+Radach, die mit dem Lichtdesigner und -techniker Christoph Hillen, Experte für Pixel-Mapping, für ein digitales Gesamtkunstwerk sorgt — mit Dramatik, theatralischen Tricks und komplizierten Algorithmen. „Der Dom leuchtet“, das große Open-Air-Spektakel während der Festwoche vom 22. bis 30. September unter dem Motto „40 Jahre Weltkulturerbe Aachener Dom“, wird mehrere tausend Zuschauer an neun Abenden auf den Katschhof locken und in eine spannende Welt entführen. Atemberaubende Effekte erzählen eine bewegende Geschichte aus mehr als 1200 Jahren in Bild und Ton. Büsching: „Die Aachener haben stets für ihren Dom gekämpft, ihn mit allen Mitteln geschützt. Das wollen wir in dieser locker chronologischen Abfolge zeigen.“

Ein 3-D-Modell vom Dom aus Milliarden von Pixeln, erstellt durch Leif Kobbelt, Inhaber des Lehrstuhls für Computergrafik, Multimedia und Computer Vision an der RWTH Aachen, wird die Basis bilden. Der Zuschauer glaubt, auf den dunklen Dom zu blicken — aber das ist eine Illusion. „So haben wir eine technische Grundlage, ohne die das Spektakel nicht möglich wäre, es gibt keine Verzerrungen durch Tiefen in der Architektur, alles wird ausgeglichen“, betont Hillen.

Rund ein Jahr hat es gedauert, bis das belebte Kunstwerk mit seinen raffinierten Effekten fertig war. Es gibt opulente Bilder sowie stille, berührenden Momente. 20 Minuten werden von rund sechs Terabyte getragen — eine umfangreiche Datenmenge. Das leichte Lampenfieber der Macher ist verständlich: „Wir können das nicht live am Dom testen“, meint Hillen. 60 Meter Breite, etwa 80 Meter (Westturm) Höhe — das ist keine Kleinigkeit, eine Pixelfläche, vier Mal so groß wie das Rathaus. 14 Hochleistungsprojektoren werden millimetergenau so ausgerichtet, dass die Aktionsflächen genau ausgeleuchtet sind und ein lebendiges Gesamtbild entsteht. „Für einen Test ist das nicht machbar.“ Stattdessen wird zurzeit noch an der Gestaltung gefeilt. Schwungvoll wehen glitzernde Partikelnebel um das Gemäuer: „Der Spirit, der alles durchdringt“, erklärt Büsching.

Sound für Gut und Böse

Mit Karl dem Großen beginnt die Inszenierung, die schwebende Büste des Kaisers setzt Zeichen. Theatralisch liegt der Fokus unter anderem auf Symbolen der Herrschaft. Mit Juwelen besetzte Kronen ragen auf, Könige steigen auf und versinken wieder im Angesicht des Throns. Orgelklang kündet von religiöser Botschaft, Stoffe aus den Schreinen der Heiligen werden auf der Fassade entrollt und flattern wieder davon.

Mit modernster Technik lassen sich Gebäudeteile verschieben, aufklappen, stürzen. Es erheben sich Mauern, Wände brechen auf, Dächer erneuern sich. Feinsinnig werden die unterschiedlichen Bauphasen des Doms skizziert — darunter die gewagte Öffnung des Oktogons und der Bau der mächtigen Chorhalle (1355-1414). Während des Stadtbrands 1656 blieben nur noch die steinernen Elemente des Gebäudes erhalten. Büsching und Hillen lassen die Flammen wüten und Glas bersten — ein Inferno.

Verblüffend echt wirkende Geräusche und einen mächtigen Klangteppich hat der Aachener Musikproduzent Frank Stumvoll entworfen. „Wir arbeiten noch an einem typischen Sound für das Gute und für das Böse, etwas, das man sofort wiedererkennt“, berichtet Büsching.

Der Dom im Zweiten Weltkrieg, Fliegeralarm, die schnarrende Stimme Hitlers, die mitten aus dem Dom zu kommen scheint — da werden nicht nur Aachener, die jene Zeit miterlebt haben, eine Gänsehaut bekommen. „Wir wollen die Botschaft weitergeben, dass der Dom geschützt und bewahrt werden muss“, sagt Büsching. „40 Jahre Weltkulturerbe sind ein guter Anlass. Jetzt gilt es, die heutige Generation zu mobilisieren.“

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