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Coronavirus: Sorgen, Ideen, Notfall-Hilfen

Alltag mit Corona : Sorgen, Ideen, Notfall-Hilfen

Die gegen Corona erforderlichen harten Einschnitte könnten eine brutale Konsequenz haben. Aus guten Gründen wird eine Kontaktsperre verordnet, doch genau das setzt nicht wenige Frauen und Kinder Risiken für Leib und Leben aus.

Die Deutsche Kinderhilfe warnt jedenfalls vor wachsendem Aggressionspotenzial, weil Familien auferlegt wird, sich weitestgehend auf die eigene Wohnung und den Umgang untereinander zu beschränken.

„Seien Sie wachsam!“ So steht es auf der Homepage der Kinderhilfe. „Wenn Menschen zu oft, zu lange und zu eng beieinander sein müssen, führt dies nicht selten zu Gewalt.“

Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Aachener Kinderschutzbundes, hält diese Warnung für berechtigt: „Die Statistiken sagen uns, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder in solchen Situationen zunimmt. Den Kindern fehlt die Auszeit in der Schule oder der Kita. Dann sind alle Nerven angespannt“, sagt sie unserer Zeitung.

Die tägliche Gewalt in Familien werde unterschätzt. „Und die fängt nicht erst mit Schlägen an, sondern mit psychischer Gewalt, mit Anschreien und Drohen.“ Weyer empfiehlt Familien, „an einer Tagesstruktur festzuhalten und auch ohne Schule den Stundenplan einzuhalten. Viele Schulen haben den Kindern Aufgaben mitgegeben.“

Der Landesverband NRW des Kinderschutzbundes rät, auch kleinen Kindern die aktuelle Situation zu erklären, den ungewöhnlichen Alltag nicht einfach laufen zu lassen, sondern für eine klare Tagesstruktur zu sorgen, der eigenen Familie für die neue Situation auch neue Regeln zu geben.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Autonome Frauenhäuser (LAG) in Dortmund befürchtet, dass sich die Situation in ihren Einrichtungen, die ohnehin und schon lange angespannt sei, weiter verschlimmert. „Es ist immer prekär. Unsere Häuser sind immer überfüllt. Wir haben viel zu wenig Plätze, und jetzt spitzt es sich wegen der aktuellen Situation noch einmal zu“, sagt Claudia Fritsche von der LAG unserer Zeitung. Häusliche Gewalt werde unterschätzt. Das Problem sei zwar bekannt, es gebe aber zu wenig Prävention. Von den 65 Frauenhäusern im Info-Netzwerk der LAG haben laut Fritsche derzeit 63 keine freien Plätze mehr. „Die Lage ist dramatisch.“

Die sogenannten Sozialraumteams der Kommunen gehören zur kritischen Infrastruktur. „Dies gilt auch für die Helferinnen und Helfer von freien Trägern“, sagt Björn Gürtler vom Aachener Presseamt. „Es wird auch weiterhin ambulante Besuche in den Familien geben; wir gehen auch weiterhin jedem Hinweis auf Kindesmisshandlung oder Kindesmissbrauch nach.“

In Notfällen rät er dazu, das örtliche Jugendamt anzurufen  in Aachen erreichbar unter 0241/432-5151.