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Coronavirus: Kirchen in NRW unter Druck

Stamp und Laschet uneinig : Kirchen wegen Weihnachtsgottesdiensten massiv unter Druck

Christmette ja oder nein? Die Kirchen stehen wegen der Corona-Pandemie massiv unter Druck, ihre Weihnachtsgottesdienste abzusagen. Die NRW-Landesregierung ist sich bei dem Thema uneins.

Die Kirchen in Deutschland stehen unter großem Druck, wegen der Corona-Pandemie auf Weihnachtsgottesdienste zu verzichten. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich am Dienstag allerdings gegen ein Verbot aus. Es gebe eine Absprache der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, die Präsenz-Gottesdienste unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen zuzulassen, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf. Er appellierte allerdings an die Freikirchen: Dort seien die Hygieneauflagen nicht immer eingehalten worden.

Sein Vize, Minister Joachim Stamp (FDP), hatte die Kirchen zuvor aufgerufen, deutschlandweit alle Präsenzgottesdienste an Weihnachten abzusagen. „Die völlig unabsehbare Entwicklung der Pandemie und die Nöte auf den Intensivstationen in vielen Teilen Deutschlands“ machten dies seiner Meinung nach unausweichlich, sagte Stamp der Deutschen Presse-Agentur. Viele Gemeinden Deutschlands haben die Weihnachtsgottesdienste bereits abgesagt; in anderen wurden sie ins Freie oder per Stream ins Internet verlegt.

Die Kirchen befinden sich in der Frage in einer Zwickmühle. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr war ihnen vorgeworfen worden, Gottesdienste und seelsorgerische Arbeit zu bereitwillig eingestellt und damit Gläubige im Stich gelassen zu haben. In den vergangenen Wochen haben die Kirchen nun teils mit großem Einsatz neue Konzepte für Gottesdienste unter Einhaltung der Hygienevorschriften und andere religiöse Angebote entwickelt.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hatte am Wochenende ergeben, dass jeder zweite Deutsche angesichts der hohen Infektionszahlen für ein Verbot der Weihnachtsgottesdienste eintritt. Die Ablehnung der Weihnachtsgottesdienste überwiegt bei Katholiken und Protestanten gleichermaßen. Jeweils 47 Prozent sind laut YouGov für ein Verbot, nur 38 beziehungsweise 39 Prozent dagegen.

Von Angehörigen nicht-christlicher Glaubensrichtungen sprechen sich 42 Prozent für ein Verbot und 40 dagegen aus. Von den Befragten, die keiner Glaubensrichtung angehören, sind die Verbots-Befürworter mit 58 zu 30 Prozent noch klarer in der Mehrheit. Allerdings ist die Bereitschaft, an Weihnachten Gottesdienste zu besuchen, insgesamt eher gering. Nur 6 Prozent der Befragten sagen, dass sie an den Feiertagen in die Kirche gehen wollen, 87 Prozent wollen darauf verzichten.

Das Grundgesetz garantiert zwar die „ungestörte Religionsausübung“. Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz ist ein Verbot von Gottesdiensten aber trotzdem möglich, „soweit auch bei Berücksichtigung aller bisher getroffenen anderen Schutzmaßnahmen eine wirksame Eindämmung der Verbreitung der Coronavirus-Krankheit-2019 (Covid-19) erheblich gefährdet wäre“.

Zuletzt hatte unter anderem die Evangelische Kirche von Westfalen dringend empfohlen, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Die katholische Kirche will aber vorerst daran festhalten. „Es ist wichtig, dass die Gottesdienste an den Festtagen unter bestimmten Auflagen gefeiert werden können“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am vergangenen Donnerstag. Bistümer und Pfarrgemeinden hätten seit dem Frühjahr „umfangreiche Hygiene- und Schutzkonzepte erarbeitet und umgesetzt, die sich bewährt“ hätten. „Auf diese Weise wollen wir weiter verfahren.“

(dpa)