Düsseldorf: Dem Katastrophenschutz droht ein Personalmangel

Düsseldorf : Dem Katastrophenschutz droht ein Personalmangel

NRW will künftig neben den Feuerwehren auch Hilfsorganisationen bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen. „Es wird immer schwieriger, Menschen für das ehrenamtliche Engagement im Brand- und Katastrophenschutz zu gewinnen“, sagte NRW-Innenminster Herbert Reul (CDU). In den Engpässen beim Ehrenamt sieht der Minister eine Schwachstelle im Katastrophenschutz des Landes.

Kommenden Donnerstag stellt Reul im Innenausschuss den „Grundlagenbericht Katastrophenschutz“ vor. Der Bericht liegt uns bereits vor. Die größten Katastrophen-Risiken hierzulande sind Extremwetter, Hochwasser, Chemieunfälle, Pandemien, Tierseuchen sowie der Ausfall wichtiger Infrastrukturen etwa in der Telekommunikation oder in der Stromversorgung.

Der Bericht warnt insbesondere vor der Möglichkeit des Eintretens gleich mehrerer dieser Szenarien auf einmal. Dies sei „im Ballungsraum NRW mit viel Industrie und Verkehr ein besonderes Risiko“, das die Katastrophenszenarien in NRW deutlich von vielen anderen Teilen Deutschlands unterscheide.

Probleme bei großen Unwetterlagen

„Insgesamt funktioniert der Katastrophenschutz in NRW wirklich gut“, meint Reul. Neben den Problemen bei der Rekrutierung von ehrenamtlichen Kräften gebe es aber auch noch eine Thematische Schwachstelle: „Bei großen Unwetterlagen haben wir sicher noch ein bisschen Luft nach oben“, sagte der Minister. In dem Bericht heißt es dazu: „Beispielsweise haben wir in NRW in den zurückliegenden beiden Jahren in vielen Landesteilen Starkregenereignisse mit erheblicher Zerstörungskraft erlebt. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieses Wetterphänomen zunehmen wird.“ Auch katastrophale Stürme wie Kyrill und Ela, die in NRW jeweils Millionenschäden verursacht haben, behandelt der Bericht beinahe wie eine Konstante.

Neu in die systematische Betrachtung der Katastrophenschutz-Risiken aufgenommen wurden Terror-Szenarien: „Gefährdungslagen, ausgelöst durch terroristische Angriffe, werden derzeit von den Sicherheitsbehörden insgesamt intensiver betrachtet“, so der Bericht. Daraus könnten sich die Szenarien „Massenanfall von Verletzten“, „Verbreitung von Giften“, eine „Pandemie“ oder die „Störung wichtiger Infrastruktur“ ergeben — Szenarien, auf die sich der Katastrophenschutz in NRW aber vorbereitet sieht.

Der Bericht fasst die einjährige Arbeit einer Expertengruppe zusammen, in der unter anderem sämtliche Hilfsorganisationen, die Feuerwehr, die Kommunalen Spitzenverbände und die Bezirksregierungen mitgewirkt haben. Die Experten sollten unter anderem auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 3 (hoch) bewerten, auf welche Katastrophen-Lagen das Land sich prioritär vorbereiten sollte.

Dabei führte die Kategorie „Massenanfall von Verletzten“ (etwa durch Terror oder Verkehrsunfälle) die Liste mit dem Wert 2,5 an, gefolgt vom Szenario „Naturereignisse/Klimawandel“ (2,11) und dem Szenario „Ausfall kritischer Infrastruktur“ (2,0). Das Krisenszenario, bei dem die Experten die größte Eintrittswahrscheinlichkeit und zugleich den größten vorbeugenden Handlungsbedarf sehen, ist ein großflächiger Zusammenbruch der Stromversorgung (2,8).

„Besonders hervorzuheben ist auch die Notwendigkeit einer effektiven Gefahrenvorsorge in der Stromversorgung“, so die Experten. Zwar seien die Energieversorger zur Gewährleistung einer konstant sicheren Stromversorgung verpflichtet. „Trotz dieser Garantie wissen wir besonders in NRW sehr gut, dass auch ein lang anhaltender Stromausfall möglich ist. Dies zeigte sich bei einer extremen Winterlage im Münsterland im November 2005, die dort zu einem mehrtägigen Stromausfall führte“, so der Bericht.

Datenquellen besser vernetzen

Er mahnt auch Verbesserungspotenziale an. So müssten die Datenquellen und -schätze der Katastrophenschützer besser vernetzt und die Bevölkerung umfangreicher für Selbstschutzmaßnahmen geschult werden. Zu Extremwetterszenarien soll es künftig eigene Übungen geben. Außerdem wird mit Blick auf das Katastrophenszenario „Großflächiger Stromausfall“ überprüft, wie lange der NRW-Katastrophenschutz seine eigene Handlungsfähigkeit mit Bordmitteln wie Generatoren und Notstromaggregaten überhaupt aufrecht erhalten kann.

Holger Fiedler, Katastrophenschutz-Experte der SPD im Landtag, fordert darüber hinaus mehr Katastrophenschutzübungen in NRW, die Bereitstellung entsprechender Übungsplätze und eine bessere finanzielle Ausstattung des Katastrophenschutzes. Nach Angaben des Ministeriums fließen in diesem Jahr 4,2 Millionen Euro vom Land an die Hilfsorganisationen sowie weitere 37 Millionen in den Katastrophen- und Brandschutz. Für die Ausstattung mit Fahrzeugen und Geräten sind 21,8 Millionen Euro eingeplant.

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