Kerpen: Das mulmige Gefühl vor den Braunkohle-Protesten

Kerpen : Das mulmige Gefühl vor den Braunkohle-Protesten

Die Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg haben auch gut einen Monat danach noch ein Echo im rheinischen Braunkohlerevier. Dort werden vom kommenden Wochenende an viele Umweltaktivisten zu Protesten gegen fossile Energien erwartet - und Anwohner machen sich Sorgen.

Am Montagabend stellen sie viele Fragen an den Aachener Polizeipräsidenten in Kerpen-Buir. „Wir sind präsent auch mit zivilen Kräften. Wir haben genügend Kräfte und Reserven, die schnellstens da sind”, antwortet Dirk Weinspach bei einer Bürgerversammlung am Tagebau Hambach.

Dem nächsten Klimacamp Rheinland (18.-29.8) sehen Menschen im Rheinischen Revier mit gemischten Gefühlen entgegen. Einer von ihnen ist Norbert Krüppel: „Die kündigen ja alle friedliche Demonstrationen an. Aber man weiß ja nicht, was passiert”, sagt er. Wer weiß, ob sich nicht gewalttätige Autonome unter die Aktivisten mischen.

„Ausschließen kann man nichts”, sagt Weinspach. Aber die Polizei habe keine Hinweise, dass Gewalttäter in dem Umfang und mit der kriminellen Energie wie in Hamburg ins rheinische Revier kommen. Die Beamten rechnen zwischen dem 24. und 26. August mit dem Höhepunkt der Aktionen und werden dann nach eigenen Angaben tagelang rund um die Uhr im Einsatz sein.

Das Aktionsbündnis „Ende Gelände” will mit seinen Aktionen Druck machen: Es gebe kaum noch Zeit, um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu verhindern, sagt die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Insa Vries. Der Energiekonzern „RWE zeigt sich uneinsichtig, und die Politik bleibt untätig. Es liegt an uns, jetzt zu handeln”, stellt Vries fest. Man werde ruhig und besonnen vorgehen, keine Infrastruktur beschädigen und keine Menschen gefährden. „Unsere Aktion richtet sich nicht gegen die Polizei oder Angestellte von RWE”, unterstreicht die Sprecherin.

„Wir können nicht ignorieren, dass angekündigt ist, Tagebaue zu stürmen und dabei aller Voraussicht nach Straftaten begangen werden”, sagt Weinspach. Die Polizei werde konsequent Straftaten verfolgen: „Hier darf kein Raum für Straftäter sein.”

Die Region hat noch das Szenario vom Sommer 2015 vor Augen, wo Hunderte Umweltaktivisten den Tagebau Garzweiler stürmten. Weil eine Gruppe in die Nähe eines Baggers kam, stoppte der Betreiber RWE den Betrieb. Jetzt warnt die Polizei auf Facebook eindringlich vor den Gefahren des Tagebaus: Die Leute könnten sich in den Steilflanken den Hals brechen, von tödlichen Stromschlägen getroffen oder von schwerem Gerät erschlagen werden. „Wir als Polizei wollen, dass am Ende des Tages alle Beteiligten gesund nach Hause gehen können”, appelliert die Polizei auf Facebook.

Wegen Hausfriedensbruchs wurde damals niemand verurteilt, weil RWE den riesigen Krater nicht rundum abgesichert hatte. Der Konzern ist nach eigenen Angaben in diesem Jahr vorbereitet, hat den Tagebau rundum abgesichert, Erdwälle gebaut, Zäune gezogen und den Tagebau Garzweiler nach eigener Einschätzung als Eigentum kenntlich gemacht.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten