Datenhunger der Immobilienportale setzt Wohnungssuchende unter Druck

Unterlagen schon vor Besichtigung gefordert : Immobilienportale und ihr großer Datenhunger

Im umkämpften Markt um Wohnungen nutzen immer mehr Vermieter die neue Macht, die sich ihnen bietet. Suchende sollten laut Immobilienscout24 schon bei der bloßen Frage nach einem Besichtigungstermin Schufa-Auskunft, Ausweiskopie, Bestätigung über Mietschuldenfreiheit und Arbeitsvertrag vorlegen, um bessere Chancen zu haben – freilich ohne zu wissen, wo die Unterlagen landen.

Generell gehe der Datenhunger von Immobilienportalen und Vermietern mitunter zu weit, sagt Daniel Strunk, Sprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit (LDI). Zwar hätten Vermieter berechtigtes Interesse an Informationen. „Was vor Abschluss eines Mietvertrags abgefragt werden kann, geht Vermieter bei einer ersten Besichtigung aber noch nichts an“, sagt Strunk. Dass „datensparsame“ Interessenten jedoch nicht eingeladen werden, weiß auch Strunk. 

Doch selbst, wer Daten-Bedenken ignoriert, kommt oft nicht weiter. Denn wer bei Immobilienscout24 das Feld „Mail“ anklickt, über das Kontakt zum Anbieter aufgenommen werden kann, wird häufig ausgebremst: „Der Anbieter hat die Kontaktaufnahme auf Premium-Interessenten eingeschränkt“ ist dann zu lesen. Wer aber Premium-Interessent werden will – und nur dann lässt sich der private Anbieter sofort anschreiben – muss mit Immobilienscout24 mindestens ein Zwei-Monats-Abo für rund 60 Euro abschließen. Premium-Anzeigen werden allerdings nach 48 Stunden für alle freigeschaltet.

Ein Unternehmens-Sprecher erläutert, dass es verschiedene Versionen der „Bezahlschranke“ gebe. Seit April 2018 biete das Unternehmen etwa in „nachfragestarken Regionen“ ein „Free Listing“ genannte System an. Köln und Düsseldorf gehören dazu. Für Anbieter ist eine Annonce dort dann kostenlos, nur Suchende werden via Abo zur Kasse gebeten. Ansonsten müssten Anbieter knapp 50 Euro für eine Anzeige zahlen.Aachen sei laut Online-Portal aktuell zwar keine „Free-Listing“-Region. Dennoch sind auch hier zahlreiche Wohnungen zunächst nur für Abo-Kunden erreichbar. Mieter, die selbst einen Nachmieter suchen, können einmal jährlich kostenlos inserieren. Doch auch hierbei gilt für Suchende: ohne Abo kein Kontakt zum Inserenten. 

„Fies“ nennt das Hans Knops vom Mieterschutzverein Aachen. Die Not Wohnungssuchender werde ausgenutzt. Ferner stünden die Abo-Kosten „in keinem Verhältnis zur Leistung“, denn das Unternehmen ermögliche lediglich den Kontakt zum Vermieter – der übrigens von den Abo-Einnahmen nichts abbekommt. Ein Gesetzesverstoß liegt aber wohl dennoch nicht vor.

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