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Coronavirus in NRW – Was bisher bekannt ist

Zusammenfassung : Coronavirus in NRW – Was bisher bekannt ist

Nach den ersten sechs Coronavirus-Fällen in Nordrhein-Westfalen versuchen die Behörden, eine weitere Verbreitung der neuartigen Krankheit zu stoppen – mit Quarantäne sowie Kindergarten- und Schulschließungen. Doch gerade die vielen Kontakte des infizierten Ehepaares zu anderen Menschen machen das zu einer schwierigen Aufgabe.

Zudem blieb zunächst unklar, wo sich das Paar ansteckte. „Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch.

Das infizierte Ehepaar aus Gangelt im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze – eine 46 Jahre alte Kindergärtnerin und ihr ein Jahr älterer Mann – hätten nach der eigenen Infektion bis zu 14 Tage am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, in denen sie weitere Menschen anstecken konnten, so der Minister. Der Zustand des Mannes galt als kritisch.

Unklar blieb, ob die zwei Kinder des Paares erkrankt sind. Zunächst zeigten sie keine Symptome, wurden in häuslicher Isolation von der Großmutter betreut und seien „putzfidel“, so Gesundheitsminister Laumann am Mittwoch. Tests auf das Virus sollten bei ihnen Klarheit bringen.

Ein infizierter Soldat

Auch bei einem am Militärflughafen Köln-Wahn stationierten Soldaten der Flugbereitschaft ist nach Bundeswehr-Angaben das neuartige Coronavirus festgestellt worden. Der 41-Jährige werde seit Mittwoch im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt. Er habe grippeähnliche Symptome, sei aber „in einem gutem Zustand“.

Der Soldat hatte laut Bundeswehr Kontakt zu dem schwer Erkrankten oder dessen Frau aus Gangelt – beim dortigen Karneval. „Nur weil er hörte, dass sein Bekannter in der Uniklinik in Düsseldorf behandelt wird, hat er sich gemeldet“, sagte der Koblenzer Oberstarzt Thomas Harbaum. Zuvor habe der 41-Jährige an eine normale Grippe geglaubt. Nun werde versucht, seine Kontaktpersonen ausfindig zu machen, um sie „wegen häuslicher Absonderung“ zu informieren. Aus Sicherheitsgründen wurde am Mittwoch der Militärflughafen Köln-Wahn vorübergehend geschlossen.

Weitere Infizierte

Wie das NRW-Gesundheitsministerium am Donnerstagmorgen mitteilte, gibt es insgesamt sechs bestätigte Covid-19-Fälle. Dabei handle es sich um eine Mitarbeiterin des schwer erkrankten 47-Jährigen und ihren Lebensgefährten, wie ein Sprecher des Kreises sagte. Sie zeigten Grippesymptome und seien derzeit zuhause. Eine stationäre Behandlung sei nach jetzigem Stand nicht erforderlich. „Das war zu erwarten, dass Leute aus dem direkten Umfeld des Ehepaares positiv getestet werden“, erklärte der Kreissprecher.

Bei einem Arzt aus dem Kreis Heinsberg ist nach Angaben der Stadt Mönchengladbach das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden. Der Mediziner arbeite in einem Krankenhaus in Mönchengladbach. Nach bisherigen Erkenntnissen habe er eine Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg besucht, auf der auch Kontaktpersonen des schwer erkrankten Mannes aus Gangelt anwesend gewesen sein sollen, der an der Uniklinik in Düsseldorf behandelt werde. Der Arzt befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne und sei angewiesen, dort vorerst zu verbleiben.

Die Stadt Mönchengladbach geht davon aus, dass die Infektion des Arztes in den zuvor veröffentlichten Zahlen des Kreises Heinsberg bereits enthalten ist. Die „Rheinische Post“ hatte online über eine Coronavirus-Fall bei einem Arzt in Mönchengladbach berichtet.

Das Gesundheitsamt Mönchengladbach sei dabei, mit Unterstützung der Klinik die Kontaktpersonen, mit denen der Arzt in den letzten beiden Tagen zu tun hatte, zu ermitteln. „Es gibt keine Erkenntnisse über eine Infektionskette, die ihre Ursache in Mönchengladbach hat. Somit gibt es – im Gegensatz zur Suche nach der Infektionskette im Kreis Heinsberg – keinen Sachverhalt, der das Schließen öffentlicher Einrichtungen zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich macht“, erläuterte ein Sprecher der Stadt am späten Mittwochabend zu dem Fall.

Die Erkrankten hatten viele Kontakte

Die 46-jährige Frau aus Gangelt hat noch bis vergangenen Freitag im Kindergarten gearbeitet. Ihr Mann hat in den vergangenen Tagen an einer Karnevalssitzung in seinem Heimatort teilgenommen. „Viele sind mit dieser Familie in Kontakt gewesen, und wir hatten gerade fünf Tage Karneval“, sagte der Bürgermeister von Gangelt, Bernhard Tholen (CDU), der „Welt“. Der 47-Jährige habe eine „unendliche Vielzahl von Kontakten“ zu anderen Menschen gehabt, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU).

Am Rosenmontag suchte das Paar dann ein Krankenhaus in Erkelenz auf, in der Nacht zu Mittwoch wurden sie von dort in die Düsseldorfer Uniklinik gebracht. Der Mann kaum auf eine Intensivstation: „Dort kam es zu einer raschen und rapiden Verschlechterung des allgemeinen Zustandes. Es kam zu einem Lungenversagen“, berichtete der Ärztliche Direktor der Klinik, Harry Elsbernd. Man habe ihn aber stabil halten können. Das Paar habe laut eigenen Angaben bereits seit dem 16. Februar über Symptome wie Fieber und Husten geklagt, wobei sie bei der Frau nicht so stark gewesen seien. Beide haben Lungenentzündungen.

Schulausfall und Schließungen

In ihrem Heimatkreis fällt nun als Reaktion auf die Infektionen erstmal der Schulunterricht aus. Auch Kindergärten öffnen vorerst nicht mehr. Jeweils greift die Maßnahme bis zunächst einschließlich Montag, wie Landrat Pusch ankündigte. Die Stadt Geilenkirchen schloss auch ihr Schwimmbad und die Stadtbücherei, wie eine Sprecherin mitteilte. Bei den Amateurfußballern des FC Wegberg-Beeck wurde der Trainings- und Spielbetrieb untersagt.

„Ich denke, diese Situation erfordert von uns allen etwas Disziplin. Aber wir sollten auch nicht in Panik verfallen“, sagte der CDU-Politiker Pusch, der mit einem runden 100-köpfigen Krisenstab arbeitet. Er riet dazu, dass die Menschen „Massenansammlungen oder Besuche in Gemeinschafteinrichtungen“ vermeiden sollten. Sie sollten am besten zuhause bleiben. Wer Krankheitssymptome bei sich oder Bekannten feststelle, solle seinen Hausarzt anrufen. „Dieser weiß, wie in einer solchen Situation zu verfahren ist.“

Besonders in den Fokus rückte der Kindergarten, in dem die infizierte 46 Jahre alte Frau arbeitet. Alle Kinder der betroffenen Einrichtung sollten untersucht werden. „Da werden jetzt die sogenannten Abstriche gemacht und wir werden irgendwann morgen wissen, ob Kinder infiziert sind oder nicht“, versicherte Laumann. Die Kinder aus der Einrichtung und deren Eltern seien gebeten worden, zu Hause zu bleiben. Der Kindergarten mit 65 Plätzen teilte mit, dass er bis zum 6. März geschlossen bleibe.

Eine Quarantäne von Städten wird es aber nicht geben. NRW-Gesundheitsminister Laumann sieht weiterhin keinen Grund dafür. „Das seh ich noch nicht. Ich glaube auch nicht, dass das die richtigen Maßnahmen am Ende sind“, sagte er am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Maßnahmen in anderen Teilen NRWs

Auch anderswo in NRW gab es Reaktionen: Das in der kommenden Woche geplante internationale Badminton-Turnier German Open in Mülheim an der Ruhr wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Die Ausbreitung des Virus stelle für die Stadt Mülheim, die das Turnier untersagte, ein unkalkulierbares Risiko für Besucher und Sportler dar, hieß es.

Ob es im bevölkerungsreichsten Bundesland schon weitere Infizierte gab, blieb zunächst unklar. Etwa in Leverkusen gab es einen Verdachtsfall. Das Land erhielt beim Kampf gegen die Krankheit Unterstützung vom Robert Koch-Institut (RKI), wie Minister Laumann sagte. Zwei Experten sollen das Ministerium und den Kreis Heinsberg beraten.

Tests in Köln

Die Erkrankung des Mannes hatte auch Auswirkungen auf Köln: Wie sich herausstellte, hatte sich der Coronavirus-Patient noch vor kurzem zu regulären Nachsorgeuntersuchungen in einer anderen Sache in der Uniklinik Köln aufgehalten – am 13. und 19. Februar. In dieser Zeit soll er Kontakt zu zehn Mitarbeitern und 31 anderen Patienten gehabt haben, die mit ihm in den Wartebereichen saßen.

Diese 41 Personen wurden in der Nacht auf Donnerstag auf den Coronavirus getestet – er habe bei allen aber keinen Nachweis auf Coronaviren ergeben. Für die Personen gilt weiterhin eine zweiwöchige Isolation. Bis zur endgültigen Entwarnung müsse wegen der theoretischen Inkubationszeit jedoch das Ende der zweiwöchigen Isolation abgewartet werden, teilte die Stadt in der Nacht auf Donnerstag mit.

Städtetag NRW warnt vor übertriebener Sorge

Der Städte- und Gemeindebund in NRW ruft die Menschen zur Besonnenheit angesichts der Coronavirus-Fälle im Land auf. „Für Panik ist absolut kein Grund. Wir sind vorbereitet“, versicherte der Präsident des Kommunalverbands, Roland Schäfer, am Donnerstag im WDR5-Interview. Man müsse die wenigen bestätigten Coronavirus-Fälle im Verhältnis sehen – etwa zur viel stärker verbreiteten Influenza-Grippe: „In den letzten zwei Jahren sind jeweils pro Jahr über 20.000 Menschen gestorben an der Grippe, ohne dass wir (...) hier in der Bundesrepublik Panikkäufe oder Hamsterkäufe oder so etwas hätten“, sagte Schäfer.

Eine Gefahr im Moment seien aber gezielte Falschinformationen, mit denen im Internet Panik geschürt werden solle. Schäfer riet, sich Informationen ausschließlich auf der Internetseite der zuständigen Stadt- oder Kreisverwaltung zu besorgen. „Dort finden Sie die Informationen, die gültig sind. Da muss man nachgucken, und sich nicht von irgendwelchen Diskussionsgruppen beeinflussen lassen.“

Anzeichen einer Erkrankung

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden; vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus dem chinesischen Wuhan, wo das Virus grassiert.

Viele Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, haben nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln und Halsschmerzen - oder gar keine. Hinzu kommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage.

Vom Robert Koch-Institut hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen. Behörden versuchen, den Fällen mit Hochdruck nachzugehen, um eine weitere Verbreitung des Virus möglichst zu verhindern. Dadurch soll die Belastung auf das Gesundheitssystem abgemildert werden.

(red/dpa)