Aachen: Clueso sorgt für moderne Poesie und Bühnenzauber

Aachen : Clueso sorgt für moderne Poesie und Bühnenzauber

Clueso ist einer, der wie ein guter Freund mal eben vorbeischaut, ein bisschen bleibt und ein paar Songs auspackt. Am Montagabend schaute der 38-Jährige beiden Kurpark Classix vorbei. Und mehr als 5400 Menschen waren gekommen, um sich den Erfurter anzuhören.

Doch zunächst heizt die australische Sängerin Kat Frankie dem Parkpublikum ein. Mit ihrer Stimme kann Kat Frankie erstaunlich spielen, taucht tief ab, um dann wieder ihre sinnlich-offensive Seite zu zeigen — mit vollem Körpereinsatz.

Und dann: Jubel. Clueso tänzelt leichtfüßig über die Bühne bei „Love The People“. Der Songtext flimmert über sechs Videoflächen, auf denen sich im Laufe des Abends eine Menge tut — kunstvolle Farbkompositionen, geometrische Effekte und Fotos aus Cluesos Leben perfekt auf die Songs abgestimmt.

Clueso hat eine Begabung, Nähe zum Publikum aufzubauen — egal, wie groß die Bühne auch sein mag. „Hebt mal alle die Hände, oh, das sieht geil aus“, sagt er beeindruckt beim Rundblick in den Kurgarten. Man spürt, wie eine Glückswelle alles flutet. In diesem Umfeld bewegt sich Clueso völlig unbefangen, tanzt, rappt, legt mal eben eine Hip-Hop-Nummer auf die Bühnenbretter, um im nächsten Moment wieder herumzuspringen oder zusammen mit Kat Frankie das liebevolles Abschiednehmen in „Wenn Du liebst“ zu zelebrieren.

„Neuanfang“, die neue CD hat er im Gepäck, die Songs machen Appetit auf mehr, mit „Chicago“ blickt er zurück auf die Anfänge. Und es gibt gute Geschichten, etwa zur Koproduktion mit den Fantastischen Vier oder von der Annäherung Clueso — Udo Lindenberg. „Cello“, einer der schönsten, stillsten Lindenberg-Songs, ist eine Hommage an den Kollegen. In „Barfuß“ spricht er seinen Fans aus dem Herzen, benennt das mulmige Gefühl, wenn man sich traut, gewohnte Pfade zu verlassen. „Das ist so, als ob man barfuß über Glas läuft“, sagt er.

Clueso ist ein moderner Poet, kritisch, experimentierfreudig, wortgewandt, einer, der den richtigen Ton trifft. Ob er nun von den Pizzaschachteln erzählt, die sich in seiner Wohnung stapeln oder über Leben und Tod philosophiert.

Und am Montagabend darf auch der Appell für Toleranz, gegen Homophobie und Fremdenhass nicht fehlen. Und so recken mit dem Erfurter 5400 Menschen die rechte Faust in die Höhe. Clueso schafft Gemeinschaft. Als ein schriller Rufe aus dem Publikum die Bühne erreicht, sagt er nur. „Was willst Du, Schatz? Ich versteht Dich nicht!“ Na ja, was sie alle wollen. Noch einen Song. Die Zugaben kommen, dann ist Schluss. Der gute Freund geht.

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