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Kliniken sind startklar: „Das einzige, was noch fehlt, ist der Impfstoff“

Kliniken sind startklar : „Das einzige, was noch fehlt, ist der Impfstoff“

Jetzt sollen die ersten Ärzte und Pfleger die ersehnte Corona-Impfung bekommen. Sie kämpfen in den Kliniken um das Leben der vielen schwer erkrankten Patienten. Auch in ihren Reihen gab es schon Infizierte. Bei der Impfaktion wird mit einer hohen Beteiligung gerechnet.

Die großen Krankenhäuser Nordrhein-Westfalens sind startbereit für die Coronavirus-Impfungen zugunsten ihrer besonders betroffenen Mitarbeiter. „Wir rechnen täglich mit dem Eingang des Corona-Impfstoffes und werden dann unverzüglich mit den Impfungen beginnen. Aktuell planen wir mit einem Impfstart am 18. Januar 2021“, sagte ein Sprecher des Universitätsklinikum Köln am Donnerstag bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerten sich auch die Sprecher weiterer Unikliniken zum bevorstehenden Impfstart.

Auch das Universitätsmedizin Essen ist nach Angaben eines Sprechers auf einen möglicherweise früheren Impfstart vorbereitet. Wann es losgehe, hänge von der Lieferung des Impfstoffs ab. „Das einzige, was noch fehlt, ist der Impfstoff“, schilderte ein Sprecher der Uniklinik Düsseldorf mit Verweis auf ein funktionstüchtiges Impfzentrum. Der Impfstart sei für Montag geplant. Auch das Universitätsklinikum Münster startet laut einer Sprecherin mit dem Impfen am Montag. „Wir warten darauf, dass die Lieferung kommt“, sagte eine Sprecherin des größten Krankenhauses von Nordrhein-Westfalen, der Uniklinik RWTH Aachen. Sie rechnet ebenfalls am Montag mit einem Impfstart. Es gebe zahlreiche Nachfragen von Mitarbeitern: „Wann sind wir dran?“.

Die Impfung von Ärzten und Pflegern in den Kliniken kann Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums möglicherweise früher beginnen. Die eingetroffene erste Lieferung des Impfstoffes der Firma Moderna solle zeitnah genutzt werden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Daher habe man sich dazu entschieden, die Unikliniken anzuschreiben und ein Impfangebot bereits vor dem 18. Januar zu machen, sofern diese bereits dazu organisatorisch vorbereitet sind. Für den großflächigen Impfstart in den besonders von Covid-19 betroffenen Bereichen der Krankenhäuser sei weiterhin der Montag vorgesehen, hieß es.

Bei den Corona-Impfungen sind nach Darstellung der Kliniksprecher insbesondere die Auswirkungen auf die Dienstpläne zu beachten. Die Vorgaben für einen coronakonformen Ablauf gelte es einzuhalten.

„Wir sind ohnehin schon sehr lange in den Startlöchern“, erklärte der Sprecher der Uniklinik Düsseldorf. In einem Versorgungsgebäude sei die Impfstelle von einem Messebauer errichtet worden. Dass alles funktioniere, habe ein Probebetrieb gezeigt. Die Krankenhausleitung gehe von einer hohen Impfbereitschaft unter den 8000 Mitarbeitern aus. Das Personal, das Covid-19-Patienten behandelt, solle bei der Impfung zuerst an die Reihe kommen. Aber auch die Mitarbeiter der Notaufnahme würden priorisiert. In einem im Eiltempo errichteten Modulbau werden schwerpunktmäßig Corona-Patienten behandelt. Am Donnerstag waren es in der gesamten Uniklinik 45 Patienten.

Der Ärzteverband Marburger Bund betonte die Dringlichkeit. „Seit über zwei Wochen warten die Klinikmitarbeiter händeringend auf diese Impfungen“, erklärte der Verbandsvorsitzende für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Hans-Albert Gehle. In dem Nachbarland würden Klinikmitarbeiter bereits seit dem 29. Dezember geimpft. „Es ist außerordentlich wichtig, dass sich jetzt alle Klinikärzte und Pflegekräfte so rasch wie möglich gegen das Corona-Virus immunisieren lassen, denn berufsbedingt sind Klinikmitarbeiter einem deutlich erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt“, unterstrich er.

In den vergangenen Wochen hätten sich „unzählige“ Klinikmitarbeiter bei der Behandlung von Covid-19-Patienten infiziert und hätten deswegen in die häusliche Quarantäne gehen müssen. „Um die Versorgung der hohen Zahl an Covid-19-Patienten weiterhin gewährleisten zu können, benötigen wir aber jeden Arzt und jede Pflegekraft“, betonte Gehle. Ohnehin fehlten ausreichend Ärzte und Pflegekräfte.

(dpa)