Jülich: Das Jülicher Atommülllager wird geräumt

Jülich: Das Jülicher Atommülllager wird geräumt

Seit fast genau einem Jahr gibt es keine gültige Aufbewahrungsgenehmigung für die 152 Castoren im Jülicher Zwischenlager. Zweimal hat die NRW-Atomaufsicht, das NRW-Wirtschaftsministerium, mit sogenannten befristeten atomrechtlichen Anordnungen eine genehmigungslosen Zustand verhindert.

Einen Monat, bevor die zweite Frist abläuft kommt nun die Anordnung auf Räumung des Zwischenlagers. Grund: Der Boden unterhalb des Zwischenlagers ist nach neuen Sicherheitsstandards nicht stabil genug für extreme Erdbeben.

Was sich zunächst so anhört, als stünde ein Abtransport der Behälter schon unmittelbar bevor, verschafft allen Beteiligten mehr Planungssicherheit. Denn: Durch die Räumungsanordnung ist eine weitere Genehmigung für das Zwischenlager Jülich, wie es vom Forschungszentrum (FZJ) geplant war, vom Tisch. Stattdessen müssen nun bis Ende September konkrete Pläne für den Abtransport der Castoren erstellt werden. Vielleicht noch wichtiger für die Verantwortlichen ist aber die Rechtssicherheit. Denn Dank der Räumungsanordnung darf der Atommüll so lange in Jülich gelagert werden, bis er abtransportiert ist — auch ohne Lagerungsgenehmigung des eigentlich zuständigen Bundesamts für Strahlenschutz.

Die neue Entwicklung am atomaren Jülicher Zwischenlagers hat in der Politik auch am Mittwoch zu gegenseitigen Schuldzuweisungen geführt. Der Jülicher Landtagsabgeordnete Josef Wirtz (CDU) wirft der rot-grünen Landesregierung vor, vier Jahre lang „grüne Symbolpolitik betrieben“ zu haben. Wirtz wies darauf hin, seine Partei habe seit 2008 „einen Abtransport des radioaktiven Materials für nötig und sinnvoll gehalten“. Gleichwohl hat auch die damalige schwarz-gelbe Landesregierung, die bis 2010 im Amt war, nichts unternommen, um diese Überzeugung in die Tat umzusetzen.

Der Heimbacher Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) hingegen betont abermals, dass „wegen der Erdbebengefahr in Jülich niemals ein Atomkraftwerk“ hätte betrieben werden dürfen. „Das bestätigt die jahrzehntelange Kritik an den verschieden Atomreaktoren, die in Jülich betrieben wurden.“ Vor allem aber muss laut Krischer geklärt werden, ob angesichts der Erdbebengefahr „der hochverstrahlte Reaktorbehälter dauerhaft in Jülich gelagert werden kann“.

Tatsächlich sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel: Wohin sollen die Brennelement-Kugeln nun. Nach derzeitigem Stand wollen FZJ und NRW-Wirtschaftsministerium den Brennstoff zurück in ihr Herkunftsland bringen, in die USA. Die US-Regierung hat grundsätzlich Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert, allerdings gab es zuletzt auch dort große Kritik am Rücktransport von Umweltschützern, die Deutschland vorwerfen, die Endlagerproblematik an die USA weiterzureichen.

Oliver Krischer hält die Lagerung im einem sicheren Zwischenlager in Jülich immer noch für „die sinnvollste Option gegenüber risikoreichen und komplizierten Transporten in die USA“. Bis zu einer Entscheidung wolle er „die endgültigen Ergebnisse entsprechender Gutachten“ abwarten, erklärte der Grüne Bundestagsabgeordnete am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung.

Vielleicht fußen Krischers Überlegungen ja auf den Erfahrungen, die beim ursprünglich geplanten Transport der Castoren ins Zwischenlager Ahaus gemacht wurden. Denn trotz jahrelanger Bemühungen erhielt das FZJ weder eine Transport- noch eine Einlagerungsgenehmigung vom Bundesamt für Strahlenschutz für den radioaktiven Müll. Begründung: Transport und Einlagerung erfüllten nicht den erforderlichen neusten Stadt von Wissenschaft und Technik.

Insofern könnten noch Jahre vergehen, bis die Jülicher Castoren tatsächlich das Gelände des Forschungszentrums verlassen.