#datadome2019: Beim Medienhaus-Hackathon gewinnt Team "bessermaachen"

2. Medienhaus-Hackathon in Aachen : Erfolgreicher Ausflug in eine andere Welt

App soll Aachen „besser maachen“

Unser Volontär Lars Voßen hat am zweiten Hackathon #datadome2019 des Medienhauses Aachen teilgenommen. Mit seinem Team suchte er zwei Tage und zwei Nächte nach einer digitalen Lösung für die Probleme in der Stadt – mit einem Happy End.

Alle Augen in der Digital Church - der ehemaligen Elisabethkirche an der Jülicher Straße, in der heute der DigitalHub Aachen zuhause ist - sind auf Artur mit dem Mikrofon in der Hand gerichtet. Gemeinsam reihen wir uns auf der Bühne rund um das Rednerpult auf und blicken in gespannte Gesichter im Publikum. Wir – das sind: Gero, Max, Sarah, Dustin, Artur und ich, Lars. Gemeinsam treten wir beim diesjährigen Hackathon des Medienhauses Aachen gegen acht andere Teams an. „Smarter City – Hack the #datadome“ ist das Motto. Das Ziel: Digitale Lösungen finden, die unsere Stadt attraktiver machen sollen.

Wir haben eine Plattform entwickelt, auf der die Aachener schnell und unkompliziert auf einer Stadtkarte Verbesserungsvorschläge für eine ganz bestimmte Stelle in der Stadt machen können – sei es in den Bereichen Mobilität, Handel oder Freizeit. Wer die Seite aufruft, kann sofort sehen, an welchen Stellen es bereits Vorschläge gibt, kann sie kommentieren oder liken. Eine digitale Schnittstelle, die es den Aachener Bürgern erleichtern soll, die Lebensqualität zu erhöhen. Und die es der Stadt erleichtern soll, auf die konkreten Wünsche der Bürger einzugehen. Artur hat drei Minuten Zeit, die Jury von unserem Konzept zu überzeugen. Kommt es tatsächlich so gut an, wie wir meinen?

Seit Donnerstagabend sitzen wir als Team zusammen und tüfteln an der Umsetzung von Geros Idee, die er in einem Pitch, einem kurzen Impulsvortrag, vorgestellt hatte. Er wirkt sehr eloquent und überzeugt von seiner Idee. Nach neun Vorträgen sollen sich die Teams finden. Ich, Max, Sarah und Dustin stellen sich zu Gero. Kurzes Kennenlernen. Ich bin der Einzige ohne Programmierkenntnisse. Ein Jahr Informatik in der Schule hat mir gereicht – fast so ein abstraktes und kaum verständliches Fach für mich wie Religion. Und nun stehe ich hier mit lauter Programmierkünstlern. In einer Kirche. Zumindest ist sie seit 2016 entweiht und hat mit ihren vielen Sitzecken, Steckdosen, Laptops, Scheinwerfern und Lautsprechern nur noch wenig mit einem Gotteshaus zu tun. Kann das trotzdem gutgehen?

Aufmerksam: die Hackathon-Jury mit Julia Molitor (Geschäftsführerin Echohelden, v.l.), Medienhaus Aachen-Geschäftsführer Andreas Müller, Constanze Chwallek (FH Aachen), Andreas Schneider (Geschäftsführer NetAachen), Amien Idries (Stellvertretender Chefredakteur Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten) und Iris Wilhelmi (Geschäftsführerin DigitalHub Aachen). Foto: Andreas Steindl

Artur stößt später noch zu unserem Team dazu. Auch er hat keinerlei Programmierkenntnisse. Ich fühle mich nicht mehr ganz so exotisch. Wir können uns in die mehrere Stunden dauernden Diskussionen auch so gut einbringen. Die Tafeln in unserer Arbeitsecke sind sehr schnell vollgeschrieben. Wir suchen Antworten für alle möglichen Fragen: Gibt es schon vergleichbare Plattformen? Warum hat Aachen so etwas noch nicht? Wer sind unsere Ansprechpartner bei der Stadt, denen wir unsere Idee vorstellen können? Wie fertig soll unsere Plattform bei der Präsentation sein? Sollen die Nutzer sich bei uns nur beschweren oder auch konstruktive Vorschläge machen können?

Es dauert, bis wir uns auf eine gemeinsame Linie einigen können. Vielleicht liegt es am Ende auch einfach an der eintretenden Müdigkeit. Artur verabschiedet sich als Erster: „Morgen dann in alter Frische!“ Gero antwortet: „Alt ja. Frisch eher nicht.“ Um 1 Uhr nachts ist es sehr still in der Digital Church. Ich höre nur noch Finger, die auf Laptoptastaturen tippen. Eine halbe Stunde später gehen Sarah und ich. Gero und Max bleiben und programmieren noch ein wenig. Um kurz vor 3 lese ich Geros Nachricht in unserer Slack-Gruppe: „Werde vor 10 nicht in die Church kommen, da wir bis eben noch an der Map gebastelt haben.“ Gut zu wissen: Auch Informatiker brauchen also mal Schlaf.

Einigermaßen frisch steht der zweite Tag unter dem Motto Arbeitsteilung. Gero und Max programmieren um die Wette. Die beiden sind ein eingespieltes Team, sind Hackathon-erprobt und ergänzen sich gut. Max scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Gero ist mehr der Antreiber und gibt die Richtung vor. „Max, dafür haben wir keine Zeit“, höre ich häufiger. Wenn sich die beiden unterhalten, muss ich mehrmals passen. Begriffe, Witze, Arbeitsanweisungen – Informatiker haben oft eine eigene Sprache. Vielleicht bin ich aber auch der Einzige, der „REGEX TelNo (Space und Linebreak stripen bitte): (?:(?:\(?(?:00|\+)([1-4]\d\d|[1-9]\d?)\)?)?[\-\.\ \\\/]?)?((?:\(?\d{1,}\)?[\-\.\ \\\/]?){0,})(?:[\-\.\ \\\/]?(?:#|ext\.?|extension|x)[\-\.\ \\\/]?(\d+))“ nicht versteht.

Sarah hilft den beiden und arbeitet am Design. Dustin kümmert sich um die Powerpoint-Präsentation für den Vortrag und hilft Gero und Max wo er kann. Artur und ich recherchieren und liefern Input.

Artur telefoniert auch mit Vertretern der Stadt. Es stellt sich heraus: Wir scheinen mit unserer Idee einen Nerv getroffen zu haben. Wir befragen potenzielle Nutzer vor der Stadtbibliothek und dem Super C. Es ist schön, an die frische Luft zu kommen. In unserer Arbeitsecke in der Digital Church ist es inzwischen sehr stickig...

Fast alle Befragten geben uns nützliches Feedback und finden unsere Idee gut. Nur eine Person hält nichts davon. In einem langen Monolog erklärt sie uns unter anderem: Rheinländer seien grundsätzlich schlechte Menschen. In Aachen sollten nur noch Japaner leben, da sie besser nach Deutschland passen würden als Rheinländer. Die Person kann angeblich auch anhand der Augenfarbe erkennen, ob jemand hier aus der Region kommt. Als angehender Journalist lerne ich interessante Menschen kennen, das muss ich zugeben.

Grundlegende Diskussionen führen wir am zweiten Tag kaum noch. Eigentlich nur ein Mal: Wie nennen wir unsere Plattform? „Ideen für Aachen“?„StadtplanerAC“? Ich werfe „bessermaachen“ in den Raum. Mein kleines Wortspiel gefällt dem Team. Der Name steht fest, Gero bucht die Domain für uns. Immerhin: Wenn ich schon nichts zum Programmieren beitragen kann, dann zumindest den Namen unserer Plattform. Nach mehreren Stunden vor dem Bildschirm sagt Max zu Sarah: „Das sind nur zehn Zeilen Code. Das mach ich dir ganz schnell.“ Ich überlege, wie lange ich wohl brauchen würde. Zum Hackathon 2020 wäre ich wahrscheinlich fertig.

Beim Hackathon 2019 naht aber schon die Entscheidung. Arturs Vortrag ist auf den Punkt und dreißig Sekunden unter dem Zeitlimit. Der Applaus der Jury und des Publikums fühlt sich gut an: Das ist der Lohn dafür, dass Sarah, Gero und Max noch bis 6.30 Uhr an dem Prototyp unserer Plattform programmiert haben. Der Lohn für die stressigen Stunden vor dem Pitch, als wir noch einige Fehler auf unserer Homepage und Ungenauigkeiten bei unserer Präsentation ausgemerzt haben. Und der Lohn für die gesamte Zeit, die wir an „bessermaachen“ gearbeitet haben.

Die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Wir stoßen in der Zwischenzeit auf die drei Tage an. Ein wenig Smalltalk mit den anderen Teilnehmern, die auch interessante Ideen verwirklich haben. Wirklich harte Konkurrenz. Die Jury kehrt zurück, um die Sieger zu verkünden.

Ein kurzer Moment der Spannung. Und tatsächlich: Beim 1. Preis „Best Overall“ hören wir unseren Namen. Wir klatschen uns ab, gehen unter Applaus noch mal auf die Bühne und holen unsere Preise ab. Siegerfotos und Siegerinterviews folgen. Alle strahlen. Gewinnen fühlt sich schon ganz gut an. Selbst dann, wenn alle müde sind. Doch der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Auch für meine berufsbedingte Neugier, mal in eine für mich komplett andere Welt einzutauchen. 100 Prozent Siegquote bei Hackathons. Und das ohne jegliche Programmierkenntnisse. Vielleicht sollte ich auf dem Höhepunkt zurücktreten. Doch wer weiß: Vielleicht schließe ich mich beim Hackathon 2020 erneut Gero an, wenn er wieder so eine gute Idee hat. Den Prototyp von Bessermaachen.de werde ich jedenfalls noch das ein oder andere Mal anklicken.

Zufriedene und müde Gewinner: das Team „bessermaachen“ mit Jurorin Constanze Chwallek von der FH Aachen (r.). Foto: Andreas Steindl
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