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Coronavirus: NRW hält bald offiziell Abstand

Mit Mundschutz und Abstand : Corona wird in NRW deutlich sichtbar

Am Wochenende konnte man sehen, was ab Montag Pflicht wird: Viele Menschen waren schon mit Mundschutz unterwegs. Die meisten bekannten Corona-Beschränkungen gehen auch in der neuen Woche weiter. Experten sorgen sich, dass das Folgen vor allem für kleine Kinder haben wird.

Für die Menschen in Nordrhein-Westfalen gilt von diesem Montag an landesweit die Maskenpflicht an bestimmten öffentlichen Orten. Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren müssen beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen Mund und Nase bedecken - wer keine professionelle Maske hat, kann anfangs auch noch ein Tuch oder einen Schal nutzen. Die Ordnungsämter wollen die Maskenpflicht überprüfen. Supermärkte und Verkehrsbetriebe setzen vor allem auf die Vernunft der Menschen. „Wir appellieren mit Nachdruck an unsere Kunden, die Vorschriften genau einzuhalten“, sagte eine Rewe-Sprecherin.

Eine weitere Neuerung: Alleinerziehende dürfen an diesem Montag erstmals ihre Kinder in die Notbetreuung von Kitas und Schulen bringen. Allerdings kam trotz der frühzeitigen Ankündigung der Landesregierung der offizielle Erlass am Freitag erst sehr spät. Mehrere Kommunen wie Neuss und Mönchengladbach hatten es Alleinerziehenden deshalb vor dem Wochenende zunächst verweigert, ihre Kinder für die Betreuung am Montag anzumelden, berichtete die „Rheinische Post“.

Der erste Shopping-Samstag nach dem wochenlangen Corona-Stillstand im Einzelhandel verlief in den NRW-Städten ohne große Probleme. In den Einkaufsstraßen war es wieder voller als zuletzt, aber bei weitem nicht so betriebsam wie an einem „normalen“ sonnigen Samstag. Es durften allerdings auch nur kleine Geschäfte mit höchsten 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen. Viele Menschen in Düsseldorf, Dortmund oder Köln trugen bereits Schutzmasken. Durch die strengen Zugangsregeln bildeten sich vor vielen Geschäften Warteschlangen - mit Mindestabstand. Größere Verstöße gegen das Abstandsgebot gab es nach Angaben mehrerer Städte auch am Sonntag nicht.

Mit der neuen Woche dürfen auch die größeren Geschäfte im Land wieder öffnen, wenn sie die zugängliche Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren. Ausnahmen von dieser Begrenzung gelten etwa für Möbelhäuser, Buchläden, Baumärkte und Autohäuser. Für alle Geschäfte gilt aber, dass maximal ein Kunde pro zehn Quadratmeter Fläche im Laden sein darf.

Neben der Mundschutzpflicht gilt in der neuen Woche erstmals auch ganz offiziell der Mindestabstand in der Öffentlichkeit. Was bisher kaum jemandem aufgefallen war: Für den von der Politik oft beschworenen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen außerhalb der eigenen Familie gab es bisher keine Rechtsgrundlage. Die Landesregierung hat das nun in einer neuen Coronaschutz-Verordnung nachgeholt. Kann man aus bestimmten Gründen den Mindestabstand nicht einhalten, gilt die Schutzmaskenpflicht.

Mit Blick auf die vielen Hunderttausend Kinder und Jugendlichen, die seit Wochen von ihren Eltern zu Hause betreut werden, betonte Familienminister Joachim Stamp (FDP): Es sei weiterhin sein Ziel, bis zu den Sommerferien möglichst viele Kinder wieder in die Kindertagesbetreuung zu holen - „in behutsamen Schritten“. Experten mahnten, dass monatelange Corona-Beschränkungen Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen könnten. „Durch das Kontaktverbot und das Eingesperrtsein drohen psychosoziale Schäden“, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit Sitz in Köln. Dieses Risiko steige, je länger die Maßnahmen andauerten.

Wenn Kinder nun monatelang nicht in die Kita oder Schule könnten, weder Freunde treffen noch auf Spielplätze gehen dürften, sei dies ein schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, mahnte der Solinger Kinderarzt. Bei den nächsten Gesprächen über mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen müssten endlich auch die Bedürfnisse der Kinder in den Blick genommen werden. Die Spiel- und Bolzplätze im Westen bleiben allerdings noch mindestens eine Woche lang gesperrt.

Einen außergewöhnlichen Corona-Einsatz gab es für die Behörden in Grevenbroich. Weil sich zwei mit dem Coronavirus infizierte Familien nicht an die angeordnete Quarantäne gehalten haben, hat das Gesundheitsamt einen ganzen Hochhauskomplex mit 117 Wohnungen abgeriegelt. Alle 450 Bewohner sollten am Sonntag vorsichtshalber auf das Virus getestet werden.

Die Behörden zäunten das gesamte Grundstück am Wochenende ein. Ein Sicherheitsdienst kontrollierte die Ein- und Ausgänge. Die Hausbewohner sollen das Grundstück erst wieder verlassen dürfen, wenn die Tests in ein paar Tagen beweisen, dass sie sich nicht bei ihren Nachbarn angesteckt haben. Die Ergebnisse sollen am Dienstag vorliegen.

(dpa)